
1= Spindel, Buschbaum, 40-60 cm
2= Halbstamm, 100-120 cm
3= Hochstamm, 180 cm |

|
Der Anbau von Obst im eigenen Garten bietet vielerlei Vorteile:
Vom Frühsommer bis zum Herbst können voll ausgereifte Früchte
taufrisch geerntet werden. Deshalb weisen sie ein ausgeprägtes
Aroma und einen hohen Vitamingehalt auf. Des Weiteren verhilft
Obst durch seinen geringen Kalorien- und reichen Ballaststoffgehalt zu einer zeitgemäßen
Ernährungsweise und stellt dadurch die beste Gesundheitsvorsorge dar. Gleichzeitig bereichern selbst
angebaute Früchte den Speiseplan und entlasten die Haushaltskasse. Darüber hinaus bietet der
Obstgarten einen hohen Freizeitwert mit Erfolgserlebnissen. Zu guter Letzt verbinden blühende
und fruchtende Obstgehölze Zierde mit Nutzen und sind somit
unentbehrliche Bestandteile zur Förderung der Landeskultur.
Inhalt
Unterlagen und Baumformen
Sortenauswahl beim Baumobst
Sortenauswahl beim Beerenobst
Pflanzung
Bodenpflege
Pflanzenschutz
Unterlagen und Baumformen
Die Veredlungsunterlage eines Obstgehölzes steuert den Wuchs, den Ertragsbeginn,
die Fruchtqualität, die Lebensdauer und die Größe des Baumes.
Auch die Erziehungsformen und die erforderlichen Schnittmaßnahmen werden von
ihr entscheidend beeinflusst. Deshalb ist beim Obstbaumkauf darauf zu achten,
ob es sich um eine schwach oder eine stark wachsende Unterlage handelt.
Schwach wachsende Typen
Früh einsetzender Ertrag (ab 2. Standjahr);
Benötigen zeitlebens eine Stütze wegen geringer Standfestigkeit;
Hohe Ansprüche an Standort und Pflege;
Lebensdauer 15 - 20 Jahre.
Stark wachsende Typen
Später Ertragsbeginn;
Großer Platzbedarf;
Hohe Erntemengen;
Lange Lebensdauer;
Wichtige grüngestalterische und ökologische Funktionen.
|
| |
Unterlagen für Äpfel
Spindel:
M 9 - schwachwachsend. Günstiger Einfluß auf die Größe und Ausfärbung der Früchte,
Pflanzabstand 2 x 3 m. Pfahl notwendig!
M 26 - für sehr schwachwachsende, früh- und reichfruchtende Sorten. Pfahl notwendig.
Buschbaum:
MM 106 - mittelstark wachsend. Positiver Einfluß auf Zucker-/Säureverhältnis der Früchte,
Pflanzabstand 5 x 5 m, Pfahl empfehlenswert.
Halb- und Hochstamm:
Bittenfelder Sämling - starkwachsend, Pflanzabstand 10 x 10 m.
A 2 - etwas schwächer wachsend. Trägt früher als Sämling - frosthart!
|
| |
Unterlagen für Birnen
Spindel und Buschbaum:
Quitte A - schwach wachsend, kalkempfindlich, bei hohem pH-Wert gestörte Blattgrünbildung,
Pflanzabstand 4 x 4 m, Spalier 3 m, Pfahl notwendig.
Halb- und Hochstamm:
Birnensämling - starkwachsend. Verwendung als Hausbaum und in der freien Landschaft,
Pflanzabstand mindestens 8 x 8 m.
|
| |
Unterlagen für Kirschen
Buschbaum:
Weiroot Nr. 72, Weiroot Nr. 158 und GiSelA 5 - schwach wachsend, Pflanzabstand: Süßkirschen
4 x 5 m, Sauerkirschen 3 x 4 m. Pfahl notwendig. Sauerkirschen auch auf eigener Wurzel!
Halb- und Hochstamm:
F 12/1 und Vogelkirschensämling-Auslesen und Weiroot 13 - stark wachsend. Pflanzabstand:
Süßkirschen 10 x 10 m, Sauerkirschen 5 x 5 m.
|
| |
Unterlagen für Zwetschgen und Pflaumen
Spindel:
Weito - geringe Wuchshöhe, Pflanzabstand 3 x 4 m, Pfahl notwendig.
Busch und Halbstamm:
St. Julien A - etwas schwächer als Sämling, Pflanzabstand 5 x 5 m.
Halb- und Hochstamm:
GF 8/1 - starkwachsend, Pflanzabstand 6 x 8 m.
|
| |
Sortenauswahl beim Baumobst
In der Regel ist Kernobst selbstunfruchtbar ebenso wie Süßkirschen. Befinden sich deshalb im
Umkreis von 500 m nur wenige verschiedene Sorten dieser Obstarten, sollten zur Gewährleistung einer
ausreichenden Befruchtung und Ertragshöhe im eigenen Garten Vertreter mehrerer Sorten gepflanzt werden.
| Obstart |
Obstsorte |
| Apfel |
Piros, Jakob Fischer, Alkmene, Pirella (Pirol), Reglindis, Resi, Berlepsch, Florina, Pinova,
Boskoop, Rewena, Pilot |
| Birne |
Frühe von Trévoux, Condo, Harrow Sweet, Vereinsdechants-Birne,
Haus- und Hofbaum: Madame Verté |
| Quitte |
Portugiesische Birnenquitte, Konstantinopeler-Apfelquitte
(Kronenbreite ca. 3 m) |
| Süßkirsche |
Frühe Kirschensorten werden nicht von der Kirschfruchtfliege befallen
Frühe Sorten: Burlat (2. Kirschwoche), Johanna (3. Kirschwoche) Spätreifende Sorten:
Hedelfinger, Sam, Schneiders Späte Knorpelkirsche |
| Sauerkirsche |
Gerema, Karneol; werden nicht von Monilia-Spitzendürre und Sprühfleckenkrankheit
befallen |
| Zwetschge |
Katinka, Cacak's Schöne, Hanita, Schönberger, Hauszwetschge - großfrüchtige Typen wie
Meschenmoser |
| Mirabelle |
Mirabelle von Nancy |
| Reneklode |
Oullins Reneklode |
| Aprikose |
Hargrand |
| Pfirsich |
Amsden |
|
| |
Sortenauswahl beim Beerenobst
Alle Arten sind weitgehend selbstfruchtbar. Werden verschiedene Sorten angebaut,
erhöht sich dadurch der Ertrag.
Büsche und Hochstämme haben zusätzlich auch Zierwert.
Die Heckenerziehung am Draht ist die intensivste Form der Beerenobstkultur.
| Beerenart |
Beerensorte |
| Rote Johannisbeere |
Jonkheer van Tets, Red Lake, Rondom, Rovada |
| Schwarze Johannisbeere |
Ometa, Titania |
| Stachelbeere |
Invicta, Remarka, Reflamba (alle Sorten weitgehend mehltautolerant) |
| Himbeere |
Schönemann, Rubaca, Rutrago, Meeker, Autumn Bliss
(trägt wegen des winterlichen Rückschnitts aller Ruten an neugewachsenen
Jungruten ab August) |
| Brombeere |
Theodor Reimers, Thornfree, Loch Ness |
| Weintraube |
Muscat Bleu, Phönix (beide Sorten wenig
krankheitsanfällig) |
|
| |
Pflanzung
Die Veredlungsstelle der Obstgehölze muss mindestens 5 cm über dem Boden stehen,
damit die Edelsorte keine eigenen Wurzeln bilden kann. Bei Johannis-, Stachel- und Brombeeren
fördert dagegen ein tieferes Pflanzen die Neutriebbildung. Himbeeren sind Flachwurzler und
sollten in schweren Böden auf einen leicht erhöhten Erdhügel
gesetzt werden. Wegen ihrer Kalkempfindlichkeit sind pH-Werte des Bodens unter 6,5 anzustreben.
|
| |
Bodenpflege
Beim Baumobst auf schwachwachsenden Unterlagen und bei Beerensträuchern entwickeln sich die Wurzeln direkt
unter der Bodenoberfläche. Gras- und Unkrautwuchs sind deshalb eine starke Wachstumskonkurrenz. Weil durch
Bodenbearbeitungsmaßnahmen die Wurzeln verletzt werden könnten, ist ein regelmäßiges
Mulchen mit Grasschnitt, gehäckseltem Stroh, Laub, Rinde oder Kompost die beste wachstumsfördernde
Bodenpflege. In wühlmausgefährdeten Gärten wird die Mulchschicht im Herbst abgeräumt.
|
| |
Pflanzenschutz
Die Bevorzugung robuster Sorten, wie sie beispielhaft im vorliegenden Merkblatt aufgeführt sind,
die Wahl eines geeigneten Standortes, aber auch eine fachgerechte Bodenpflege und ausgewogene
Pflanzenernährung, regelmäßige Schnittmaßnahmen und sachgemäße Erziehungsmethoden
sind eine wirksame Vorbeugung gegen Krankheiten und Schädlingsbefall. Maßnahmen zur Förderung
von Nützlingen sind die Bereitstellung von Nisthilfen für Vögel und das Schaffen von
Unterschlupfmöglichkeiten für Ohrwürmer und Florfliegen.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Leimringen gegen den Frostspanner
(nur von Mitte Oktober bis in den Winter) und das Anbringen von Fanggürteln (nur in der Zeit von
Mitte Juni bis August) gegen die Obstmade.
|
Zur Merkblattübersicht
Zur Homepage des Landesverbandes
|