Naturgerechte Zäune

Ein Zaun gewährt dem Garten Schutz und Geborgenheit, schafft vertraute Atmosphäre und sorgt für den optischen Abschluss des Grundstücks. Dabei darf die Natur nicht ausgesperrt werden. Zäune sind gestaltgebende Elemente des Wohnumfeldes und deshalb auch eine Gemeinschaftsaufgabe, die manchmal verlangt, persönliche Wünsche zurückzustellen. Nur so kann es gelingen, dass die Gärten in ihrem äußeren Erscheinungsbild durch eine gewisse Einheitlichkeit von Material, Höhe, Gestaltung und Farbe ein ansprechendes Straßenbild schaffen. Unaufdringlich und schlicht gestaltet sollte der Zaun stilistisch mit Haus, Garten, Umgebung und Landschaft harmonisieren. Bei den vielfältigen Möglichkeiten, freundlich und wirksam Grenzen zu setzen, sollten die traditionellen Zaunformen aus Holz die bevorzugte Verwendung finden.

Inhalt

  Bayerische Bauordnung - bei der Zaunplanung beachten
  Zauntypen
  • Staketenzaun mit Schwachhölzern (Hanikelzaun)
  • Holzzaun mit Profillatten
  • Flechtzaun aus Weidenruten

  •   Hinweise zur Gestaltung von Einfriedungen
  • Zaunpfosten
  • Imprägnierung - Farbanstrich - Lasuren
  • "Zaungäste" - Begrünung mit Pflanzen
  • Bayerische Bauordnung - bei der Zaunplanung beachten

    Rechtzeitige Erkundigungen können Ärger ersparen. Denn jedes Bundesland besitzt ein eigenes Nachbarrecht, in dem zulässige Zaunhöhen festgeschrieben sind. Diese und ob es für Ihren Wohnort noch zusätzliche Vorschriften (z. B. im Bebauungsplan) gibt, erfährt man bei der zuständigen örtlichen Gemeindeverwaltung. Genehmigungsfrei sind Einfriedungen im Innenbereich, wenn sie den örtlichen Bauvorschriften entsprechen oder, sofern solche Vorschriften nicht vorliegen, sie eine Höhe von 1.50 m nicht überschreiten. Alle anderen Einfriedungen benötigen einer bauaufsichtlichen Genehmigung (Art. 66 Bayerische Bauordnung).
     Nach oben

    Zauntypen

    Staketenzaun mit Schwachhölzern (Hanikelzaun)
    Es werden geschälte oder ungeschälte dünnere Fichtenstämme, rund oder gespalten, verwendet. Bei ungeschälten Hölzern löst sich die Rinde im Laufe der Jahre von selbst. Morsch werdende Latten können jederzeit ohne viel Aufwand ersetzt werden. Staketen: halbrund 5-7 cm, rund 4-5 cm Durchmesser. Oberes Ende abgeschrägt.
     Nach oben

    Holzzaun mit Profillatten
    Er eignet sich besonders für städtische Verhältnisse. Aus gehobelten Kanthölzern oder Dachlatten (3x5 cm), die oben leicht angeschrägt werden, lässt er sich preiswert erstellen. Je schmäler die Latten sind, desto filigraner und harmonischer wirkt der Zaun. Ob "behandelt" oder "naturbelassen", es sollte nur gesundes und abgelagertes Holz Verwendung finden. Bewährt haben sich folgende Holzarten, aufgelistet nach dem Grad der Beständigkeit: Robinie > Eiche > Lärche > Kiefer > Fichte.
     Nach oben

    Flechtzaun aus Weidenruten
    Geflochtene, lebende Zäune sind für den Naturhaushalt bedeutsam. Sie können naturnahe Gärten umhegen und unschöne Anblicke kaschieren. Im Abstand von etwa 2 m rammt man unten angespitzte Pfosten von 8-10 cm Durchmesser in den Boden. Daran bringt man 3 Reihen Querhölzer mit einem Durchmesser von 6 cm an. Die Pfostenlänge (Mittelmaß: 90 bis 120 cm zzgl. 40 cm für das Einbringen in den Boden) richtet sich nach der gewünschten Höhe des Zaunes. Die unverzweigten, einjährigen Ruten werden im Frühjahr vor dem Austrieb senkrecht und möglichst engmaschig in die Querhölzer eingeflochten. Dabei steckt man die Ruten mit dem unteren Ende 20 cm in den Boden, der zuvor gelockert und mit humosem Material angereichert wird. Die Ruten treiben aus und begrünen sich, verwachsen miteinander und bilden im Laufe der Zeit einen undurchdringlichen Zaun. Geeignet sind die Ruten der Strauchweidenarten Salix viminalis (Korbweide) und Salix purpurea (Purpurweide).
     Nach oben

    Hinweise zur Gestaltung von Einfriedungen

    • Ökologisch wichtige alte Holzzäune erhalten oder durch gleichwertige Zauntypen ersetzen.
    • Neue Zäune aus heimischem Holz (Latten, ganze oder halbierte schwache Rundhölzer, Hasel- oder Weidenruten) erstellen.
    • Auf umweltschädliche Anstriche und Imprägnierungen verzichten.
    • Die Lebensdauer des Zaunes wird erhöht, wenn von allen senkrechten und waagerechten Flächen das Niederschlagswasser rasch ablaufen kann.
    • Bei der Erstellung des Zaunes einen offenen Bodenstreifen für eine Vorpflanzung schaffen.
    • Zaunsockel möglichst vermeiden, denn sie bilden eine unüberwindbare Barriere für Pflanzen und Tiere.
    • Zäune wirken harmonisch, wenn die Pfosten sie nicht überragen und die Zaunfelder straßenseitig ohne Unterbrechung durchlaufen.
    • Zäune - wenn möglich - innerhalb der Straße gleichartig in Material und Höhe (möglichst nicht über 1.20 m) gestalten.
    • Um unschöne Abstufungen zu vermeiden, sollten bis zu einem Gefälle von 6% die Zaunoberkanten nicht waagerecht verlaufen, sondern dem Gelände angepasst werden.
     
    Nach oben
    Zaunpfosten
    Pfosten sollten so unauffällig wie möglich und fest im Boden verankert sein. Am besten verwendet man Hartholz, regionaltypische Materialien (z.B. Kalk-, Granit-, Sandstein) oder T-Eisen 40 mm DIN 1024.
    • Geeignet sind umweltschonend imprägnierte Rundhölzer mit 10 bis 12 cm Durchmesser oder Kanthölzer.
    • Oberes Pfostenende abschrägen.
    • Pfostenlänge bei normalen Zaunfeldern: Zaunhöhe zuzüglich 60 cm für die Befestigung im Boden.
    • Pfostenlänge bei Torpfosten: Zaunhöhe zuzüglich 90 cm für die Befestigung im Boden.
    • Pfostenabstand maximal 3 m.
    • Pfosten anspitzen und einschlagen.
    • Bei einem Fundament, vor allem für T-Eisen, 30x30x60 cm, Magerbeton verwenden.
    • Endpfosten einseitig verstreben.
    • Eckpfosten und jeden zehnten Zwischenpfosten zweiseitig stützen.
     
    Nach oben

    Imprägnierung - Farbanstrich - Lasuren
    Unbehandelte Holzzäune behalten ihre natürliche Färbung, sind pflegeleicht und schön. Druckimprägnierte Hölzer garantieren eine längere Haltbarkeit. Bei dieser Tiefenimprägnierung werden die Schutzsalze dauerhaft ins Holz eingebracht. Wer aus Kostengründen selbst imprägnieren oder eine Nachbehandlung durchführen will, sollte auf die Verwendung pflanzen- und umweltfreundlicher Holzschutzmittel achten. Mit Farbe gestrichene Latten sind pflegeaufwendig. Notwendige Nachbehandlungen von "bewachsenen Zäunen" sind kaum möglich. Werden Lasuren zum Anstrich verwendet, bleibt die Holzmaserung sichtbar.
     Nach oben

    "Zaungäste" - Begrünung mit Pflanzen
    Mit Pflanzen berankte Zäune schmücken, wirken einladend und freundlich. Sie bringen Leben in Siedlungsgebiete. Einjährige Arten wie Zaunrübe, Japanischer Hopfen, verschiedene Wicken, Prunkwinde, Glockenrebe, Schwarzäugige Susanne und Kapuzinerkresse hüllen den Zaun rasch in ein dichtes Blätter- und duftiges Blütenkleid. Der immergrüne Efeu lässt einen natürlichen Zaun entstehen, der für Vögel, Insekten und Kleinsäuger Unterschlupf, Nist- und Nahrungsraum bietet.
    Wer nicht mit dem Platz knausern muss, der kann seinen Zaun gleich etwas von der Grundstücksgrenze zurücksetzen, zwischen Zaun und Gehsteig einen "Garten vor dem Garten" schaffen, der für Stauden und solche Pflanzen geeignet ist, die von Natur aus Wegränder, Raine oder Böschungen besiedeln: Färberkamille, Johanniskraut, Kronwicke, Margerite, Rosenmalve, Seifenkraut, Vogelwicke, Wiesensalbei, Wilder Majoran, Wilde Möhre, u. a.
     Nach oben

     
    Zur Merkblattübersicht
     Zur Homepage des Landesverbandes
     
    © Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2000)