Mehrjährige Kletterpflanzen



Für Kletterpflanzen gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten am Haus und im Garten. Ob für die Begrünung von Fassaden, Mauern und Zäunen, zum Beranken von Lauben, Pergolen und Carports oder als Sichtschutz, diese Pflanzengruppe kann dank der reichhaltigen Auswahl individuelle und ansprechende Gestaltungslösungen anbieten. Angesichts der Tendenz zu kleineren Grundstücken und Gartenflächen kommt Kletterpflanzen eine zunehmende Bedeutung zu, da sie wenig Platz in der Fläche benötigen und ihren Blatt- oder Blütenschmuck in der Höhe entfalten. Neben dem ästhetischen Nutzen wirken sie sich positiv auf das Kleinklima und die Lufthygiene aus und schützen Bauteile vor Witterungseinflüssen. Hinzu kommt die große ökologische Bedeutung. Für zahlreiche Tierarten wie Bienen, Schmetterlinge, weitere Insekten und Vögel sind die Blüten und Früchte wichtige Nahrungsquellen und das dichte Laubwerk wird als Versteck oder Brutplatz genutzt. Für fast jeden Zweck lässt sich eine geeignete Art finden, wenn Standortansprüche, Wuchsverhalten, Kletterform, Kletterhilfe und Bauteil aufeinander abgestimmt werden.

Inhalt

  Kletterformen und Kletterhilfen
  Eigenschaften von ausgewählten mehrjährigen Kletterpflanzen und Hinweise zu ihrer Verwendung (Tabelle)

Kletterformen und Kletterhilfen

Die Kletterform ist wichtig für die Auswahl der Kletterhilfe sowie für die Beurteilung möglicher Schadensrisiken. Allgemein werden zwei Hauptgruppen unterschieden: Selbstklimmer und Gerüst-Kletterpflanzen. Letztere werden in Schlinger, Ranker und Spreizklimmer unterteilt.

Selbstklimmer haften selbstständig am Untergrund, entweder mit Haftscheiben wie der Wilde Wein oder mit Haftwurzeln wie Efeu, Trompetenblume, Kletterspindel oder Kletterhortensie.
Ein anfängliches Anheften ist jedoch empfehlenswert. Auf zu glatten Oberflächen kann die Haftung auch nicht ausreichend sein. Ebenso entwickeln einige dieser Arten im Alter ein beachtliches Gewicht, welches unter Umständen nicht mehr getragen werden kann. Für diese Fälle erweisen sich zusätzlich angebrachte Unterstützungsvorrichtungen als sehr nützlich. Dies kann in Form einer waagerechten Drahtbespannung in Abständen von 60-80 cm oder durch punktuelle Befestigungen bewerkstelligt werden.

Schlinger streben zum Licht durch eine schraubenförmige Windebewegung des Sprosses um die Kletterhilfe. Zu unterscheiden sind Links- und Rechtswinder. Einige schlingende Pflanzen bilden zur besseren Haltekraft am Spross besondere Kletter- oder Klimmhaare aus (z. B. Kiwi, Hopfen).
Als Kletterhilfe geeignet sind dünne Latten, Stäbe, Drähte oder Drahtseile. Runde Profile sind zu bevorzugen. Der Durchmesser sollte je nach Wüchsigkeit zwischen 4 mm und 5 cm betragen. Bei Seilkonstruktionen für starkwüchsige Schlinger wird zur Sicherheit anfangs nur ein Trieb pro Seil aufgeleitet, um eine Selbststrangulation zu vermeiden. Auch muss das Seil immer straff gespannt sein. Zu dünne Querschnitte können ebenfalls zu einer Selbsterdrosselung führen.

Ranker entwickeln Greiforgane mit hoher Kontaktreizbarkeit. Diese Organe bewegen sich so lange kreisend, bis sie aufgrund des Berührungsreizes das getroffene Teil umwickeln. Bei den Sprossrankern, zu denen die Wein-Arten gehören, sind die Ranken durch Umbildung von Sprossteilen, beispielsweise Blütenständen, entstanden. Blatt- oder Blattstielranker entwickeln aus teilweise oder völlig umgebildeten Blättern Greiforgane bzw. klettern mit Hilfe der Blattstiele. Zu den Blattstielrankern zählen die verschiedenen Clematis-Arten.
Ranker benötigen möglichst viele Haltepunkte. Deswegen sind gitterartige, flächige Kletterhilfen wie beispielsweise Scherenformgitter, Baustahlmatten, gitterförmige Drahtbespannungen oder Bambusgitter gut geeignet. Der Querschnitt darf nicht zu groß sein, damit ein Umwickeln leicht möglich ist. Empfohlen werden je nach Art Durchmesser zwischen 3 mm und 3 cm. Für Clematis-Hybriden sind ca. 7-10 mm anzustreben.

Spreizklimmer werden auch als "unechte" Kletterer bezeichnet, da sie keine speziellen Klettertechniken oder Haftorgane entwickelt haben. Sie bilden lange, dünne, sich unter dem eigenen Gewicht neigende Triebe aus und haken sich mit Dornen, Stacheln oder abstehenden Seitenzweigen an zur Verfügung stehenden Unterlagen fest. Für diese Pflanzengruppe müssen Auflagen wie in der Natur geschaffen werden, an die diese dann angebunden oder eingesteckt werden. Somit sind waagerecht orientierte Gerüste aus Latten, Stäben, Spanndraht oder Drahtseilen geeignet.

Für alle Kletterhilfen gilt, dass sie aus einem langlebigen Material sein sollen und der Wüchsigkeit der Pflanze entsprechend dimensioniert und mit dem erforderlichen Mindestabstand stabil befestigt werden.

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Eigenschaften von ausgewählten mehrjährigen Kletterpflanzen und Hinweise zu ihrer Verwendung (Tabelle) 

Deutscher Name
Botanischer Name
Kletterform
Wuchs, Höhe m
Hinweise und Anmerkungen
Scharfzähniger Strahlengriffel
Actinidia arguta
Schlinger
stark, 6-8
sonnig-halbschattig; Blüte weiß, Juni; üblicherweise zweihäusig; Frucht beerenartig, essbar, "Minikiwis"
Kolomikta-Strahlengriffel
Actinidia kolomikta
Schlinger
schwach, 2-3
sonnig-halbschattig; Laub verfärbt sich bei männlichen Pflanzen zum Frühsommer auffallend weiß und rosa; meist nur männliche Pflanzen in Kultur
Akebie, Blaugurkenwein
Akebia quinata
Schlinger
mittel, 6-8
sonnig-halbschattig; Blüte violettbraun und purpurrosa, April, spätfrostgefährdet; fünf-zähliges, sehr zierendes Laub, lange anhaftend; Fruchtbildung selten
Pfeifenwinde, Osterluzei
Aristolochia macrophylla
Schlinger
stark, 8-10
halbschattig-schattig; windgeschützt; hoher Wasserbedarf; üppige Belaubung mit auf-fallend großen, herzförmigen, dachziegelartig angeordneten Blättern, lange anhaftend
Trompetenblume
Campsis radicans
Haftwurzeln
stark, 8-10
sonnig; sehr auffallende orangerote Blüte, Juli-September; gefiedertes, üppig frischgrünes Laub; Blüten an diesjährigen Trieben, regelmäßiger Rückschnitt fördert Blütenpracht
Baumwürger
Celastrus orbiculatus
Schlinger
stark, 12-14
sonnig-halbschattig; geringe Bodenansprüche; sehr frosthart; leuchtend goldgelbe Herbstfärbung; dekorative goldgelbe Früchte mit rotem Samen, lange haftend
Alpen-Waldrebe
Clematis alpina
Ranker
schwach, 2-3
sonnig-halbschattig; Blüte April-Juni, reine Art blau, glockenförmig, Sorten in Blau, Weiß, Rosa; 'Ruby' purpurrosa mit langer Blüte; 'Frances Rivis' großblütig
Großblütige Stern-Waldrebe
Clematis macropetala
Ranker
mittel, 3-4
halbschattig; eng verwandt mit C. alpina; Blüten meist etwas größer, April-Juni; sehr zierende, silbrig fedrige Fruchtstände ab Juni
Anemonen-Waldrebe
Clematis montana 'Rubens'
Ranker
stark, 8-10
sonnig-halbschattig; geschützte Lagen; Blüten zahlreich, am alten Holz, Mai; Rück-schnitt falls notwendig sofort nach der Blüte
Mongolische Waldrebe
Clematis tangutica
Ranker
stark, 4-5
sonnig-halbschattig; Blüte gelb, Juni-Oktober; Früchte zahlreich, silbrig fedrig ab Juli; zeitgleiche Blüten-und Fruchtbildung; C. orientalis mit vergleichbaren Merkmalen
Kletter-Spindelstrauch
Euonymus fortunei
Haftwurzeln
schwach, 1,5-4
halbschattig-schattig; frische Böden; immergrünes Laub, Sorten mit frischgrünen, weiß-grünen und gelbgrünen Blättern; schnittverträglich, bestens für kleine Flächen geeignet
Schling-Knöterich
Fallopia baldschuanica
Schlinger
sehr stark, 10-15
sonnig-halbschattig; weiße Blütenrispen, Juni-Oktober; Blüte an diesjährigen Trieben; wertvolle Bienen- und Insektenweide; unbedingt ausreichend Platz anbieten
Gemeiner Efeu
Hedera helix
Haftwurzeln
stark, 10-20 (-30)
halbschattig-schattig; in sonnigen Lagen auf ausreichende Feuchtigkeit achten, vor allem bei Wintereintritt; Jugend- und Altersform mit verschiedenen Blattformen
Gewöhnlicher Hopfen
Humulus lupulus
Schlinger
sehr stark, 4-6
halbschattig; ungünstige, trockene Lagen fördern den Läusebefall; kein Gehölz, sondern alljährlich einziehende Staude; Früchte zapfenartig, gelbgrün, ca. 3 cm lang
Kletterhortensie
Hydrangea petiolaris
Haftwurzeln
mittel, 8-10
halbschattig-schattig; hoher Wasserbedarf; kalkmeidend; Blüte weiß, sehr zierend, Juni-Juli; goldgelbe Herbstfärbung; früher Austrieb, in Südlagen spätfrostgefährdet
Winterjasmin
Jasminum nudiflorum
Spreizklimmer
mittel, 2-3
sonnig-halbschattig; geschützte Lagen; Blüten goldgelb, Februar-April, teilweise ab Dezember; Knospen bis -15 °C kälteverträglich; immergrüne Triebe
Trompeten-Geißblatt
Lonicera x brownii
Schlinger
schwach, 2-3
halbschattig; trockene Lagen fördern Läusebefall; sehr frosthart; Blüten zahlreich, orangerot, lang blühend, Juni-September, nicht duftend; gute Sorte 'Dropmore Scarlet'
Feuer-Geißblatt
Lonicera x heckrottii
Schlinger
mittel, 3-4
halbschattig; zahlreiche intensiv purpurrote, innen gelbliche Blüten, Juni-September, intensiv duftend; schwach windend; Sorte 'Goldflame' wüchsiger
Immergrünes Geißblatt
Lonicera henryi
Schlinger
stark, 6-7
halbschattig-schattig; Blüte unscheinbar; Laub immergrün, in strengen Wintern Laub-verlust; regelmäßiger Rückschnitt vermindert Verkahlen von der Basis her
Gold-Geißblatt
Lonicera x tellmanniana
Schlinger
stark, 5-6
sonnig-halbschattig; Blüte üppig, intensiv orange- bis goldgelb, Mai-Juni, Nachblüte September, nicht duftend; gelegentlich zurückfrierend, treibt aber wieder gut durch
Wilder Wein, Jungfernrebe
Parthenocissus tricuspidata
Haftscheiben
stark, bis 20
sonnig-halbschattig; prächtig orange- bis scharlachrote Herbstfärbung, im Schatten weniger ausgeprägt; ausladender Wuchs; hauptsächlich als Sorte 'Veitchii' angeboten
Baumschlinge
Periploca graeca
Schlinger
stark, 10-15
sonnig-halbschattig; Blüten außen grüngelb, innen purpurfarben, sternförmig, Juli-August; glänzend grünes Laub; in sehr rauen Gegenden Winterschutz notwendig
Kletterrosen
Rosa spec.
Spreizklimmer
stark, 2-6
sonnig-halbschattig; trockene Lagen mit geringer Luftbewegung fördern Mehltaubefall; einmal- u. öfterblühende Sorten; in Südlagen winters Abdeckung mit Reisig als Sonnenschutz
Chinesischer Blauregen
Wisteria sinensis
Schlinger
sehr stark, 6-12
sonnig; hellblauviolette Blütentrauben, Mai; lebhaftes, gefiedertes Laub; Schnitt der diesjährigen Triebe auf 4-6 Augen im August zur Blütenförderung

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© Herausgeber: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (September 2001)