Obstbaumkrankheiten: Narrenkrankheit der Zwetschge und Gitterrost an Birne

Als Folge von Pilzinfektionen treten unterschiedliche Krankheitssymptome auf. Die Schaderreger ernähren sich von lebenden Pflanzenzellen, wodurch nicht nur das Aussehen der Pflanzen, sondern auch der biologische Wert der Ernten geschmälert wird. So kann die Entwicklung der Triebe, Blätter und Früchte stark beeinträchtigt werden. In einigen Fällen können die Schäden durch Pilze sogar zum Absterben der Obstbäume führen. Der Infektionsverlauf und das Schadbild geben Aufschluß über die Art des Pilzbefalles. Nur wer die Ursache einer Schadwirkung kennt, kann durch gezieltes Eingreifen wirkungsvoll den Infektionsherd eindämmen und den Entwicklungskreislauf des Erregers unterbrechen. Zur guten gärtnerischen Praxis zählt die Notwendigkeit, die Ursachen von Obstbaum krankheiten rechtzeitig zu erkennen. Dies setzt voraus, daß man sich mit den Ansprüchen der Pflanze auseinandersetzt, das Leben auf der Pflanze intensiv beobachtet sowie biologisches Grundwissen über die Lebensweise der wichtigsten Schaderreger erwirbt. Insbesondere zählt die richtige Standortwahl, die Verwendung robuster Sorten und die fachgerechte Pflege der Obstgehölze zu den wichtigsten vorbeugenden Pflanzenschutzmaßnahmen.

Inhalt

  Narren- oder Taschenkrankheit der Zwetschge
  • Schadbild
  • Biologie
  • Vorbeugende Maßnahmen
  • Direkte Bekämpfung

  •   Birnengitterrost
  • Schadbild
  • Biologie
  • Vorbeugende Maßnahmen
  • Direkte Bekämpfung
  • Narren- oder Taschenkrankheit der Zwetschge

    Schadbild
    Während der Wachstumsphase der Früchte ab Mai vergrößern sich einige Früchte deutlich schneller als die übrigen. Sie entwickeln sich dabei zu flachgedrückten, oft gekrümmten Gebilden (Narren). Das Fruchtfleisch bleibt hart und spröde und schmeckt fade. Anfänglich sind die Früchte noch glatt und hellgrün, später werden sie von einem weißen Pilzrasen bedeckt, trocknen ein (1) und fallen größtenteils ab. Da die Infektion vor der Befruchtung erfolgt, findet man anstelle des Kernes einen Hohlraum (Taschen) (2).
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    Biologie
    In den überwinterungsorganen auf erkrankten Trieben (3) und den Fruchtmumien des Vorjahres entstehen bei feucht- kalter Witterung zur Blütezeit Pilzsporen, welche die Blüten infizieren und zu einer Scheinbefruchtung führen. Der Pilz bewirkt eine starke Zellvermehrung, wodurch die befallenen Früchte im Vergleich zu den gesunden Zwetschgen erheblich größer werden (1). Mit dem auf erkrankten Früchten entstehenden Pilzmycel (reifartiger Belag) werden die Triebe wieder neu infiziert. Hier überdauert der Pilz bis zum nächsten Jahr.


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    Vorbeugende Maßnahmen
    Pilzliche Schaderreger sind bei ihrer Entwicklung auf Feuchtigkeit angewiesen. Deshalb muß auch zur Abwehr der Narrenkrankheit mit einem fachgerechten Baumschnitt für eine gute Durchlüftung der Krone gesorgt werden. Dadurch trocknen die Blüten rascher ab und die Infektionsgefahr wird gemildert. Aus pflanzenhygienischen Gründen sind befallene Triebe und Fruchtmumien so bald als möglich zu entfernen. Da die Krankheitserreger in gartenüblichen Komposten nicht vollkommen abgetötet werden, sollte befallenes Pflanzenmaterial über den Hausmüll entsorgt werden. Insbesondere Frühzwetschgensorten gelten als weniger anfällig. Deshalb sollten in gefährdeten Bereichen bei Neupflanzungen robuste Sorten wie z. B. ´Ersinger Frühzwetschge´, ´Hermann´ oder ´Schönberger´ bevorzugt werden. Bei anfälligen Zwetschgenbäumen, die öfter von der Narrenkrankheit befallen werden, ist das Aufpfropfen wider standsfähiger Sorten eine bewährte Möglichkeit. In der Praxis hat sich gezeigt, daß bei wüchsigen Bäumen bis zu einem Alter von etwa 15 Jahre noch Kronenveredelungen erfolgreich durchgeführt werden können.
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    Direkte Bekämpfung
    Eine chemische Bekämpfung der Narrenkrankheit ist im Hausgarten im Interesse eines umweltgerechten Anbaues nicht vertretbar. Vor allem besteht bisher keine Möglichkeit, einen genauen Bekämpfungszeitpunkt für eine wirkungsvolle Behandlung zu ermitteln.
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    Birnengitterrost

    Der Erreger des Birnengitterrostes gehört zur Gruppe der wirtswechselnden Rostpilze. Er benötigt für seinen vollständigen Entwicklungszyklus neben der Birne im Sommer bestimmte Wacholder-Arten und -Sorten im Winter als Wirtspflanzen. Der Wacholder (insbesondere Juniperus sabina, J. media und J. chinensis) wird als Hauptwirt befallen, während der Birnbaum als Nebenwirt dient.
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    Schadbild
    Birne: Auf der Blattoberseite entstehen nach der Infektion ab Mitte Mai kleine gelborangefarbene Tupfen (3). Diese entwickeln sich im Sommer zu leuchtend orangefarbenen bis roten, 5 - 10 mm großen Flecken. Ab Juli bilden sich auf der Blattunterseite gelbbraune höckerartige Wucherungen (4). Im September reißen die Sporenlager auf und bilden gitterartige Häubchen (Gitterrost). Bei starkem Infektionsdruck werden oft schon nach der Blüte sämtliche jungen Früchte abgestoßen. Weisen die Blätter nur wenige Flecken auf, sind keine Ertragsausfälle zu befürchten. Bei einem wiederholten massiven Befall läßt die Fruchtbarkeit der Birnbäume nach oder sie sterben sogar ganz ab.
    Wacholder: Nach der Infektion im Herbst wächst der Pilz in die Wacholdertriebe. Er verursacht krankhafte Wucherungen, die als keulenartige Verdickungen erkennbar werden (6). Im Frühjahr sind dann gallertartige, orangefarbene Sporenlager zu sehen (1). Die Triebe oberhalb der Infektionsstelle sterben häufig ab.
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    Biologie
    Der Pilz überwintert in den Wacholdertrieben. Im Frühjahr wachsen aus den Verdickungen orangerote Zäpfchen heraus, an deren Oberfläche die Sporen keimen (1). Die infizierenden Sporen werden aktiv abgeschleudert und vorwiegend durch Wind auf die Birnblätter übertragen (2). Der Rostpilz dringt in wenigen Stunden in das Blatt ein. Als Folge treten auf den Blättern orangefarbene Flecken auf (3). Die Stärke des Befalls hängt wesentlich von den Niederschlägen und Temperaturen im Frühjahr ab. Der Pilz wächst zur Blattunterseite durch, wo sich ab Juli Sporen lager in Form von höckerartigen Wucherung bilden (4). Durch die austretenden Sporen (5) werden wieder neue Wacholdertriebe befallen. Nach der Infektion dauert es meist drei Jahre, bis sich die nicht immer deutlich erkennbaren spindelartigen Verdickungen an den Zweigen bilden (6). Eine mit Birnengitterrost befallene Wacholderpflanze bleibt zeitlebens Trägerin dieser Krankheit und ist damit eine ständige Infektionsquelle. Dagegen kann sich der Schaderreger auf dem Birnbaum nur während einer Wachstums periode halten, weil der Pilz auf den Zweigen oder den abgefallenen Blättern nicht weiterleben kann.

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    Vorbeugende Maßnahmen
    Da zur vollständigen Entwicklung des Pilzes beide Wirtspflanzen notwendig sind, ist die Entfernung einer der beiden Wirte die wirksamste Vorbeugungsmaßnahme. Es muß jedoch beachtet werden, daß die Sporen durch den Wind, aber auch durch Insekten, über größere Distanzen transportiert werden können. Die Befallsstärke ist um so größer, je näher die Birnbäume bei erkrankten Wacholderpflanzen stehen. Erfahrungsgemäß kommt es bis zu einer Entfernung von 500 m noch zu starken Infektionen. Bei der Birne ist, durch einen lockeren Kronenaufbau bereits beim Erziehungsschnitt, für ein möglichst rasches Abtrocknen der Blätter zu sorgen. Bei der Birne bestehen keine großen Unterschiede bezüglich der Sortenanfälligkeit. Anders jedoch verhält es sich beim Wacholder, wo im Angebotssortiment große Unterschiede vorhanden sind. So führte insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten die bevorzugte Anpflanzung von J. sabina und ihren Varietäten wegen ihrer geringen Anfälligkeit gegen andere Pilzkrankheiten in manchen Bereichen zu einer massiven Gitterrost-Verseuchung. Die Sorten von J. communis (Gemeiner Wacholder) werden dagegen nicht befallen. Somit kann bereits auch durch eine gezielte Pflanzenauswahl der Entwicklungszyklus des Birnengitterrostes unterbrochen werden.
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    Direkte Bekämpfung
    Bei einem schwachen Befall am Birnbaum sollten die erkrankten Blätter im Frühsommer entfernt werden um eine spätere Infektion des Wacholders (5) zu verhindert. Der Wacholder kann bei leichtem Befall gründlich ausgeschnitten werden. Eine chemische Bekämpfung des Schaderregers am Birnbaum ist nicht sinnvoll. Sie bleibt beim Wacholder sogar ohne Heilungserfolg.
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    © Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2000)