Gewächshäuser für den Hausgarten


aus: Schumann/Milicka: Das Kleingewächshaus, Ulmer Verlag
Der Wunsch das Gartenjahr zu verlängern ist bei vielen Gartenbesitzern vorhanden. Wer möchte nicht bereits im zeitigen Frühjahr frischen, knackigen Salat, im Sommer wohlschmeckende Auberginen und den Winter über Feldsalat im eigenen Garten ernten? In unseren Breiten ist das aber nur in einem Gewächshaus möglich. Um das Errichten und die Nutzung eines Gewächshauses erfolgreich in die Tat umzusetzen ist es u. a. notwendig, sich Gedanken über die Nutzungsart, die notwendige Größe und den richtigen Standort zu machen. Aber auch die technischen Einrichtungen und die preislichen Vorstellungen sollten bedacht werden. Hersteller bieten oftmals vorgefertigte Lösungen ohne große Möglichkeiten zur Auswahl an. Dieses Merkblatt soll eine Hilfestellung für die richtige Entscheidung und für die Beurteilung der angebotenen Gewächshäuser bieten.

Inhalt

  Wie funktioniert ein Gewächshaus
  Nutzung und Größe
  Standortwahl
  Bauweisen
  Eindeckmaterial
  Einrichtungen

Wie funktioniert ein Gewächshaus?

Ein Gewächshaus bietet Pflanzen einen geschützten Lebensraum. Niederschläge und starker Wind werden abgehalten, das Licht - die treibende Kraft des Gewächshauses - aber kann beinahe ungehindert von den Pflanzen genutzt werden. Durch das transparente Eindeckmaterial dringen die kurzwelligen Sonnenstrahlen ein, werden dort zum Teil von Pflanzen, Einrichtungsgegenständen und dem Boden aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Da das Eindeckmaterial für die langwellige Wärmestrahlung undurchlässig ist, erwärmt sich der Innenraum. Das Gewächshaus wirkt somit wie ein großer Sonnenkollektor.
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Nutzung und Größe

Die grundsätzliche Vorüberlegung betrifft die Nutzung, da von ihr auch Größe und Ausstattung des Gewächshauses abhängen.

  • Ist nur eine Ernteverfrühung oder die Anzucht von Jungpflanzen zu gewährleisten, so ist ein einfaches Kleingewächshaus ohne zusätzliche Ausstattung oder ein Frühbeetkasten die richtige Wahl. Hier wird die nötige Wärme nur durch die Sonneneinstrahlung bewirkt. Reicht die isolierende Wirkung des Eindeckmaterials bei extremen Witterungsbedingungen nicht aus, kann eine Noppenfolie als Zusatzisolierung aufgebracht werden.
  • Zur Überwinterung von Kübel- oder Balkonpflanzen jedoch ist je nach den Ansprüchen der Pflanzen meist eine Zusatzheizung notwendig. Eine gute isolierende Wirkung des Eindeckmaterials und eine gute Dichtigkeit der Türen und Fenster des Gewächshauses sind ebenso wichtig. Im beheizten Gewächshaus ist auch eine ganzjährige Kultur von besonderen Gemüsearten und die Anzucht von empfindlichen Zierpflanzen möglich.
  • Sonderkulturen wie Kakteen oder Orchideen stellen z. B. besondere Ansprüche an das Klima, was dann deutliche Auswirkungen auf die Ausstattung des Gewächshauses hat.
Um gute Klima- und Arbeitsbedingungen zu erlangen, sollte das Gewächshaus in jedem Fall mindestens eine Grundfläche von etwa 2x3 m und eine Firsthöhe von 2 m haben. Mit wachsender Größe steigt zwar die Höhe der Gesamtinvestition, rechnet man die Kosten aber pro m² Kulturfläche, so sinken diese mit zunehmender Hausgröße. Gleiches gilt für eventuell anfallende Heizkosten. Ebenso muss bedacht werden, dass ab einer gewissen Größe eine Baugenehmigung (bitte bei der zuständigen Auskunftsstelle der Kommune nachfragen) notwendig ist.
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Standortwahl

Der optimale Platz für ein Gewächshaus ist die sonnigste Stelle im Garten, denn es sollte mindestens 6 Stunden in der vollen Sonnen stehen. Je länger die Sonneneinstrahlung dauert, desto höher ist der Wärmegewinn. Hierbei ist vor allem darauf zu achten, dass dies auch im Winter gewährleistet ist, denn dann ist die Erwärmung und die Lichtausbeute am wichtigsten. Falls es von den räumlichen Gegebenheiten her möglich ist, kann das Gewächshaus in Ost-West-Richtung aufgestellt werden, um eine möglichst hohe Lichtausbeute zu erreichen. Wenn Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Heizung notwendig sind, sollte die Entfernung zum Wohnhaus nicht zu groß sein, damit die Kosten für die Erschließung nicht zu hoch sind. Meist ist in diesem Fall ein Kompromiss zwischen dem optimalen Standort und dem gegebenen finanziellen Rahmen zu finden.
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Bauweise

Mit der Nutzung, der gewünschten Größe und dem Standort ist meist die Bauart des Gewächshauses schon festgelegt. Im Normalfall wird man sich für ein freistehendes, rechteckiges Gewächshaus entscheiden, da es für die Bewirtschaftung und die Flächennutzung in der Regel die beste Lösung ist. Darüber hinaus gibt es auch Sonderformen, die für spezielle Ansprüche gedacht sind.
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Eindeckmaterial

Das Eindeckmaterial ist von der Art der Nutzung und dem vorgegebenen Kostenrahmen abhängig.

  • Die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit ist ein Folienhaus. Dabei ist aber zu bedenken, dass die Folie eine deutlich kürzere Lebensdauer als alle anderen Materialien hat und die Lichtdurchlässigkeit geringer ist.
  • Einfachglas ist das klassische Eindeckungsmaterial für Gewächshäuser. Es ist sehr lichtdurchlässig und wetterbeständig, hat aber keine besondere Isolationswirkung. Die höhere Bruchgefahr von Glas (z. B. bei Hagel oder durch spielende Kinder) mit der damit verbundenen Verletzungsgefahr sollte auf alle Fälle berücksichtig werden.
  • Eine bessere Isolation bieten die meisten Kunststoffplatten. Sie werden normalerweise als Stegdoppelplatten angeboten, d. h. zwischen zwei dünnen Kunststoffplatten ist eine isolierende Gasschicht eingeschlossen. Mit einer von den Herstellern garantierten Haltbarkeit von mindestens 10 Jahren sind sie eine gute Alternative, auch wenn die Lichtdurchlässigkeit nicht an die von Glas heran kommt.
Alle Eindeckmaterialien haben eine für den Freizeitbereich ausreichende Lichtdurchlässigkeit.
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Einrichtungen

Fundament: Mit dem Fundament wird das Gewächshaus verankert. Dies kann im einfachsten Fall mit einigen Erdankern ausreichend sein. Für eine dauerhafte Lösung aber sollten zumindest so genannte Punktfundamente an den Ecken betoniert werden, auf denen dann der Konstruktionsrahmen des Hauses befestig wird. Einige Anbieter haben ein zerlegbares Fundament im Programm, das zu den jeweiligen Gewächshaustypen passt und den Anforderungen gerecht wird. Soll das Gewächshaus im Winter temperiert werden, so ist ein rundum laufendes, isoliertes Fundament, das frostsicher eingebaut ist, nahezu unumgänglich, da so auch die vorhandene Erdwärme genutzt werden kann. In der Regel sind bei allen Herstellern Fundamentpläne für die Gewächshäuser zu erhalten.
Wege: Bei der Anlage der Wege muss ein Kompromiss gefunden werden. Zum einen sollten alle Bereiche des Gewächshauses gut zu erreichen sein, andererseits darf aber mit dem Platz nicht verschwenderisch umgegangen werden. Eine einfache Lösung sind Holzroste, die bei Bedarf in einen anderen Bereich verlegt oder auch aus dem Gewächshaus entfernt werden können.
Beete: Bei der Einteilung der Beete muss vor allem darauf geachtet werden, dass die Gegebenheiten des Gewächshauses mit den Ansprüchen der Pflanzen in Einklang gebracht werden. Bei einer gemüsebaulichen Nutzung ist es ratsam, wenn der Weg von der Tür bis kurz vor die gegenüberliegende Wand geht und von einem U-förmigen Beet umgeben ist.
Ausstattung: Für besondere Nutzungsarten bieten alle Hersteller Tische, Regale oder andere Hängevorrichtungen an. Zu beachten ist bei allen diesen Einrichtungen aber, dass sie Schatten werfen.
Lüftung: Die Be- und Entlüftung eines Gewächshauses ist ebenso wichtig wie die isolierende Wirkung des Eindeckmaterials. Da die Temperatur im Inneren auch im Sommer 30 °C nicht übersteigen soll, muss gewährleistet werden, dass laufend frische Luft in das Gewächshaus gelangt. Damit dies erreicht wird, ist eine Lüftungsfläche (= zu öffnende Fläche) von mindestens 20 % der "Außenhaut" notwendig. Diese Öffnungen können Fenster in der Stehwand oder im Bereich des Daches, aber auch eine zweite Tür sein. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Billigangebote keine ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten haben. Eine Erleichterung bei der Einhaltung der gewünschten Temperatur bringen automatische Fensteröffner.
Heizung: Eine Heizung ist dann empfehlenswert, wenn die Erwärmung durch die Sonneneinstrahlung für die Pflanzen nicht ausreichend ist. Sie muss so bemessen sein, dass die notwendig Mindesttemperatur - unabhängig von den äußeren Bedingungen - gehalten werden kann. Neben einfachen Heizlüftern können geeignete Gas- oder Ölheizungen, Warmwasserheizungen, die mit dem Wohnhaus verbunden sind, oder spezielle Bodenheizungen zum Einsatz kommen.
Schattierung: Sie dient dazu, die Temperatur nicht zu hoch steigen zu lassen und empfindliche Pflanzen vor zu starker Einstrahlung zu schützen. Soll die Temperatur im Sommer durch die Schattierung deutlich gesenkt werden, so ist diese außen anzubringen. Für die Schattierung lassen sich auch Strohmatten oder Schattiergewebe auf das Gewächshaus legen. Der Vorteil gegenüber Schattierfarbe ist, dass sie an strahlungsarmen Tagen einfach abgenommen werden können und gleichzeitig als Strahlungsschutz im Inneren des Gewächshauses eingesetzt werden können.
Bewässerung: Bei einer intensiven Nutzung des Gewächshauses ist durch einen Wasseranschluss und einer damit verbundenen automatischen Bewässerung eine deutliche Arbeitserleichterung zu erreichen. Neben einfachen Zeitschaltungen, die wiederkehrend zur selben Zeit den Pflanzen die gleiche Wassermenge zuführen, ist durch den Einsatz von Feuchtefühlern eine bedarfsgerechte Bewässerung gewährleistet. Diese Art der Wasserzuführung ist hinsichtlich Wasserverbrauch und Pflanzenschutz zu bevorzugen. Wird durch die so genannte Tröpfchenbewässerung das Wasser direkt an die Pflanzen transportiert, ändert sich die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung kaum. Dadurch kann vor allem Pilzerkrankungen vorgebeugt werden. Bei einer Überkopfberegnung sinkt die Gewächshaustemperatur, die Luftfeuchtigkeit steigt und damit auch das Risiko eines Pilzbefalls. Deshalb muss gerade bei der Überkopfberegnung besonders darauf geachtet werden, dass gute Lüftungsmöglichkeiten gegeben sind.
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Februar 2003)