Obstspaliere selbst gebaut

Für Fassadenbegrünungen werden heute viele industriell vorgefertigte Elemente angeboten. Individuell können eintönige und kahle Wände jedoch durch einfache Holzspaliere wirkungsvoll belebt werden. Diese Art des Fassadenschmuckes hat eine lange Tradition und war früher weit verbreitet. Auch heute kann damit der Architektur ein besonderer Charme und die erwünschte Unverwechselbarkeit verliehen werden. Mit dem häufig zu beobachtenden „An-die-Wand-dübeln" von Latten allein ist jedoch keine positive Wirkung zu erzielen. Wenn das Spalier neben seiner Funktion als Rankhilfe oder Pflanzenstütze auch einen dekorativen Charakter erhalten soll, sind die Festaltungsgrundsätze für Harmonie und Entsprechung zu berücksichtigen. Die Anpassung des Spaliers an den Rhythmus von Fenstern und Türen sowie handwerkliche Präzision sind Grundvoraussetzungen für die Entwicklung einer anspruchsvollen Spalierkultur. Holzspaliere sollten deshalb in ihrer Gestaltung möglichst einfach und schlicht gehalten werden, zumal die Bepflanzung in der Regel dominiert. Insbesondere bei großen Spalierflächen darf jedoch auch nicht vergessen werden, daß es oft mehrere Jahre dauert, bis die Konstruktion überwachsen ist. Deshalb ist es wichtig, daß Holzspaliere auch ohne Bewuchs attraktiv wirken.

Inhalt

  Die Planung von Holzspalieren
  Gestaltung und Bemaßung des Spaliergerüstes
  Die Konstruktion von Holzspalieren

Die Planung von Holzspalieren

Gründliche planerische überlegungen stehen bei der Errichtung eines Spaliers im Vordergrund, damit dem Bedürfnis nach gestaltgebender Schönheit und ausreichender Funktionalität Rechnung getragen wird. Dabei kann man durch eine entsprechende Anordnung von senkrechten und waagerechten Spalierlatten das Erscheinungsbild einer Fassade optisch entscheidend prägen:
  • Die Spalierlatten dienen zur Formierung des Obstgehölzes, dessen unterster Ast sich mindestens 60 cm über dem Boden befinden sollte. Daraus ergibt sich die Position der ersten waagerechten Latte bei einem bis zum Boden reichenden Spaliergerüst.
  • Schmale, hochgestreckte Spalierfelder lassen eine Fassade optisch höher erscheinen, weshalb diese Form vor allem an gedrungenen Bauten zu bevorzugen ist.
  • In die breite gehende Spalierfelder können hohe Wände und Fassaden gestalterisch zusammenbinden.
Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, daß die betont senkrechte Lattenführung der wachsenden Pflanze entspricht und stets lebendig und aufstrebend wirkt. Die waagrechte Lattenführung dagegen macht meist einen flachliegenden und schwerfälligen Eindruck. Wenn diese oft als nebensächlich abqualifizierten Gestaltungseffekte beachtet werden, kann es gelingen, daß sich die in ein belebendes Baudetail gesetzte Erwartung erfüllt.

Auch die Wahl des geeignete Standortes ist entscheidend für das gute Wachstum der Spalierpflanzen. Hier bieten die „Lichtwände" eines Hauses besonders günstige Bedingungen:
  • Südwände bieten am meisten Licht und Wärme. Sie sind ideal für Birne, Aprikose, Pfirsich und Wein.
  • Ostwände eignen sich für frühe Birnensorten und Quitten, bei ausreichender Bodenfeuchte auch für äpfel und Sauerkirschen.
  • Westwände können für äpfel, frühe Birnensorten, Sauerkirschen und in wärmeren Lagen auch für Aprikosen genutzt werden.
 
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Gestaltung und Bemaßung des Spaliergerüstes

Viele gestalterische Unzulänglichkeiten entstehen aus der fälschlichen Meinung, daß die Triebe der Obstgehölze nur an waagerechten Latten rutschsicher befestigt werden können. Wenn das Bindematerial bei den Formierungsarbeiten zuerst an der Latte fest angeknotet wird, sind sogar stark herunterzubindende Leitäste an den senkrechten Spalierlatten zuverlässig in die gewünschte Stellung zu bringen. Einen großen Einfluß auf das äußere Erscheinungsbild des ganzen Spaliers besitzt das Lattenraster, das sich an einer sinnvollen Unterteilung der Abstände zwischen den Türen und Fenstern zu orientieren hat. Bei rechteckigen Spalierfeldern sollte das Verhältnis von Breite und Länge zwischen 1 : 1,4 bis 4 liegen. Ideal ist ein Teilungsverhältnis im Goldenen Schnitt von ca. 1 : 1,6. In der Architektur werden die Werte gerne überschritten, um Spannungen in die Harmonie zu bringen. Wird das angegebene Maßverhältnis unterschritten, ist konsequenterweise gleich ein quadratisches Raster anzuwenden. Die Länge eines Spalierfeldes sollte 100 cm nicht überschreiten. Der überstand von Latten kann ein Viertel bis ein Drittel des Rastermaßes betragen. Elegant wirkt es, wenn die Spaliere an ihren Rändern bündig abschließen. Von Fenstern und Türen sollte ein Abstand von mindestens 15 cm eingehalten werden. Vor allem die Auseinandersetzung mit der historischen Spalierkultur bietet eine Fülle von Anregungen, die zu einer Bereicherung unserer Architektur führen können, wenn sie sinnvoll in unsere Zeit umgesetzt werden. So ist besonders an alten Bauernhäusern heute noch der filigranartige Stil mit bewußt enger senkrechter Verlattung zu bewundern.
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Die Konstruktion von Holzspalieren

Besonders gut geeignete Baumaterialien sind die Laubhölzer Eiche und Robinie. Es können aber auch Nadelhölzer wie Kiefer und Lärche sowie Fichte und Tanne eingesetzt werden. Das Holz soll abgelagert, trocken und wegen der Bruchgefahr möglichst astfrei sein. Eine chemische Behandlung mit Holzschutz ist nicht erforderlich. Alle Bauteile sollten eine gehobelte, glatte Oberfläche aufweisen und an der Oberseite angeschrägt sein, damit das Regenwasser abläuft. Stöße, in denen sich Wasser sammeln kann, müssen möglichst vermieden werden. Günstig für die Stabilität des Spalieres ist es, wenn die Holzbauteile einen reichlichen Querschnitt aufweisen. Das Mindestmaß ist dabei die Dachlatte 30 x 50 mm, die gehobelt etwas an Stärke verliert. Einen besonderen Charme besitzen Spaliere aus halbierten gehobelten Dachlatten (26 x 33 mm). Zur Gewährleistung einer ausreichenden Hinterlüftung ist ein Wandabstand von 10 cm einzuhalten. Sicher und stabil ist die übereinanderlagerung der einzelnen Lattenlagen. Die Verbindung erfolgt durch eine Holzschraube, die zu mindestens ein Drittel ihrer Länge in der Unterlage festsitzen muß. Auch verzinkte Nägel können dazu verwendet werden. Die Montage kann direkt an der Fassade vorgenommen oder auf einer ebenen Unterlage vorkonfektioniert, fixiert und als Gesamtwerk an der Wand befestigt werden. Dabei wird es mit Schrauben und 8 mm Dübeln durch einen Abstand hindurch mit der Wand verschraubt. Da keine Dreh- und Hebelkräfte wirken, ist neben der Eckbefestigung eine Wandverbindung für jeweils 2 qm ausreichend. Das Abdichten des Bohrloches ist sinnvoll.
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2000)