Lebensraum zwischen Steinen

Einfache Böschungen oder Hügel mit senkrecht aufgestellten Steinen zu spicken, ist weder naturgemäß noch sinnvoll. Besser ist es, Gärten durch Trockenmauern, Lesesteinwälle und andere Steinelemente gestalterisch und ökologisch zu bereichern. So sind Trockenmauern geeignet, das Grundstück abzugrenzen, Pflanzbereiche einzufassen, Gartenräume zu gliedern oder Geländehöhen auszugleichen. Dabei bieten Mauerkrone, Fugenräume und Mauerfuß ganz unterschiedliche Lebensbedingungen in enger Nachbarschaft. In kleinsten Fugen fühlen sich die Hungerkünstler unter den Pflanzen, wie Mauerpfeffer oder Fetthenne, wohl. In größeren Spalten leben Kröten, Eidechsen, Molche und Spitzmäuse. Von den Blüten werden Insekten wie Schwebfliegen, Schmetterlinge, Hummeln oder Wild- und Honigbienen angelockt.

Inhalt

  Die Auswahl des Materials
  Die richtige Anlage von Trockenmauern
  Verschiedene Bauweisen von Trockenmauern
  Die Bepflanzung der Trockenmauer
  Geeignete Pflanzen

Die Auswahl des Materials

Steine aus der Umgebung passen zum Boden und zur Pflanzenwelt. Gerun dete Findlinge oder Lesesteine sind dort sinnvoll, wo auch im Boden Kies vorhanden ist. Auf den Scherbenböden des Jura bietet sich der kantige Plattenkalk und auf Sandböden der Sandstein zur Verwendung an.
 Nach oben

Die richtige Anlage von Trockenmauern

Trockenmauern können freistehen oder als Stützmauern eine Böschung absichern. Damit die Mauern auch ohne Mörtel stabil sind, benötigen sie ein mindestens 30 cm tiefes Fundament aus verdichtetem Kiessand oder Schotter. Dieser tragfähige Unterbau sorgt für die Wasserabführung und verhindert, dass die Mauern im Winter auffrieren. Bei stabilen Trockenmauern sollte die Breite zu einem Drittel der Höhe entsprechen. Demnach muss bei 120 cm Mauerhöhe ein mindestens 40 cm breites Fundament vorhanden sein. Bei Stützmauern wird die Oberfläche des Fundamentes in einer Neigung von 10 - 30 % abgeschrägt, damit sich die Mauer gegen den Hang lehnt. Die größten Steine bilden den Mauerfuß und werden zur Hälfte unter die Erdoberkante eingebaut. Der Steinverbund hält am besten, wenn sich die Steine untereinander mit möglichst großen Flächen berühren. Hohlräume sind mit kleineren Steinbrocken auszufüllen, so dass die nach unten gerichteten Kräfte voll wirken können. Beim Aufsetzen der Mauer dürfen nur kurze waagrechte Lagerfugen entstehen. Durchgehende senkrechte Fugen müssen gänzlich vermieden werden. Eine bewährte Regel lautet: „Ein Stein über zwei und zwei über einen, damit jeder Stein mindestens auf zwei festen Unterlagen ruht”. Steine, die als „Binder” ihrer ganzen Länge nach in das rückseitige Erdreich ragen, dienen bei Stützmauern zur Verankerung und geben zusätzlichen Halt. Bei schweren Böden und drückendem Hangwasser ist hinter dem Mauerwerk eine Sickerschicht einzubringen.
 Nach oben

Verschiedene Bauweisen von Trockenmauern

Bei Trockenmauern mit Anlauf durch Schrägeinbau der Steine wird die Stabilität des Mauerwerkes erhöht und das Pflanzenwachstum verbessert. Die Pflanzen erhalten mehr Wasser, weil es in die Lagerfugen eindringen kann. Die Trockenmauer mit Anlauf durch Rückversetzen der Schichten lässt mehr oder weniger breite Felsbänder entstehen, wie sie in der Natur bei schichtweise gelagerten Gesteinen häufig vorkommen. Sie sind ideale Pflanzplätze für Stauden und Kleingehölze, zumal man die Fugen breiter ausbilden kann. Der Anlauf kann zwischen 20 - 50 % betragen. Noch stärkeres Rückversetzen des Steinmaterials führt zum Steingarten oder zur Anlage eines Hochbeetes. Durch Findlinge und Lesesteinwälle wurden früher Einfriedungen geschaffen und Grenzen markiert. Während Findlinge wie in einem Bachbett zwischen Kies und Wacken liegen können, bettet man kantiges Material aus dem Steinbruch besser in Schotter und Splitt gleicher Herkunft. Große Steine sollten dabei stets am Fuß eines Hügels liegen.
 Nach oben

Die Bepflanzung der Trockenmauer

Sie erfolgt am besten gleich beim Bau. Dadurch können die ausgesparten Fugen lückenlos mit Erde gefüllt und die Pflanzen sorgfältig eingesetzt werden. Können die Wurzeln ungehindert in die Sickerschicht hinter der Mauer eindrin gen, so wird ein rasches und sicheres Anwachsen gewährleistet. Obwohl besonders genügsame Pflanzen auch ohne ein Hineinwurzeln auf Felsbändern leben können, haben viele Stauden eine sehr starke Durchwurzelungskraft und müssen deshalb die Hinterfüllung der Mauer erreichen können. Die Praxis beweist, dass die meisten Gewächse mehr auf das in die Hohlräume eingebrachte Pflanzsubstrat als auf das verwendete Steinmaterial reagieren. Für die vorwie gend aus dem alpinen Bereich sowie den Trocken- und Magerrasengesellschaften stammenden Arten muss die Erd mischung nährstoffarm, locker, luftig, durchlässig - aber auch wasserhaltend und humos sein. Als Fugensubstrat hat sich eine Mischung aus je einem Teil Sand, Lehmerde sowie Laub- oder Walderde bewährt. Vor dem Einpflanzen sind die Gewächse durchdringend zu wässern und die Erde gut anzufeuchten. Um das Ausspülen der Erde zu vermeiden, wird die gesamte Mauer mehrmals intensiv besprüht. Sind einige Pflanzen angewachsen, wird die übrige Mauerfläche durch die Samenverbreitung, vor allem der auf der Mauerkrone befindlichen Gewächse, rasch besiedelt.
 Nach oben

Geeignete Pflanzen

Pflanzenart Standort Pflanzplatz Höhe (cm) Blütezeit Blütenfarbe, besondere Eigenschaften
Blühende Stauden:
Acaena - Stachelnüsschen sonnig bis halbschattig Fuge 5-10 V unscheinbar; schöne Belaubung und Fruchtstände
Anaphalis - Silberimmortelle sonnig Mauerkrone 20-30 VIII-X weiß; Anaphalis triplinervis - nicht wuchernd
Arabis - Gänsekresse sonnig Fuge und Mauerkrone 10-20 IV-V weiß-rosa; Arabis caucasica - williger Blüher
Armeria - Grasnelke sonnig bis halbschattig Fuge und Mauerkrone 5-15 V-VII rosa-rot; reiche Blütenpracht, grasartige Polster
Artemisia - Niedrige Edelraute sonnig Fuge und Mauerkrone 25-60 V-VI weiß; silbergraues, fein geschnittenes Laub
Aster - Alpenaster sonnig Fuge und Mauerkrone 5-20 V-VI Sorten; hübsche Blüten, grauhaarige Blattrosetten
Aubrieta x cult. - Blaukissen sonnig Fuge und Mauerkrone 10 IV-V Sorten; reichblühend, später unansehnlich
Calamintha - Steinquendel sonnig bis halbschattig Mauerkrone 10-30 VIII-X blauviolette Lippenblüten; zierliche Blätter
Campanula-Niedr. Glockenblume halbschattig bis schattig Fuge und Mauerkrone 10-30 V-VIII je nach Art, blau-weiß; besonders wertvoll
Cerastium - Hornkraut sonnig Fuge und Mauerkrone 10-15 V weiß; C.tomentosum - kaum wuchernd
Corydalis - Lerchensporn halbschattig bis schattig Fuge und Mauerkrone 20-30 V-IX C.lutea gelb; durch Selbstaussaat sehr dauerhaft
Cymbalaria - Zimbelkraut halbschattig bis schattig Fugen 5-10 VI-IX lilablau-gelb; zarte Blattschleier an Mauern
Dianthus - Feder-, Heidenelke halbschattig Fugen und Mauerkronen 10-20 V-VIII farbig; zumTeil duftend, niedere Arten wählen
Draba - Hungerblümchen Fugen und Mauerkronen sonnig 2-10 III-IV gelbe kleine Blüten; moosartiger Habitus
Dryas - Silberwurz Fugen und Mauerkronen sonnig 5-10 V-VI weiß; reichblühend, immergrüner Teppich
Erinus - Leberbalsam sonnig Fugen und Mauerkronen 5-10 V-X rosa E.alpinus; reichblühend, zierliche Blattpolster
Geranium - Storchschnabel sonnig bis halbschattig Fugen und Mauerkronen 10-25 VI-VII G.dalmaticum rosa; sehr robust, unentbehrlich
Gypsophila - Schleierkraut sonnig Fugen und Mauerkronen 5-30 V-VI G.repens weiß; zarte Kontrastpflanze
Helianthemum - Sonnenröschen sonnig Fugen und Mauerkronen 10-20 V-VIII viele Farben; Blüten und Laub dekorativ
Hypericum - Polsterjohanniskraut sonnig Fugen und Mauerkronen 15 VI-VII gelb; reichblühend, blaugrüne polsterähnl. Horste
Iberis - Schleifenblume sonnig Fugen und Mauerkronen 10-25 IV-VI weiß-rot; fast zu wuchtige Pflanze
Inula - Zwergalant sonnig Fugen und Mauerkronen 20-40 VII-VIII gelb; Inula ensifolia - dichtbüschelige Form
Iris - Niedrige Bartiris sonnig Fugen 5-30 IV-V Iris barbata nana - viele Sorten in Wuchsklassen
Lavandula - Lavendel sonnig Fugen 30-50 VII stark duftender Zwergstrauch, niedere Formen
Linum - Ausdauernder Flachs sonnig Fugen und Mauerkronen 10-40 V-VII blau-gelb; typische Steppenheidepflanze
Phlox - Teppichphlox sonnig bis halbschattig Fugen und Mauerkronen 5-15 V-VI P.subulata - viele Farben; reichblühende Horste
Pulsatilla - Küchenschelle sonnig Fugen und Mauerkronen 5-20 IV violett; schöne fedrige Samenstände
Santolina - Heiligenkraut sonnig Mauerkronen 40-50 VII-VIII gelb-weiß; Halbstrauch, nässeempfindlich
Saponaria - Polsterseifenkraut sonnig Fugen und Mauerkronen 20-30 VII-IX rosa; überschäumend blühende Formen
Saxifraga - Steinbrech halbschattig bis schattig Fugen und Mauerkronen 5-30 - Eine der wichtigsten Pflanzengattungen, viele Formen
Sedum - Fetthenne sonnig Fugen und Mauerkronen 10-20 VI-VII S.floriferum gelb; u. a. niedrige Dickblattarten
Sedum - Mauerpfeffer sonnig Fugen und Mauerkronen 5-10 VI-VIII S.acre und S.album; rasenbildende Arten
Sempervivum-Arten - Hauswurz sonnig Fugen und Mauerkronen 10-20 - Wichtigste anspruchslose Gattung für Steinbereiche
Silene - Leimkraut sonnig Fugen und Mauerkronen 10-20 VIII-IX weiß-rosa; schöne polsterbildende Nelkengattung
Thymus - Kriechender Thymian sonnig Fugen und Mauerkronen 3-5 V-VIII lila; T.serpyllum - zierlicher Teppichbildner
Gräser:
Carex montana - Bergsegge sonnig bis schattig Fugen und Mauerkronen 20 - Kleine Horste, lichtbraune Herbstfärbung
Festuca scop. - Bärenfellschwingel sonnig bis schattig Fugen und Mauerkronen 10-25 - Feinblättrige Rasenpolster, die sich kräftig ausbreiten
Melica ciliata - Perlgras sonnig Fugen und Mauerkronen 50 - Graugrüne Horste, ab Sommer leuchtend weiße ähren
Farne:
Asplenium ruta mur. - Mauerraute sonnig bis halbschattig Fugen 10 - Trockenheitsverträgliche Art, starke Selbstvermehrung
Asplenium trichomanes-Strichfarn halbschattig bis schattig Fugen 20 - Einfach gefiederte, fast linealische Blätter
Polypodium vulgare - Tüpfelfarn halbschattig bis schattig Fugen und Mauerkronen 30 - Ledrige, grobgefiederte, schmale wintergrüne Wedel
 Nach oben

 Zur Merkblattübersicht
 Zur Homepage des Landesverbandes
 
© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2000)