Nicht jeder hat das Glück, über ein großes Grundstück zu verfügen. Dennoch wünschen sich viele Menschen zumindest einen kleinen eigenen Garten und wollen diesen nicht nur als Ziergarten oder zur Entspannung nutzen, sondern auch selbst Obst anbauen. Dies bereichert in gesunder Form den Speiseplan und vermittelt direkte Frische- und Geschmackserlebnisse in Bezug zur jeweiligen Jahreszeit. Unter Beachtung geeigneter Obstarten und -sorten sowie Schnitt- und Erziehungsmaßnahmen kann man durchaus auch auf begrenzten Flächen Obst anbauen. Von entscheidender Bedeutung ist außerdem die Unterlage, sozusagen der "Fuß" des Baumes: Kern- und Steinobst bestehen nämlich aus zwei Partnern, der fruchttragenden Edelsorte und der Unterlage, welche erheblichen Einfluss auf die Größe des Baumes hat. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass sowohl Sorte als auch Unterlage korrekt etikettiert sind.
Inhalt
Kernobst - Apfel
Kernobst - Birne
Steinobst - Süßkirsche
Steinobst - Sauerkirsche
Steinobst - Zwetschge und Pflaume
Steinobst - Pfirsich und Aprikose
Beerenobst
Kernobst - Apfel
Der Apfel ist das häufigste Obst in unseren Breiten und wird vom Menschen schon seit Jahrtausenden gezüchtet. Züchtungsziele waren nicht nur wohlschmeckende Sorten, sondern auch schwach wachsende Unterlagen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es davon einige, die Wachstum und Endgröße der Edelsorten deutlich reduzieren.
Unterlagen: M 27 - schwächstes Wachstum aller Unterlagen, knapp 2 m Endhöhe, aber nur für sehr stark wachsen-de Sorten und beste Böden geeignet. M 9 - häufigste der schwach wachsenden Unterlagen, etwa 2,5-2,8 m Endhö-he, nicht ganz so hohe Ansprüche an Boden wie M 27. M 26 - bis zu 20 % stärkeres Wachstum als M 9, auch für etwas schlechtere Böden geeignet, aber etwas geringerer Ertrag als M 9.
Sorten: Die genannten Sorten zeichnen sich aus durch schwachen Wuchs, geringe Anfälligkeit gegenüber Krankhei-ten und Eignung als Pollenspender (wichtig, weil die wenigen Sorten in kleinen Gärten sich auch untereinander be-fruchten müssen): 'Piros', 'Alkmene', 'Rebella', 'Pirella', 'Remo', 'Resi', 'Muskatrenette', 'Topaz', 'Rewena', 'Pilot'.
Erziehungsform/Schnitt: Apfelbäume auf schwach wachsenden Unterlagen werden als Spindelbüsche oder noch schlankere Spindeln mit der ersten Verzweigung in etwa 40-60 cm Höhe gezogen. Die Krone hat keine Leitäste, sondern besteht nur aus der Stammverlängerung mit seitlichem, flach ansetzendem Fruchtholz. Schnittmaßnahmen sind auf das Nötigste zu beschränken, wodurch ein starker Neuaustrieb verhindert wird und sich flach abgehende Kurztriebe fördern lassen. Wenn geschnitten wird, dann nur im belaubten Zustand in der ersten Hälfte der Vegetati-onsperiode, um das Wachstum zu bremsen. Auf diese Weise kann man den Flächenbedarf pro Pflanze je nach ge-wählter Unterlage und Sorte auf 1-6 m² begrenzen.
Säulenapfelbäume: Dies sind Sorten mit extrem schlankem, Platz sparendem Wuchs, direkt am Stamm sitzenden, blüten- und fruchttragenden Kurztrieben und einer maximalen Endhöhe von 4 m. Der Schnitt beschränkt sich auf die Entfernung zu lang werdender Kurztriebe. Sorten: 'Arbat', 'Red River', Campanilo-Sorten, 'Rhapsodie', 'Sonate'.
Spalier: Äpfel als Spalier zu ziehen, bedeutet, noch den kleinsten Platz auszunutzen, indem man Wände, Mauern oder schmale Pflanzstreifen entlang von Grundstücksgrenzen begrünt und dadurch nahezu zweidimensionalen Obstbau betreibt. Das Spalier kann in verschiedenen Variationen erzogen werden, wobei man generell zwischen eintriebigem Schnurbaum, mehrtriebigen Formen (U-Form, Palmetten) und weniger streng erzogenem, freistehen-dem Spalier unterscheidet. Überflüssige Triebe bricht man im noch grünen, nicht verholzten Zustand bei einer Län-ge von etwa 5-10 cm aus. Die verbleibenden Zweige werden, wenn sie eine Länge von 15-20 cm erreicht haben, entspitzt und auf ca. 10-12 cm zurückgenommen, um die Blütenknospenbildung zu fördern. Diese Arbeiten sind an den während der Vegetationsperiode sich neu bildenden Trieben konsequenterweise stets zu wiederholen.
Kernobst - Birne
Die Birne ist nach dem Apfel das zweithäufigste Kernobst. Generell ist der Wuchs im Vergleich zum Apfel etwas stär-ker, die Krone aber schlanker und steiler nach oben gerichtet. Auch bei Birnen gibt es viele Sorten und schwach wachsende Unterlagen, wobei die Auswahl jedoch deutlich kleiner ist als beim Apfel.
Unterlagen: Quitte A - geeignet für Spindelbusch. Pyrodwarf - stärker als Quitte A, weniger frostempfindlich. Quitte C - schwächer als Quitte A, aber anfälliger und frostempfindlicher, in Bayern nicht unbedingt empfehlenswert.
Sorten: Für die Sortenauswahl gelten dieselben Kriterien wie beim Apfel, wobei besonders darauf geachtet wurde, dass die ausgewählten Sorten nicht hoch anfällig für Feuerbrand sind: 'Frühe von Trévoux', 'Dessertnaja', 'Harrow Sweet', 'Conférence', 'Condo', 'Concorde', 'Vereinsdechantsbirne', 'Madame Verté'.
Schnitt/Erziehungsform: Hierfür gelten prinzipiell dieselben Regeln wie beim Apfel: Möglichst wenig schneiden und wenn, dann nur während der Vegetationsperiode, um den Baum zu beruhigen. Schlanke Spindeln kommen mit einem Standraum von ca. 1 m² zurecht und können durch Schnitt, vorübergehendes Biegen oder vorsichtiges Drehen der Stammverlängerung um die eigene Längsachse auf Baumhöhen von 2,5 m begrenzt werden.
Spalier: Die Spaliererziehung erfolgt ähnlich wie beim Apfel, wobei Birnen aufgrund ihres höheren Wärmeanspruchs noch dankbarer auf die Pflanzung an einer Süd-Wand mit hoher Wärmespeicherung reagieren.
Steinobst - Süßkirsche
Bei Süßkirschen sind schwach wachsende Unterlagen unerlässlich, da sie sonst zu mächtigen Bäumen mit über 20 m Höhe heranwachsen. Weil Süßkirschen i. d. R. selbstunfruchtbar sind, ist es ratsam mehrere Sorten anzubauen, außer es stünden andere Bäume in der Nachbarschaft. Ungeeignete Standorte sind lehmig-tonige, staunasse Böden.
Unterlagen: Weiroot 72 und GiSelA 3 - zurzeit schwächste im Handel befindliche Unterlagen, Endhöhe ca. 3,5 m. Weiroot 158 und GiSelA 5 - mittlere Wuchsstärke, Endhöhe ca. 4,5 m.
Sorten: Es stehen zwar viele Sorten zur Auswahl, jedoch werden die meisten von der Kirschfruchtfliege befallen, gegen die es keine geeigneten Vorbeugungs- oder Bekämpfungsmaßnahmen gibt. Deswegen werden hier nur Sorten genannt, die so früh reifen, dass kein/kaum Befall droht: 'Burlat', 'Johanna', 'Merchant', 'Celeste'. - Außerdem kann man versuchen, kleine Kronen durch komplette Abdeckung mit Insektenschutznetzen vor der Fliege zu schützen.
Schnitt/Erziehungsform: Süßkirschen lassen sich durch das "Central-leader-System" zu Platz sparenden Spindeln erziehen: Verholzte Zweige werden durch Binden oder Beschweren in die Waagrechte gezwungen. Nach Mitte März bricht man an der Stammverlängerung etliche Knospen unter der Endknospe aus. Die neu austreibenden, noch weichen Seitentriebe werden mit Wäscheklammern waagrecht abgespreizt, überflüssige, steile und zu starke Triebe ganz entfernt. Die Behandlung wird jedes Jahr wiederholt, wodurch man, ergänzt durch Ableiten auf schwächere Verzweigungen und Rückschnitt der Stammverlängerung, eine schlanke, pyramidale Kronenform erhält.
Steinobst - Sauerkirsche
Als Unterlagen sind die für Süßkirschen genannten geeignet, außerdem 'Alkavo' auf kühlen, kalkhaltigen und Stein-weichsel auf mageren, trockenen Böden. Sauerkirschen sind deutlich kleiner als Süßkirschen und brauchen einen stärkeren Rückschnitt, um dem Verkahlen der Triebe vorzubeugen. Geeignete Sorten sind 'Karneol', 'Morina', 'Safir'.
Steinobst - Zwetschge und Pflaume
Zwetschgen und Pflaumen haben einen von Haus aus geringeren Wuchs als Süßkirschen. Es gibt auch für sie zur Er-ziehung von Spindelbüschen schwach wachsende Unterlagen wie die 'Wangenheimer Frühzwetschge'. Viele Sorten sind selbstfruchtbar, empfehlenswert sind z. B. 'Katinka', 'Cacaks Schöne', 'Hanita' und 'Elena'.
Steinobst - Pfirsich und Aprikose
Pfirsich und Aprikose sind weitgehend selbstfruchtbar und haben vom gesamten Kern- und Steinobst den höchsten Wärmebedarf, weswegen sie sich für den Spalier-Anbau an warmen, durch einen Dachvorsprung geschützten Süd-Wänden empfehlen. Schwach wachsende Unterlagen sind 'Wangenheimer Frühzwetschge', Prunus St. Julien A und St. Julien GF 655/2. Geeignete Sorten sind 'Benedicte' (Pfirsich) und 'Hargrand', 'Goldrich', 'Kuresia' (Aprikosen).
Beerenobst
Beerenobst beansprucht im Vergleich mit Baumobst (Kern- und Steinobst) meist erheblich weniger Standraum, d. h. der Platzbedarf hängt nicht so sehr von der Einzelpflanze, sondern überwiegend von der Pflanzenanzahl ab. Dies bedeutet, dass man auch auf die kleinste Fläche zumindest eine oder einige wenige Beerenobst-Pflanzen setzen kann.
Erdbeeren: Die Erziehung beschränkt sich auf Abtrennen der Ausläufer und Rückschnitt des alten Laubes nach der Ernte. Einmal tragende Sorten: 'Elvira', 'Honeoye', 'Kent', 'Korona', 'Polka', 'Tenira'. Mehrmals tragende: 'Mara des Bois', 'Ostara', 'Seascape', 'Selva'. Erdbeerwiese: 'Florika', 'Spadeka'. Monatserdbeeren: 'Alexandria', 'Rügen'.
Johannisbeere: Die gebräuchlichste Erziehungsform ist der Busch mit 8-12 Gerüstästen. Der Pflanzabstand beträgt ca. 1,5 m. Johannisbeeren lassen sich aber auch am Drahtgerüst als zweidimensionale 3-Ast-Hecke oder eintriebige Spindel mit viel seitlichem Fruchtholz mit nur 0,5-1 m Abstand erziehen. Rote Sorten: 'Jonkher van Tets', 'Rolan', 'Rotet', 'Rovada'. Schwarze: 'Bona', 'Ometa', 'Titania', 'Veloy'. Weiße: 'Blanka', 'Primus', 'Werdavia', 'Zitavia'.
Stachelbeere: Die Erziehung ähnelt der von Johannisbeeren, wobei Stachelbeeren gerne auch als Hochstämmchen mit 5-8 Haupttrieben, die durch Rückschnitt immer wieder verjüngt werden müssen, angebaut werden. Entschei-dend ist, bei der Sortenwahl auf Mehltauresistenz oder zumindest Mehltautoleranz zu achten. Gelb-grüne Sorten: 'Hinnonmäki', 'Mucurines', 'Reflamba'. Rote Sorten: 'Redeva', 'Remarka', 'Rokula', 'Pax'.
Jostabeere: Sie ist eine Kreuzung aus Johannis- und Stachelbeeren und viel stärker wachsend als ihre Eltern, weswe-gen ein Pflanzabstand von 2,5-3 m einzuhalten ist. Pflege wie Johannisbeere. Sorten: 'Jogranda',? 'Jonova', 'Jostine'.
Himbeere: Himbeeren lassen sich einreihig am Drahtgerüst erziehen, wobei 8-12 gesunde Ruten pro laufenden Meter genug sind. Sommerhimbeeren (Früchte an letztjährigen Ruten): 'Glen Ample', 'Meeker', 'Rubaca', 'Schöne-mann', 'Tulameen'. Herbsthimbeeren (Früchte an diesjährigen Ruten): 'Golden Bliss', 'Autumn Bliss', 'Himbo-Top'.
Brombeere: Rankende Sorten mit starkem Wuchs benötigen einen Pflanzabstand von 3-4 m, z. B. die Sorten 'Theo-dor Reimers' (bedornt) und 'Loch Ness' (unbedornt). Es gibt aber auch für kleine Gärten geeignetere Sorten mit kom-paktem, aufrechtem Wuchs, denen Pflanzabstände von 1,50 m ausreichen, z. B. die dornenlose Sorte 'Navaho'.
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