Neophyten



In den letzten Jahren fallen vermehrt Pflanzen auf, die flächendeckende, reich blühende und sich weiter ausbreitende Bestände bilden. Meist sind es Pflanzen, die aus anderen Lebensräumen eingewandert sind, man spricht hier von so genannten Neophyten. Da diese in ihrem neuen Lebensraum nicht immer natürliche Konkurrenten oder Feinde haben, können sie den heimischen Pflanzen überlegen sein und diese aus deren angestammten Lebensräumen verdrängen. Das Merkblatt will einige dieser Pflanzen vorstellen und für einen sachgerechten Umgang sensibel machen.
  

 

Inhalt

  Was sind Neophyten ?
  Riesen-Bärenklau
  Sachalin-Knöterich, Gewöhnlicher Japan-Knöterich, Bastard-Knöterich
  Beifußblättriges Traubenkraut
  Bekämpfung im Hausgarten
  Weitere Information

Was sind Neophyten ?

Neophyten (griech: neo = neu; phyton = Pflanze) sind Pflanzen, die von Natur aus nicht in einem Gebiet vorkommen, sondern durch direkte (z. B. bewusste Pflanzung) oder indirekte Einflüsse des Menschen (z. B. Klimaänderungen) dort einwandern. Dies kann beabsichtigt - etwa durch das Ausbringen von Nutzpflanzen (z. B. Kartoffel, Tomate) - geschehen oder unbeabsichtigt - etwa durch das unbewusste Verschleppen von Samen. Der Zeitpunkt, ab dem eingewanderte Pflanzen als "Neu-Pflanzen" bezeichnet werden, ist die Entdeckung Amerikas, da sich seit 1492 der weltweite Güteraustausch verstärkte. Gebietsfremde Pflanzen die vor diesem Zeitpunkt Einzug hielten werden als Archäophyten ("Alt-Pflanzen") bezeichnet, im Gegensatz zu den einheimischen Pflanzen. Verdrängen Neophyten andere Pflanzen durch übermäßiges Wachstum aus deren Lebensraum, so spricht man von invasiven Arten. Manche Neophyten können auch Gesundheitsschäden hervorrufen. Die meisten aber haben kaum Einfluss auf ihre Umgebung. Auch wenn einige invasive oder gesundheitsgefährdende Arten immer noch Verwendung finden, sollte doch auf eine weitere Anpflanzung in den Gärten, vor allem aber in freier Landschaft verzichtet werden. Ebenso dürfen Pflanzenabfälle nicht in freier Natur entsorgt werden.
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Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)

Der Riesen-Bärenklau, auch Herkulesstaude genannt, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Wegen seines Blütenreichtums wurde er als Trachtpflanze für Honigbienen empfohlen und in der freien Natur ausgesät. Der Riesen-Bärenklau ist eine 2-5 m hohe Staude. Der Stängel ist hohl und gefurcht, er trägt vor allem im unteren Bereich purpurfarbene Flecken und kann am Grund bis zu 10 cm dick werden. Die Blätter werden bis 1 m lang und sind 3- bis 5-teilig mit fiederteiligen Abschnitten. Der tellerförmige Blütenstand kann bis zu 80 cm Durchmesser erreichen und besteht aus weißen bis rosafarbenen Blüten. Der Riesen-Bärenklau ist eine zweijährige, in seltenen Fällen auch mehrjährige Pflanze. Er bildet im ersten Jahr eine Blattrosette und gelangt im zweiten Jahr von Juni bis August zur Blüte. Nach dem Blühen und der Fruchtbildung (bis zu 40.000 Samen) stirbt er ab. Bei ungünstigen Bedingungen nutzt die Pflanze ihr sehr großes Regenerationspotenzial und bildet Nachtriebe und Notblüten. Wenn die Blütenbildung dauerhaft verhindert wird, kann die Pflanze mehrere Jahre überleben. Dominierende, großflächige Bestände können vor allem auf Wiesen- und Ackerbrachen entstehen und so natürlich vorkommende Arten verdrängen.

Auswirkungen: Die ganze Pflanze, besonders der Saft, enthält photosensibilisierende Substanzen (Furanocumarine), welche bei Berührung und nachfolgender Sonneneinstrahlung schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung auslösen. Diese Reaktion kann auch erst nach bis zu 48 Stunden auftreten. Die Entzündungen gleichen Verbrennungen dritten Grades, heilen nur langsam ab und hinterlassen dauerhaft sichtbare narbenähnliche, strichförmige Veränderungen der Haut.

Gegenmaßnahmen: Wenn die Mitteldolde grüne Früchte ausgebildet hat, können mit einem Arbeitsgang sowohl die Pflanze als auch ihre Samen unschädlich gemacht werden. Dazu wird der gesamte Blüten- bzw. Fruchtstand so hoch wie möglich abgeschnitten und entsorgt. Je nach Standort haben die Samen Anfang bis Mitte Juli die nötige Reife. Schneidet man zu früh, kommen Nachblüten, bei zu spätem Schneiden fallen die Samen herunter. Eine Maßnahme zur Bekämpfung von jungen Pflanzen ist das Ausgraben oder Ausstechen der Blattrosette mitsamt der kräftigen Pfahlwurzel im zeitigen Frühjahr. Bei allen Methoden ist mit mehrjährigen Nacharbeiten zu rechnen. Um Hautkontakt zu vermeiden, sollte Schutzkleidung getragen werden.

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Sachalin-Knöterich, Gewöhnlicher Japan-Knöterich, Bastard-Knöterich (Fallopia sachalinensis, F. japonica, F. x bohemica)

Im 19. Jahrhundert wurden sowohl der Sachalin-Knöterich als auch der gewöhnliche Japan-Knöterich aus Ostasien als Zierpflanzen nach Europa eingeführt. Hier entstand in der Folge der Bastard-Knöterich, eine Kreuzung dieser beiden Arten, welcher in der Heimat der Elternarten nicht bekannt ist. Diese Knötericharten bilden dichte und hochwüchsige Bestände, die kaum von anderen krautigen Pflanzen überwachsen werden. Ihr Erfolg liegt vor allem in den unterirdischen, verzweigten Rhizomen begründet, die bis zu 10 cm dick werden können. Aus den Rhizomen werden Sprosse und neue Rhizome gebildet, so dass ein Bestand sich bis zu einem Meter pro Jahr ausdehnen kann. Nach Verletzungen können aus kleinen Teilen des Rhizoms, aber auch des Stängels neue Pflanzen heranwachsen. Die Blüten sind weiß, die weiblichen Blütenstände sind bogig überhängend, die männlichen aufrecht. Die Blätter können bis zu 40 cm groß werden, haben meist einen herzförmig eingeschnittenen Blattgrund und sind auf der Unterseite unterschiedlich stark behaart.

Auswirkungen: Durch das kräftige Wachstum mit Wuchshöhen von bis zu 4 m und dem Aufbau dichter Dominanzbestände gehören diese Knötericharten zu den auffälligsten Neophyten. Die Bestände sind sehr geschlossen und lassen andere Pflanzen kaum zu. Durch das kräftige Wachstum dringt der Knöterich auch in intakte Bestände anderer Pflanzen ein und verdrängt diese.

Gegenmaßnahmen: Auf jede Anpflanzung der ostasiatischen Knöteriche ist zu verzichten. Bei allen Bekämpfungsmaßnahmen ist zu beachten, dass der Energievorrat der Pflanze vor allem in den Rhizomen steckt und diese deshalb möglichst gründlich zu entfernen sind. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Rhizome bis zu 2 m tief liegen können. Die bloße Vernichtung oberirdischer Pflanzenteile kann höchstens zum Zurückdrängen führen. Bei allen Methoden ist mit mehrjährigen Nacharbeiten zu rechnen.
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VBeifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia)

Das Beifußblättrige Traubenkraut besiedelt, wenn offene Stellen zur Keimung vorhanden sind, verschiedene Arten von Böden. Entsprechend seinem natürlichen Standort in Prärien ist es relativ trockenheitsresistent. Für sein Wachstum benötigt es volles Licht; zeitweise geringe Beschattung kann es ertragen. In Abhängigkeit vom Standort entwickelt es sich zu einer bis ca. 1,5 m hohen, stark verzweigten Pflanze. Das Beifußblättrige Traubenkraut keimt im April/Mai und wächst sehr langsam. Aus diesem Grunde erreicht es Ende Mai erst eine Höhe von ca. 10-15 cm. Die Blätter sind stark gefiedert und grün, der Stängel ist zunächst grün und behaart, später verfärbt er sich rötlich. Die unscheinbaren männlichen Blüten (gelbliche Staubfäden) sind traubenartig angeordnet und befinden sich am Ende der Triebe. Die weiblichen Blüten sitzen einzeln in den Achseln der oberen Blätter. Vor allem die Anpassung an viele Standorte und eine rasche Vermehrung zeichnen den Ausbreitungsdrang der Pflanze aus. Im Schnitt werden je Pflanze 3.000 bis 4.000 Samen gebildet. Eine große Pflanze kann aber auch bis zu 60.000 Samen produzieren. Diese bleiben im Boden zum Teil jahrzehntelang keimfähig.

Auswirkungen: Ambrosia-Pollen kann Allergien auslösen, bei denen die Betroffenen mit verschiedenen Symptomen wie z. B. Fließschnupfen oder Bindehautentzündung reagieren. Asthma tritt als Reaktion auf Ambrosia-Pollen häufiger als bei anderen Pollenallergien auf. In manchen Ländern zählt der Pollen des Beifußblättrigen Traubenkrautes zu den bedeutendsten Auslösern von Heuschupfen. Da es erst spät im Jahr zur Blüte kommt, wenn andere allergieauslösende Pflanzen bereits abgeblüht sind, kann sich die Leidenszeit von Allergikern verlängern. Außerdem sind Kreuzallergien gegen Lebensmittel wie Melonen und Bananen bekannt.

Gegenmaßnahmen: Nach bisherigen Erkenntnissen gelangt das Traubenkraut meist über landwirtschaftliche Produkte, vor allem Vogelfutter, nach Deutschland. Deshalb sollten Produkte, die frei von Ambrosia-Samen sind, gewählt werden. Reste von Vogelfutter für Vögel in Käfighaltung sind über die Restmülltonne zu entsorgen. Das frühzeitige Ausreißen stellt die effektivste Bekämpfungsmethode dar, sofern die Wurzel mit ausgerissen wird und es mehrfach wiederholt wird, um neu ausgekeimte, übersehene oder neu austreibende Pflanzen ebenfalls zu entfernen. Die Entsorgung der Pflanzen erfolgt in einer geschlossenen Plastiktüte mit dem Restmüll. Wegen möglicher Reaktionen ist Schutzkleidung zu tragen. Allergiker sollten diese Arbeit nicht verrichten.
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Bekämpfung im Hausgarten

Eine chemische Bekämpfung von Neophyten ist theoretisch möglich, im Hausgarten jedoch nicht empfehlenswert. Die Neophyten sollten im möglichst jungen Zustand komplett ausgegraben und über den Hausmüll entsorgt werden. Denn nur auf diese Weise ist gewährleistet, dass eine weitere Verbreitung verhindert wird. Die freien Flächen sind rasch mit standortgerechten Pflanzen zu begrünen, um ein wiederholtes Auftreten von Neophyten möglichst zu behindern. Auf alle Fälle ist über mehrere Jahre hinweg zu kontrollieren, ob der Bestand komplett ausgerottet wurde. Gerade bei größeren Beständen ist es nicht möglich, diese ohne Unterstützung von Fachkräften zu bekämpfen. Deshalb ist es ratsam, dies der Kommune oder dem Landratsamt zu melden.

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Weitere Informationen

Ausführliche Informationen über die hier beschriebenen Pflanzen, aber auch über andere Neophyten sind in der Regel bei den Kommunen, den Kreisfachberatungen für Gartenkultur und Landespflege oder den Naturschutzabteilungen an den Landratsämtern zu erhalten.
Im Internet findet sich eine Fülle an Informationsquellen rund um Neophyten. Unter www.floraweb.de/neoflora/ ist einen Aufstellung invasiver gebietsfremder Pflanzen in Deutschland zu finden. Herausgeber dieser Informationen ist das Bundesamt für Naturschutz.
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© Herausgeber: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Oktober 2008)
In Zusammenarbeit mit der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege