2020 – Gartentipp 31 – Die Kirschessigfliege – Schädling mit massiven Folgen

Himbeer-Versuch Stutel 2016-1

Die Erntezeit von Heidelbeeren und Himbeeren ist in vollem Gange. Doch leider bemerkt man nun verstärkt weiche und saftende Früchte. „Dies sind Schäden durch die Kirschessigfliege“, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.
Ein durchschnittlicher Sommer wie 2020 ohne längere Phasen mit heißen Tagen, jedoch höherer Feuchtigkeit durch Tau und Niederschläge begünstigt das Auftreten des Fruchtschädlings, der gesundes reifendes oder reifes Obst befällt.

Warum tritt die Kirschessigfliege dieses Jahr wieder stärker auf?

Himbeere-KEF

Aus dem asiatischen Raum eingewandert machte die Kirschessigfliege besonders in den Jahren 2014 und 2016 von sich reden, da es zu großen Ernteschäden im Wein- und Obstanbau kam. Doch auch im Garten und in der Flur schädigt sie zunehmend Früchte, die im Sommer und Herbst reifen.
Die Kirschessigfliege liebt feucht-warmes Wetter, wie wir es in den letzten Wochen hatten. Immer wieder Regen, hohe Luftfeuchte (auch durch Taubildung) und Temperaturen zwischen 20 und 25 °C sind optimale Lebensbedingungen und führen zu einer schnellen Vermehrung. Die Gesamtentwicklung vom Ei bis zur erwachsenen Fliege liegt meist nur zwischen 14 und 21 Tagen. Zwischen dichten Sträuchern und in Hecken hält sie sich besonders gerne auf, da es dort länger kühl und feucht bleibt. Hätten wir wie in den letzten Jahren einen heißen und trockenen Sommer mit Temperaturen über 30 Grad, wären kaum Schäden zu erwarten. Bei diesen Bedingungen stellt die Kirschessigfliege ihre Vermehrung ein.

Schäden durch die Kirschessigfliege

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) schädigt, im Gegensatz zu den heimischen Arten der Frucht- und Essigfliegen, völlig intakte Früchte. Da die weiblichen Tiere einen kräftigen sägeartigen Legebohrer besitzen können sie die weiche Fruchthaut ansägen und ihr Ei dort ablegen. Leider ist die Kirschessigfliege nicht auf bestimmte Obstarten beschränkt. So schädigt sie vor allem späte Kirschen, späte Sommer- sowie Herbsthimbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Holunder, Pflaumen, aber auch sehr reife Johannisbeeren; später folgen dann Kiwi, Schwarze Apfelbeere (Aronia), Kornelkirsche, (blaue)Tafeltrauben und Wildfrüchte in der Flur.
Befallene Früchte sehen zunächst normal aus, denn die Fliegenlarven fressen unter der Fruchthaut am Fruchtfleisch. Es entstehen erst kleine Dellen. Später fällt die Frucht immer mehr zusammen und saftet. Ist die Frucht noch nicht ganz zerstört, treten auf leichten Druck an der Einstichstelle Safttropfen aus. Das lockt vermehrt Wespen und andere Fruchtfliegen an, die weiter schädigen.

Vorbeugung und Bekämpfung der Kirschessigfliege

Brombeere-KEF

Brombeere-Kirschessigfliege

Da die Kirschessigfliege eine hohe Luftfeuchte liebt, unternehmen Sie alles, was dem entgegenwirkt wie ein lockerer Aufbau von Baumkronen und Sträuchern. Meiden Sie hohe Stauden und Gräser, damit die gefährdeten Obstarten leichter und schneller abtrocknen können. Das frühzeitige, das heißt deutlich vor der Reife, und dichte Einnetzen kleinerer Pflanzen ist eine effektive Methode. Die Maschenweite der feinen Netze beträgt 0,8 Millimeter (Gemüsefliegennetze, Moskitonetze). Erfolgreich geschützt werden einzelne Fruchttrauben beim Weinstock mit dem Eintüten in Organzabeuteln. Im Weinbau wird vorbeugend Kaolin (Heilerde) in der Traubenzone eingesetzt. Dies führt zu einem weißen Belag, der aber bei der Weinerstellung keine Probleme bereitet.
Ist schon Befall mit der Kirschessigfliege vorhanden, ist das zügige und vollständige Ernten wichtig. Herabgefallene sowie geschädigte Früchte müssen aus dem Garten entfernt werden und dürfen nicht einfach auf den Kompost gelangen bevor die Fliegenlarven abgetötet sind. Dies kann durch Überbrühen der Früchte mit kochendem Wasser sein, durch Ertränken in reichlich Wasser mit etwas Spülmittel oder in geschlossenen Behältern mehrere Tage in der Sonne stehend.

Und in Zukunft?

Das Auftreten der Kirschessigfliege ist vornehmlich abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit im Sommer. Je nach Wetter wird es in den Jahren mehr oder weniger Schäden geben. Verschiedene Institute forschen an der Kirschessigfliege. So auch an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim.
Nachfolgend finden Sie verschiedene weiterführende Informationen zur Kirschessigfliege sowie zum Forschungsprojekt.
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/gartencast/223595/index.php (Gartencast)
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/infoschriften/131844/index.php (Infoschrift)
http://www.lwg.bayern.de/weinbau/rebe_weinberg/083836/index.php (Forschungsprojekt)
http://www.lwg.bayern.de/weinbau/rebe_weinberg/109175/index.php

(Bildautoren: Christine Scherer © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim sowie Mareike Wurdack © LWG)

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/250564/index.php