Bauen mit Weiden

In privaten Gärten, aber auch in öffentlichen Anlagen, Schulhöfen und Kindergärten sind Zäune aus Maschendraht, Kunststoff und Eisen weit verbreitet. Zudem halten immer mehr Spielhäuschen und Klettergestelle aus Plastik oder Metall Einzug. Eine Alternative hierzu stellt die Verwendung von Weiden dar. Wegen ihrer speziellen Eigenschaften wurden die Pflanzen dieser 34 mitteleuropäische Arten umfassenden Gattung in der Vergangenheit nicht nur zum Korbflechten, Ufer- und Hangsichern, Bau von Fachwerkhäusern, Befestigen von Strohdächern, Binden von Weinreben und Schuhen eingesetzt. Aufgrund ihrer Biegsamkeit (daher auch der Name Weide, der sich vom Indogermanischen ueie- = "biegen, winden, drehen" ableitet), Vitalität, hohen Wachstumsgeschwindigkeit, Ausschlags- und Anpassungsfähigkeit eignen sich Weiden darüber hinaus wie kein anderes Gehölz auch für die Anlage "grüner Bauwerke", wie Häuschen, Zelte, Gänge, Zäune. Zusätzlich zu diesem vielfältigen Nutzen aus Sicht des Menschen bieten Weiden einer Vielzahl von Insekten, Vögeln und Säugern Nahrungs-, Brut- und Lebensraum.

Inhalt

  Grundprinzip des Bauens mit Weiden
  Schnitt, Transport und Lagerung von Weidenruten
  Errichten und Pflegen der Weidenbauwerke
  Vorgehensweise beim Bauen mit Weiden
  Bauanleitung verschiedener Objekte
  Auswahl geeigneter Weiden

Grundprinzip des Bauens mit Weiden
Das Bauen mit Weiden funktioniert im Prinzip ganz einfach. Wegen ihres enormen Bewurzelungspotentials reicht es in der Regel aus, geschnittene Weidenruten oder -äste in den Boden zu stecken, so dass sie dort Wurzeln bilden und nach kurzer Zeit neu austreiben. Dadurch ist es möglich, ohne großen Aufwand in nahezu unerschöpflichem Formenreichtum "Gebäude" zu gestalten, die sich selbst stabilisieren, erhalten und begrünen.
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Schnitt, Transport und Lagerung von Weidenruten
  • Schnitt: Aufgrund des Wachstumsrhythmus von Weiden sollten Ruten idealerweise im unbelaubten Zustand während der Vegetationsruhe im Winter geschnitten werden. Dieser Zeitpunkt gewährleistet die beste Bewurzelung und die stärkste Neutriebbildung in den ersten Jahren nach dem Stecken. Die Gewinnung des Astmaterials erfolgt am besten mit Sägen oder Baumscheren, jedoch nie mit Äxten. Diese können zu unnötigen Beschädigungen mit anschließendem Austrocknen führen und kommen deswegen ausschließlich zum Einkürzen auf die gewünschte Länge unmittelbar vor dem Stecken der Ruten zum Einsatz.
  • Transport: Ist nach dem Schnitt eine Verwendung an Ort und Stelle nicht möglich, so empfiehlt sich ein schneller Transport der nicht gekürzten Ruten und Äste bei niedrigen Temperaturen und mit Verdunstungsschutz. Bei offenem Transport, z. B. auf einem Kfz-Anhänger, ist eine Abdeckung mit Folie ratsam, um eine Austrocknung durch den Fahrtwind zu vermeiden.
  • Lagerung: Liegt zwischen der Gewinnung und der Verwendung des Rutenmaterials ein längerer Zeitraum, dann muss dieses so gelagert werden, dass die Vegetationsruhe gewahrt bleibt und ein Austrocknen weitgehend eingeschränkt wird. Dazu kann man die Äste an schattiger Stelle in Erde oder Sand einschlagen und mit Folien abdecken oder aber gebündelt und beschwert in kaltes Wasser - optimal sind Fließgewässer - tauchen.
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Errichten und Pflegen der Weidenbauwerke
Wie sich in Versuchen herausgestellt hat, zeigen schräg gesteckte und dicke Ruten bessere Bewurzelungsergebnisse als senkrechte und dünne. Unterstützt wird die Wurzelbildung durch Wässern in der Anwachsphase und bei anhaltenden Trockenperioden, was man aus Gründen der Arbeitserleichterung z. B. mit Hilfe einer Tropfbewässerung - idealerweise unter Nutzung von Regenwasser - bewerkstelligen kann.
Man muss sich jedoch auch im Klaren darüber sein, dass zusätzlich zu der einmaligen, großen Aktion der Anlage selbst auch langfristig etliche Arbeitseinsätze zur Pflege des Bauwerks unabdingbar sind. Ist nämlich das Bewurzeln erfolgreich verlaufen und ein Neuaustrieb erfolgt, so sollten die neuen Triebe durch Binden oder Einflechten immer wieder in die Architektur des "Gebäudes" integriert werden. Möchte man eine etwas stärkere Verzweigung der Triebe erzielen, so kann man sie durch Schnitt etwas einkürzen und zum seitlichen Austreiben anregen. Sind Triebe zu lang, kann ein kräftiger Rückschnitt erfolgen, mit dem Weiden als schnittverträgliche Gehölze gut zurecht kommen. Bei kleineren Weidenbauwerken wird man dafür Astscheren verwenden, bei größeren ist aus Zeitgründen durchaus auch der Einsatz von Heckenscheren sinnvoll. Darüber hin- aus benötigt in manchen Fällen der Bodenbelag von Weidengebäuden, v. a. wenn sie von Kindern häufig aufgesucht und dadurch strapaziert werden, eine regelmäßige Verbesserung, indem man Schichten von Rindenmulch oder Holzhäcksel aus- bringt und nach Bedarf ergänzt.
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Vorgehensweise beim Bauen mit Weiden
Weidenbauwerke werden am besten zu Vegetationsbeginn angelegt. Vorher sollte man sich aber schon darüber klar werden, welche Art von Bauwerk man errichten möchte und wie viel Rutenmaterial dafür notwendig ist. Wenn man selbst nicht genü- gend Weiden schneiden kann, gibt es als Bezugsquellen kommunale Bauhöfe, Wasserwirtschaftsämter, Flussmeistereien oder sogar Weiden-Spezialbetriebe. Hilfsmittel zum Erstellen der Bauwerke sind Maßband, Schnüre (zum Markieren und Binden), Sand und Spaten, außerdem je nach Technik des Rutensteckens auch noch Vorschlaghammer und Locheisen. Vor Baubeginn werden die Grundrisse der Weidenobjekte ausgemessen und mit Sand markiert. Kreisrunde Gebäude können mit einer an einem Pfahl gespannten Schnur wie mit einem Zirkel gekennzeichnet werden. Entlang der Markierung hebt man dann einen Graben mit 25-50 cm Tiefe und etwa 10-20 cm Breite aus, stellt dicke Gerüstäste in ca. 80 cm, dünnere Ruten in 15-30 cm Abstand hinein verfüllt wieder mit Erde. Dabei ist insbesondere wichtig, dass die Weiden einen guten Halt haben. Dies kann man mit einer anderen Technik noch besser erreichen: Man schlägt mittels Vorschlaghammer und Locheisen ca. 50 cm tiefe Löcher in den Boden, führt die Weiden darin ein und füllt anschließend die Hohlräume mit Erde. Einige der Ruten kann man sicherheitshalber im Schatten oder im Wasser als Reserve aufbewahren, um nicht austreibende Weiden zu ersetzen.
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Bauanleitung verschiedener Objekte
  • Indianerzelt: Man markiert einen Kreis von 1-1,5 m Durchmesser, steckt 2-3 m lange und 3-5 cm dicke Äste in den Boden und bindet sie über dem Zeltmittelpunkt in der gewünschten Höhe zusammen, so dass die Enden wie bei einem Indianerzelt überstehen. Zudem besteht die Möglichkeit, von unten her dünnere Ruten als Querverbindung zwischen die Gerüstäste einzuflechten und/oder kurze Weidenzweige zur Bewurzelung in die Zwischenräume zu stecken, wobei Eingang und Gucklöcher freizuhalten sind. Im Laufe der Jahre neu gebildete Triebe können wiederum verflochten werden.
  • Iglu: Hierfür verwendet man ca. 4 m lange Äste, die zuerst im Halbkreis im Boden befestigt, dann auf die gegenüberliegende Seite gebogen und abschließend eingegraben oder in vorgefertigte Löcher gesteckt werden. Hinsichtlich der Zwischenräume kann man analog dem Indianerzelt verfahren, wobei es sich empfiehlt, kurze in den Boden gesteckte Ruten an den gekrümmten langen Gerüstästen anzubinden, um die Rundung des Iglus beizubehalten.
  • Tunnel: Die Enden ca. 2 m langer Ruten werden wie beim Iglu zuerst auf einer Seite eingegraben, über die Tunnelbreite von etwa 80 cm gebogen und dann auf der gegenüberliegenden Seite im Boden befestigt. Auch hier kann man wieder kürzere Ruten an schon eingegrabene Äste anheften oder quer einflechten. Bei Anlage längerer Tunnels ist es ratsam, seitlich Öff- nungen als "Fluchtwege" für die Kinder auszusparen. In Anbetracht der Tatsache, dass Kinder vorrangig auf allen Vieren durch den Tunnel kriechen, ist als Bodenbelag anstelle des natürlichen Bewuchses Rindenmulch oder Holzhäcksel zu ver- wenden.
  • Zaun: Um einen stabilen Zaun zu errichten, empfiehlt es sich, zuerst einen 20-30 cm tiefen Graben zu schaufeln. In diesen werden dann 5-10 cm dicke Weidenäste in ungefähr 1m Abstand auf die endgültige Höhe des Zaunes eingeschlagen. Dazwischen steckt man in 15-30 cm Abstand dünne Ruten am besten über Kreuz (besseres Anwachsen!). Dann wird wieder Erdreich eingefüllt und festgetreten. Um schon von Anfang an einen relativ dichten Zaun zu haben, kann man lange Ruten waagrecht zwischen die gesteckten einflechten. Der Neuaustrieb der Ruten kann ebenfalls laufend verflochten werden. Nimmt die neu gebildete Triebmasse mit der Zeit zu große Ausmaße an, so lässt sich der Zaun ohne Probleme zurückschnei- den, was man in diesem Fall i. d. R. mit der Heckenschere durchführen wird.
  • Labyrinth: Mit der Anlagetechnik für Zäune lassen sich auch Labyrinthe gestalten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Wege im Irrgarten für hindurch rennende oder spielende Kinder breit genug sind (> 1,5 m). Deshalb ist für die Anlage von Labyrinthen zum einen die Verwendung klein und kompakt bleibender Weidenarten und -sorten ratsam, zum anderen sind regelmäßige Pflegemaßnahmen mit Rückschnitt notwendig. Was die für Kinder sowieso schon große Attraktivität eines Labyrinthes noch erhöht, ist die Integrierung verschiedener "Stationen" wie Sand- oder Steinhaufen, Wasser- und Matschbereich, Naschecke mit Beerensträuchern oder Obstspindelbüschen.
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Auswahl geeigneter Weiden
Obwohl Weiden voll belichtete, feuchte, konkurrenzarme Standorte bevorzugen, können sie wegen ihrer großen ökologis- chen Bandbreite auch auf den meisten anderen Böden gesteckt werden, sogar auf solchen, auf denen andere Gehölze nicht mehr zurande kämen. Dennoch sollten aus ökologischen Gründen möglichst Weiden aus der näheren Umgebung Verwen- dung finden, wodurch die besten Voraussetzungen für ein gutes Anwachsen gegeben sind.
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2002)