Empfehlenswertes Obst zur Saft- und Weinherstellung

Menschen haben schon sehr früh begonnen, Obst zu verarbeiten. Vermutlich haben findige Sammler die holzigen und herben Früchte, die roh nicht genießbar waren, erst zu Saft gepresst und dann mit wildem Honig versüßt. Es ist anzunehmen, dass sie schon damals um den gesundheitlichen Wert von Saft und Wein wussten, der von Ärzten und Wissenschaftlern bis in die heutige Zeit vielfach nachgewiesen wurde. Die unterschiedlichen Bezeichnungen für den Apfelwein zeugen von der weiten Verbreitung und der Beliebtheit in den verschiedenen Regionen und Ländern Europas. "Moschd" ist die mundartliche Bezeichnung im süd-deutschen Raum. "Viez" heißt er im Saarland und in Luxemburg, in England "Cider" und der namensverwandte "Cidre" wird fast ausschließlich in der Bretagne und der Normandie hergestellt. "Sidra" ist im spanischen Baskenland zu Hause, dessen Bewohner als die ersten Apfelweinhersteller Europas gelten, da sie nach dem Vorbild römischer Ölmühlen schon im 11. Jahrhundert passende Obstzerkleinerungsmaschinen entwickelten. Genauso wichtig wie eine fachgerechte Verarbeitung ist die Qualität des Ausgangsmaterials. Diese wird wesentlich beeinflusst von Sorte, Standort, Baumform, Pflegezustand und Erntezeitpunkt.

Inhalt

  Apfel
  Zierapfel
  Scheinquitte
  Speierling
  Edeleberesche
  Schlehe
  Auswahl empfehlenswerter Obstsorten

Apfel

Das wichtigste Obst für die Saft- und Weinherstellung ist der Apfel. Für die Sortenwahl sind das Zucker-Säure-Verhältnis, die Pressbarkeit und Saftausbeute, Gesundheit der Früchte sowie Resistenzen der Bäume entscheidend. Zu bevorzugen sind Sorten, die bei geringem Pflegeaufwand regelmäßige, zufriedenstellende Ernten bei guter Qualität bringen. Weil viele ältere Sorten infolge ihrer Alternanzneigung, d. h. eines starken jährlichen Wechsels des Fruchtansatzes, und ihrer Anfälligkeit gegenüber Schadfaktoren solche Anforderungen oft nicht erfüllen können, sollte eine kritische Überprüfung im Hinblick auf die Eignung neuerer Sorten erfolgen. Dabei muss jedoch eine möglichst große Sortenvielfalt weiterhin ein übergeordnetes Ziel bleiben.
 
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Zierapfel

Wegen der Vorsilbe "Zier-" im Namen ist der Nutzwert von Zieräpfeln allgemein kaum bekannt. Ihr hoher Pektingehalt macht sie besonders geeignet für die Zubereitung von Gelee oder Marmelade, aber auch als Beigabe für Süßmost, Apfelwein und Obstessig, wobei die rotfrüchtigen Sorten dem Saft eine hübsche Färbung geben.
 
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Birne

Oft werden Äpfeln auch saftige Mostbirnen beigefügt, um dem Apfelwein einen lieblicheren Geschmack zu verleihen. Viele dieser Birnensorten können aber auch für sich allein gekeltert werden. Dabei handelt es sich häufig um Sorten, die sehr winterhart sind, wegen ihrer vorwiegend lokalen Bedeutung vielfach aber leider nur schwer erhältlich sind.
 
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Scheinquitte

Die eher als Blütenstrauch bekannte Scheinquitte wird wegen ihrer Geschmacksstoffe sowie ihres hohen Vitamin-C-, Säure- und Pektingehaltes in Zukunft sicherlich eine weit größere Bedeutung in der Fruchtverarbeitung spielen als heute. Die Früchte können in Mischung mit säurearmem Obst für Säfte, Gelee und Obstessig verwendet werden.
 
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Speierling

Wegen ihrer hohen Gehalte an Säuren und Gerbstoffen werden die Früchte des Speierlings des Öfteren Äpfeln zugesetzt, weil diese Inhaltsstoffe besonders geeignet sind, den Apfelwein klar und haltbar zu machen. Bei sachgerechter kühler und luftiger Lagerung können die Früchte bis zum Teigigwerden 20-30 Tage aufbewahrt werden.
 
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Edeleberesche

WDie Früchte der Edelebereschen sind frei von den Bitterstoffen der Stammart und enthalten sehr viel Vitamin C, besonders die Pillnitzer Auslese ´Konzentra´. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe machen die Edeleberesche gut geeignet als Beimischung für die Herstellung von Apfelwein, Süßmost oder Obstessig.
 
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Schlehe

Ebenso wie im Fall von Speierling werden durch Schlehen dem Apfelwein selbstklärend wirkende Säuren und Gerb-stoffe zugeführt. Er wird dadurch "weiniger". Die hauptsächliche Verwendung liegt aber in der Schnaps- und Likör-herstellung. Ein großer ökolgischer Vorteil der Schlehe ist ihre hohe Anpassungsfähigkeit und ihre Funktion als wichtige Futterpflanze für eine Vielzahl von Insekten und anderen Tieren.
 
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Auswahl empfehlenswerter Obstsorten

Eine Sorte, die alle Ansprüche erfüllt, gibt es nicht. Die folgende Auswahl stützt sich deshalb auf Sorten, die sich z. T. über viele Jahre hinweg im Anbau bewährt haben, bei denen aber trotzdem regionale Unterschiede zu beachten sind.
Sorte Anfällig für Standort Ertrag
  Schorf Mehltau Feuerbrand    
Berlepsch, Roter gering gering stark geschützt alterniert
Bittenfelder nicht gering mittel Hochlagen alterniert
Boskoop, Roter stark gering gering geschützt alterniert
Erbachhofer Mostapfel gering gering mittel Hochlagen hoch
Florina nicht stark gering geschützt alterniert
Großer Bohnapfel gering nicht mittel Hochlagen alterniert
Hauxapfel gering gering stark Hochlagen hoch
Kanadarenette gering nicht gering warm alterniert
Kardinal Bea stark gering k. A. warm sehr hoch
Maunzenapfel nicht gering gering Hochlagen alterniert
Pilot gering gering gering Hochlagen sehr hoch
Reglindis nicht gering gering Hochlagen hoch
Remo nicht nicht nicht Hochlagen sehr hoch
Resi nicht gering gering warm sehr hoch
Rewena nicht nicht nicht geschützt sehr hoch
Rhein. Winterrambur mittel mittel stark geschützt alterniert
Rheinischer Bohnapfel gering nicht gering Hochlagen alterniert
Roter Eiserapfel gering nicht gering Hochlagen alterniert
Roter Trierer Weinapfel mittel nicht gering warm hoch
Wiltshire gering gering k. A. Hochlagen hoch
k. A.: keine Angaben

Zierapfel
Sorte Blüte Fruchtfarbe Frucht, cm Höhe, m Wuchsform
Charlottae rosa gefüllt gelb 4 6 baumartig
Eleyi weinrot purpur 1 6 breit
John Downie weiß orangerot 3 8 aufrecht
Liset purpur hellrot 1,5 8 aufrecht
Profusion weinrot rotbraun 1,5 8 breit
Red Jade reinweiß leuchtendrot 1,5 2 hängend
Striped Beauty weiß hochrot 1,5 5 hängend

Birne
Sorte Frucht Verarbeitung Bemerkungen
Bayerische Weinbirne mittelgroß, saftig IX-X robust, für Höhenlagen
Champagner Bratbirne klein, flach, hohe Qualität X nur warme Lagen, hervorragende Sorte
Grüne Jagdbirne klein bis mittelgroß XI sehr robust, auch in rauen Lagen
Josefine von Mecheln mittelgroß, fest, saftreich XI geschützte Lagen, alterniert
Madame Verté meist klein, hart, aromatisch XII robust, geschützte Lagen, Feuerbrand
Mollebusch mittelgroß, kugelig, hart X geschützte Lagen, Feuerbrand, Schorf
Oberösterreich. Weinbirne klein bis mittelgroß, sehr saftig X auch für Höhenlagen, Feuerbrand
Pastorenbirne groß, flaschenförmig, hart X-XI wärmere Lagen, Feuerbrand, Schorf
Rote Dechantsbirne mittelgroß, hart, saftig IX geschützte Lagen, alterniert, Feuerbrand
Schweizer Wasserbirne mittel bis groß, hart, saftig Ende IX geschützt auch höhere Lagen, Feuerbrand
Stuttgarter Geißhirtle klein bis mittelgroß, sehr saftig Anfang IX warme Lagen bevorzugt, Feuerbrand
Welsche Bratbirne klein bis mittelgroß X geschützte Lagen, mächtige Bäume
Wilde Eierbirne meist klein, fest, saftig Ende IX anspruchslos, bis in höhere Lagen
Wildling von Einsiedeln klein, kreiselförmig, süß X Höhenlagen, hohe Erträge
Wolfsbirne klein, fast rund, viele Gerbstoffe X-XI auch für raue Lagen, Most lange haltbar
 
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Januar 2001)