Krankheiten und Schädlinge an Wein



Der Weinstock am Haus und im Garten wird immer beliebter. Damit die Freude an ihm lange erhalten bleibt, ist eine Reihe von Vorüberlegungen nötig. Zunächst ist aus der Vielzahl der angebotenen Sorten die auszuwählen, die für den Standort am geeignetsten ist. Denn damit wird der Grundstein für ein gesundes Pflanzenwachstum gelegt. Gesteht man dem Rebstock noch einen sehr sonnigen Platz mit durchlässigem Boden zu, so hat er ideale Bedingungen für seine Entwicklung. Wie bei allen Obstgehölzen ist auch beim Wein die regelmäßige Pflege eine Grundvoraussetzung für gesundes Wachstum. Gerade durch einen konsequenten Schnitt lässt sich die Qualität des Ernteguts entscheidend verbessern, denn für gutes Gedeihen der Reben müssen Licht, Luft und Sonne auf sie einwirken können. Zu eng stehende Triebe und zu dichtes Laub im Bereich der Trauben erhöhen selbst bei widerstandsfähigen Rebsorten die Gefahr von Pilzinfektionen. Generell lässt sich sagen, dass die Verwendung robuster Sorten, sorgfältig durchgeführte Laubarbeiten, wie Entspitzen, Entlauben der Traubenzone, Ausgeizen und eine luftige Erziehung des Weinstockes eine chemische Bekämpfung im Hausgarten in der Regel überflüssig machen.

Inhalt

  Echter Mehltau
  • Krankheitsverlauf
  • Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
  •   Grauschimmel
  • Krankheitsverlauf
  • Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
  •   Falscher Mehltau
  • Krankheitsverlauf
  • Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
  •   Rebenpockenmilbe
  • Krankheitsverlauf
  • Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
  •   Empfehlenswerte Sorten

    Echter Mehltau

    Der Echte Mehltau ist eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Pilzkrankheit an Reben. Gerade in Hausgärten ist er häufig zu finden, denn hier werden oft sehr warme und windgeschützte Standorte gewählt.

    Krankheitsverlauf
    Der Pilz überwintert in infizierten Knospen, und während des Austriebs wächst der Pilz sozusagen mit. Da die neu austreibenden Blätter meist eine wollige Schutzschicht tragen, ist die frühe Infektion nur schwer zu erkennen. An diesen Trieben bilden sich große Mengen an Pilzsporen, die bei warmen Tagen und kühlen Nächten für eine schlagartige Ausbreitung sorgen. Bei starkem Befall können junge Triebe bereits Ende Mai komplett mit grau-weißem Belag überzogen sein. Im Gegensatz zum Falschen Mehltau ist hier der Belag auf der Blattober- und -unterseite zu sehen. Befallen werden alle grünen Pflanzenteile, also auch die Beeren, solange sie keine schützende Wachsschicht ausgebildet haben. Da die Haut durch den Pilz geschädigt wird, die Beere aber weiter wächst, platzt sie auf und die Kerne werden sichtbar. Im Spätsommer sind auf den Trieben violett-graue Flecken zu sehen, die auch nach der Verholzung deutlich sichtbar bleiben. Bereits jetzt erfolgt die Infektion der Knospen für das nächste Jahr.

    Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
    Bei Neuanpflanzungen robuste und pilzfeste Sorten wählen. Durch einen lockeren Aufbau des Weinstockes wird ein rasches Abtrocknen der Blätter begünstigt. Dadurch wird der Pilz in seiner Ausbreitung behindert. Die zuerst befallenen Triebe ("Zeigertriebe") sind - bevor sich von ihnen aus Pilzsporen verbreiten - schnellstmöglich zu entfernen, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen.

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    Grauschimmel

    Der Grauschimmel ist ein so genannter generalistischer Parasit, der als Pflanzenschädling über 200 Wirtspflanzen befallen kann.

    Krankheitsverlauf
    Dieser Pilz ist im Garten allgegenwärtig, da er sich von totem Pflanzenmaterial ernährt und somit zu dessen Zersetzung beiträgt. Bei günstiger Witterung ist er aber imstande, auch gesunde Pflanzen zu befallen. Vor allem weiche und zuckerhaltige Pflanzenteile sind gefährdet. Knospen, frische Triebe und Blütenstände beginnen bei feuchter Witterung zu faulen. Auf den befallenen Pflanzenteilen zeigt sich ein mausgrauer Pilzbelag, von dem aus die weiteren Infektionen erfolgen. Beeren können ebenfalls befallen werden.

    Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
    Bei Neuanpflanzungen robuste und pilzfeste Sorten wählen. Durch einen lockeren Aufbau des Weinstockes wird ein rasches Abtrocknen der Blätter begünstigt. Dadurch wird der Pilz in seiner Ausbreitung behindert. Bei der Nährstoffversorgung der Weinstöcke ist auf eine sickstoffarme Düngung Wert zu legen. Erkrankte Pflanzenteile sind konsequent zu entfernen, um eine weitere Infektion einzudämmen.

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    Falscher Mehltau

    Der Falsche Mehltau ist - besonders in feuchten Jahren - eine der gefährlichsten Pilzkrankheiten an den Reben, die auch im Hausgarten erheblichen Schaden verursachen kann.

    Krankheitsverlauf
    Erste Infektionsquellen im Jahr sind infizierte Blätter und Beeren, auf denen der Pilz am Boden überwintert. Die Überdauerungsorgane des Pilzes sind sogar in der Lage, einige Jahre im Boden zu überleben. Erwärmt sich der Boden auf über 8°C, so keimt der Pilz und bildet Sporenbehälter, von denen aus die so genannten Sommersporen durch Wind und Regen verbreitet werden. Auf der nassen Blattfläche können sich die Sporen aktiv bewegen und beim Erreichen einer Spaltöffnung keimen sie durch diese hindurch. Der Falsche Mehltau wächst nun im Inneren des Blattes und zersetzt die infizierten Zellen, wodurch das Blatt in diesen Bereichen durchscheinende gelbe Flecken, welche "Ölflecken" genannt werden, zeigt. Bei kühlen Temperaturen dauert es gut 15 Tage bis wiederum durch die Spaltöffnungen auf der Blattunterseite ein schwarz-weißer Pilzrasen wächst, von dem die nächsten Infektionen ausgehen. Im Sommer kann sich diese Zeitspanne auf 6-8 Tage verkürzen. Die infizierten Blattbereiche verbräunen und sterben ab, stark geschädigt Blätter fallen vorzeitig ab. Beeren können ebenfalls befallen werden, solange sie noch keine Erbsengröße erreicht haben. Infizierte Beeren verfärben sich bräunlich-violett und schrumpfen. Bei trockener Witterung fallen sie ab oder beginnen bei feuchtem Wetter zu faulen. Diese infizierten Pflanzenteile sind wiederum Infektionsquelle für das nächste Jahr.

    Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
    Bei Neuanpflanzungen robuste und pilzfeste Sorten wählen. Durch einen lockeren Aufbau des Weinstockes wird ein rasches Abtrocknen der Blätter begünstigt. Dadurch wird der Pilz in seiner Ausbreitung behindert. Bereits im Frühjahr sollten die Blätter der Reben auf die beschriebenen Aufhellungen hin untersucht werden, um diese sofort zu entfernen, bevor es zur Bildung des Pilzrasens an der Blattunterseite kommt. Erkrankte und abgefallene Pflanzenteile sind konsequent zu entfernen, um den Boden nicht zur dauerhaften Infektionsquelle werden zu lassen.

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    Rebenpockenmilbe

    Die auf der Blattoberseite pockenartigen Erhebungen mit dem auf der Unterseite weißlichen Haarfilz werden oft mit dem Falschen Mehltau verwechselt.

    Krankheitsverlauf
    Die Weinblätter zeigen ab Frühjahr blattoberseits pockenartige Aufwölbungen, deren Unterseite von weißem Filz ausgekleidet ist und sich später braun verfärbt. Bei roten Rebsorten sind diese Pocken oftmals rötlich gefärbt. Verursacher dieser Schäden ist eine winzig kleine Gallmilbe. Durch die Saugtätigkeit des Schädlings bildet das Weinblatt den feinen Filz aus, in dem die Rebenpockenmilben gut geschützt leben. Bei sehr starkem Befall können auch die Blütenstände befallen werden. Die Tiere überwintern in den Knospen und an der Rinde.

    Vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfung
    Sofern die Blütenstände nicht befallen sind, wird die Schadwirkung häufig überschätzt, so dass eine Bekämpfung meist nicht notwendig ist. Die Pocken sind außerdem bevorzugte Aufenthaltsorte für Raubmilben, den natürlichen Feinden der Schadmilben. Eine direkte Bekämpfung ist nur zur Zeit des Knospenschwellens ab 15°C Lufttemperatur möglich.

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    Empfehlenswerte Sorten

    Bei Neuanpflanzung im Hausgarten sollten in jedem Fall veredelte Pflanzen verwendet werden, wodurch die Entwicklung der Reblaus unterbunden wird. Außerhalb von Weinbaulagen sollten früh bis mittelfrüh reifende Sorten gewählt werden.

    Sorte Farbe Eigenschaft
    Birstaler Muskat grün-gelb Reife: Mitte August bis Mitte September (langes Erntefenster), große Beeren, sehr süß mit feinem Muskataroma, kräftiger, aufrechter Wuchs, gute Frosthärte
    Muscat bleu blau Reife: Anfang bis Ende September (langes Erntefenster), große Beeren, große lockere Traube, süß, aromatisch (ausgeprägter Muskatton), kräftiger Wuchs; gute Frosthärte
    Palatina grün-gelb Reife: ab Anfang bis Mitte September, starker, aufrechter Wuchs, mittelgroße Beeren, fruchtig-süßer, sehr guter Geschmack, würziger Muskatton
    Venus blau Reife: Mitte September, kernlose, dicke und fleischige Beeren, große, lockere Trauben, stark wüchsig, sehr große Blätter
    Garant grün-gelb Reife: Mitte September, große Beeren, angenehmer Muskatgeschmack, stark wüchsig
    New York (Lakemont) grün-gelb Reife: Mitte bis Ende September, kernlos, kleinere Beeren, feine Fruchtaromen, mild im Geschmack, sehr große Blätter
    Fanny grün-gelb Reife: Ende September bis Mitte Oktober, sehr große, runde Beeren, sehr große Trauben, fruchtiges Aroma, Kerne kaum störend
    Pölöskei Muskotaly grün-gelb Reife: Anfang Oktober, große, runde Beeren, sehr große lockere Trauben, dezentes Muskataroma
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    © Herausgeber: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (September 2009)
    in Zusammenarbeit mit der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege; Bild aus Pflanzenschutz-Compendium, Bayer