Pflanzenschutz im Wintergarten




Schmierlaus

Spinnmilbe

Weiße Fliege

Blattlaus
Ein Wintergarten erweitert den Wohnraum, erhöht die Lebensqualität und kann dazu beitragen, Energie einzusparen. Vor allem aber bietet er dem Pflanzenliebhaber ungeahnte neue Möglichkeiten für sein Hobby. Er kann - je nach Wintergartentyp - empfindliche Arten leichter überwintern, sich eine Sammlung mediterraner Pflanzen anlegen oder gar exotische Gewächse aus den Tropen in seinen Wohnbereich holen. Leider bleibt die Freude nicht immer ungetrübt. Die Pflanzen wollen nicht so recht wachsen, Krankheiten und Schädlinge stellen sich ein, im schlimmsten Fall kommt es zu Blattvergilbungen, Blattfall, Absterbeerscheinungen oder gar zum Siechtum und Eingehen der Pflanzen. Woran liegt das, was kann man dagegen unternehmen?


Inhalt

  Zuerst informieren, dann Pflanzen auswählen
  Vorbeugung und regelmäßige Kontrolle
  Oft stimmt's im Wurzelbereich nicht
  Pilzkrankheiten
  Häufig auftretende Schädlinge
  Mechanische, biotechnische und biologische Bekämpfungsmethoden
  Pflanzenschutzmittel
  Was unbedingt zu beachten ist

Zuerst informieren, dann Pflanzen auswählen

Die Lage des Wintergartens, seine technische Ausstattung (Heizung, Verglasung, Isolierung, Wärmespeicherung, Lüftung, Schattierung) und schließlich die Ansprüche seiner Besitzer sowie deren Kulturführung entscheiden über die Wachstumsfaktoren Licht, Temperatur, Luftfeuchte und Luftzirkulation. Der erste Schritt zu einem gesunden und prächtigen Pflanzenbestand ist es, diese Standortvoraussetzungen zu bewerten, sich genau über die Standort- und Kulturansprüche der angedachten Pflanzenarten zu informieren und schließlich nur solche Arten auszuwählen, die geeignet sind.
Man muss sich von der Illusion trennen, jede Pflanze an jedem Ort kultivieren zu können. Es ist wenig Erfolg verspre-chend, typische Schattenpflanzen, wie viele Arten des tropischen Regenwaldes und "Sonnenkinder" wie beispielswei-se Sukkulenten miteinander im Wintergarten zu pflegen. Die Probleme, die Misserfolge und der Ärger daraus sind dann vorprogrammiert. Im Buchhandel gibt es umfangreiche Literatur mit entsprechend vielfältiger Pflanzenauswahl für jeden Wintergarten.

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Vorbeugung und regelmäßige Kontrolle

Neben der Berücksichtigung der Standortansprüche und Verbesserung der Klimaverhältnisse durch kontrolliertes Lüf-ten und Regulieren der Luftfeuchte ist den Pflanzen auch genügend Standraum zu gewähren. Zu eng gestellte oder angepflanzte Bestände begünstigen Pilzerkrankungen. Dass die Nährstoffversorgung der Pflanzenart und dem jeweili-gen jahreszeitlichen Verbrauch angepasst werden muss, sollte selbstverständlich sein. Speziell eine Stickstoffüberver-sorgung fördert den Befall durch saugende Schädlinge wie Spinnmilben oder verschiedene Läuse. Hygienemaßnah-men beinhalten vor allem das Entfernen beschädigter, kranker oder abgestorbener Pflanzenteile.
Darüber hinaus ist der Pflanzenbestand einmal, besser zweimal wöchentlich zu kontrollieren. Da viele Schädlinge und deren Entwicklungsstadien nur winzig klein sind, ist hierbei eine Lupe unerlässlich. Besonderes Augenmerk ist auf stärker gefährdete Bereiche zu legen, beispielsweise Ecken in denen sich die Wärme staut, zugige Orte oder solche mit Kondenswasserbildung.
Besonders wichtig ist die Kontrolle beim Einräumen von Kübelpflanzen im Herbst, um zu vermeiden, dass Krankhei-ten und Schädlinge eingeschleppt werden. Eine Behandlung ist im Freien noch besser möglich.
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Oft stimmt's im Wurzelbereich nicht

Häufigste Schadsymptome bei Wintergartenpflanzen sind gelbe Blätter, Blattfall und Welkeerscheinungen. Hier sind die Gründe oft im Wurzelbereich zu finden. Neben einem Befall mit Dickmaulrüssler- oder Trauermückenlarven liegt die Ursache nicht selten in einem nicht angepassten, übermäßigen Gießen, das durch Luftmangel im Substrat zu Wur-zelschädigungen und Wurzelfäulen führt. Die Pflanzen beginnen dadurch zu welken. Unerfahrene Blumenfreunde wollen dies durch verstärktes Gießen wieder ausgleichen, die Pflanzen sind dann meist nicht mehr zu retten.
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Pilzkrankheiten

Bei geregelten Klimaverhältnissen tritt ein Pilzbefall relativ selten auf. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit, Lichtmangel, ste-hender Luft und längeren Blattnässeperioden können Grauschimmel, z. B. an Zitruspflanzen, Hortensien und Fuch-sien, und Rostpilze Probleme bereiten. Unter trockenen Verhältnissen kann der Echte Mehltau auftreten. Kranke Pflan-zenteile sind zu entfernen, im Handel sind ferner geeignete Pflanzenschutzmittel erhältlich.
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Häufig auftretende Schädlinge

Spinnmilben: Spinnmilben stechen Pflanzenzellen an und saugen den Zellinhalt aus. In der Regel sitzen sie auf der Blattunterseite. Jüngere Blätter werden bevorzugt. Auf der Blattoberseite bilden sich anfangs kleine, gelbliche Flecken. Später fließen diese zu größeren Flecken zusammen, die manchmal kupferfarben sein können. Die Blätter vergilben schließlich ganz, vertrocknen und sterben ab. Bei stärkerem Befall sind spinnwebenartige, feine Gespinste zu sehen.

Blattläuse: Blattläuse saugen den zuckerhaltigen Siebröhrensaft, wodurch an den Pflanzen Vergilbungen, Verkrüppe-lungen an Blättern, Trieben und Zweigen sowie allgemeine Wachstumshemmungen auftreten können. Sie scheiden zudem klebrigen Honigtau aus und verschmutzen dadurch Pflanzen und Einrichtung. Auf den Honigtaubelägen siedeln sich Rußtaupilze an, die die Assimilationsrate der Pflanze beeinträchtigen.

Weiße Fliege: Die Weiße Fliege schädigt die Pflanzen auf ähnliche Weise wie Blattläuse und führt zu entsprechenden Symptomen. Die erwachsenen Tiere halten sich bevorzugt blattunterseits im oberen Pflanzenbereich auf. Bei Berüh-rung, Überstreichen oder leichtem Schütteln der oberen Pflanzenteile fliegen sie auf. Die 0,3-0,7 mm großen, weißlichen, oval geformten, einer kleinen Schildlaus ähnelnden Larven sitzen auf der Blattunterseite.

Schildläuse, Woll- oder Schmierläuse: Schildläuse weisen einen runden oder ovalen, deckelartigen Schild auf. Woll- oder Schmierläuse haben einen deutlich segmentierten Körper mit länglich-ovaler, leicht gewölbter Form. Charakteristisch sind die weißlich-grauen, wachshaltigen Ausscheidungen, die den Körper mehlartig bedecken. Alle Arten saugen große Mengen Pflanzensaft und kommen bevorzugt an Stängeln, Blattstielen und an der Blattmittelrippe vor.
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Mechanische, biotechnische und biologische Bekämpfungsmethoden

Direkte Bekämpfung mit mechanischen Methoden
Da viele tierische Schaderreger trockene Luft bevorzugen, kann durch eine Erhöhung der Luftfeuchte eine vorbeugende und bedingt befallsvermindernde Wirkung erzielt werden. Auch ein Überbrausen in der Badewanne oder im Freien kann nützlich sein. Schildläuse lassen sich auch in begrenztem Maß mit einer feinen Bürste oder Holzstäbchen entfernen. Wenn es möglich ist, sind stärker befallene Pflanzenteile weg zu schneiden, Letzteres gilt auch für Spinnmilben.

Biotechnische Bekämpfung mit Gelbtafeln und Gelbstickern
Weiße Fliegen, Blattläuse, Thripse, Minierfliegen und Trauermücken werden von der Farbe Gelb angelockt. Gelbtafeln und Gelbsticker sind mit einem Spezialleim beschichtet, an dem die Schädlinge fest kleben. Dadurch kann die Population gemindert werden, bedeutend ist die Verwendung dieser Methoden vor allem für die Befallskontrolle.

Biologische Bekämpfung - Einsatz von Nützlingen
Zur Bekämpfung der genannten Schädlinge sowie weiterer Arten stehen käuflich erwerbbare Nützlinge zur Verfügung, beispielsweise Raubmilben gegen Spinnmilben und Thripse oder Schlupfwespen gegen Weiße Fliege, Blattläuse und Schildläuse. Florfliegenlarven sind wahre "Allesfresser". Der Einsatz ist im Unterglasanbau, in Schwimmbädern, Einkaufszentren oder öffentlichen Gebäuden weit verbreitet, im Privatbereich hat er sich noch nicht überall durchgesetzt. Die Kosten, die Beschaffung, aber auch Nichtkenntnis sowie Skepsis sind die Ursachen. Teilweise haben die Nützlinge tatsächlich hohe Ansprüche und ihre Wirksamkeit hängt entscheidend von der Temperatur, Luftfeuchte, Lichtintensität sowie der Tageslänge ab. Zudem müssen sie unbedingt rechtzeitig eingesetzt werden. Wer sich aber genauer mit ihrer Biologie auseinandersetzt und die Ansprüche erfüllt, kann großen Erfolg haben.
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Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel - Stäbchen und Granulate
Sollen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, so ist als Ausbringungsform die Stäbchen- oder Granulatform zu be-vorzugen. Dadurch ist eine einfache, zielgerechte und umweltschonende Ausbringung der Wirkstoffe möglich. Das schwierige Abmessen oder Abwiegen von Pflanzenschutzmitteln und die Herstellung einer Spritzbrühe entfallen. Die Umgebungsluft wird beim Einsatz nicht belastet. Die Stäbchen werden einfach in das Substrat gedrückt bzw. die Gra-nulate mit kleinen Messlöffeln dosiert in die Erde gegeben. Dort löst sich der Wirkstoff, wird von den Wurzeln aufge-nommen und in der ganzen Pflanze, außer der Blüte, verteilt. Es werden also auch versteckt sitzende Schädlinge er-reicht. Stäbchen und Granulate gibt es von verschiedenen Herstellern gegen die wichtigsten saugenden Schädlinge.

Pflanzenschutzmittel - Spritzverfahren
Bei stärkerem Befall oder in Ruhephasen ohne ausreichende Pflanzenaktivität kann eine Spritzung in Erwägung gezo-gen werden. Hierfür gibt es bereits anwendungsfertige Pflanzenschutzsprays sowie Präparate mit Dosierkapseln, die auf eine besondere Sprühflasche aufgeschraubt werden. Neben Mitteln mit synthetischen Wirkstoffen steht auch eine Reihe von Präparaten auf natürlicher Basis zur Verfügung. Bei der Anwendung sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. So sind grundsätzlich der direkte Kontakt sowie ein Einatmen zu vermeiden. Nicht alle Mittel sind gleich gut pflanzenverträglich, Spritzflecken auf der Pflanze und Einrichtung sind möglich. Zudem wird die Raumluft be-lastet, die Behandlung sollte deshalb, wenn es die Witterungsverhältnisse zulassen, im Freien durchgeführt werden.
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Was unbedingt zu beachten ist

Pflanzenschutzmittel dürfen im Haus- und Kleingartenbereich und damit auch im Wintergarten nur angewandt werden, wenn sie mit der Angabe "Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig" gekennzeichnet sind. Sie dürfen zudem nur in den in der Zulassung festgesetzten und in der Gebrauchsanleitung angegebenen Anwendungsgebie-ten und nur unter Einhaltung der vorgeschriebenen Anwendungsbestimmungen eingesetzt werden. Vereinfacht heißt das, dass nur noch erlaubt ist, was in der Gebrauchsanleitung steht und sonst nichts.
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (November 2005)
Erstellt mit fachlicher Unterstützung des Institutes für Pflanzenschutz der Landesanstalt für Landwirtschaft Freising