
Kirschfruchtfliege |
Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für jeden
Gartenfreund, auf die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel im Hausgarten zu verzichten.
Zieht man eine kritische Bilanz, was an praktikablen und wissenschaftlich erprobten biologischen
und biotechnischen Verfahren für den "chemiefreien" Pflanzenschutz im Hausgarten zur Verfügung steht,
wird kundig, daß man auf diesem Gebiet noch ganz am Anfang steht. Die ersten positiven Ansätze sind
jedoch hoffnungsvolle Signale. Der Gartenakademie in Zusammenarbeit mit den Versuchsanstalten steht
ein großes Aufgabengebiet offen! Denn Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen auf "sanfte" Weise zu
schützen, ohne die Umwelt zu belasten, ist gewiß kein bequemer doch unbestritten der richtige Weg in
die Zukunft.
Inhalt
Gelbtafel mit Lockstoff gegen die Kirschfruchtfliege
Rapsöl gegen Spinnmilbe, Schildlaus, Weiße Fliege und andere Blattläuse
Extrakt aus dem Staudenknöterich gegen den Echten Mehltau
Möglichkeiten beim Apfelwickler
Gelbtafel mit Lockstoff gegen die Kirschfruchtfliege
Inzwischen ist längst erwiesen, daß die
anfangs vielgelobten leimbeschichteten Gelbtafeln zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege nur
dann als direkte Maßnahme ausreichen, wenn der Flugbeginn nicht verpaßt wird und die Fallen
rechtzeitig noch vor Einsetzen der Eiablage in ausreichender Menge, vor allem in die Südseite
des Baumes aufgehängt werden, und auch die Kirschbäume in Nachbargärten mit den Fallen
versehen sind, um den Zuflug von dort zu mindern. Neu im Handel (Hersteller: Celaflor) ist
eine Gelbtafel mit Köderstoff, der die Lockwirkung auf die gerade geschlüpften Fliegen
verstärken soll. Je nach Region ist die Kirschfruchtfliege von Anfang Mai bis Ende Juni
aktiv. Deshalb sind frühe Sorten (bis zur 3. Kirschwoche) kaum gefährdet. Während der
ersten 10 Tage nach dem Ausschlüpfen der wärmeliebenden Insekten aus ihrer Puppe findet zur
Erlangung der Fortpflanzungsfähigkeit ein Reifungsfraß statt, wobei die Fliegen vor allem
Nektar (zuckerreiche Säfte am Blütengrund) aufnehmen. Die durch die gelbe Farbe der Leimtafel
nachgeahmte anziehende Wirkung von Nektar wird in Verbindung mit dem Lockstoff verstärkt. Die
Fliegen werden noch vor Erreichen der Geschlechtsreife abgefangen, wodurch sich die Eiablage
vermindert. Ein guter Erfolg wird dann erzielt, wenn je nach Baumgröße bis zu 6 Fallen in der
Südseite des Baumes positioniert werden, wo die ersten Früchte nach gelb bzw. gelbrot
umfärben.
Rapsöl gegen Spinnmilbe, Schildlaus, Weiße Fliege und andere Blattläuse
Aus nachwachsenden Rohstoffen, nämlich zu 85%
aus Rapsöl, aus pflanzlichen Fetten und Vitaminen, ist ein Pflanzenschutzmittel für den
Garten, für Zimmer- und Balkonpflanzen entwickelt worden. Das als Schädlingsfrei Naturen
(Hersteller: Celaflor) erhältliche Mittel kommt gegen die erwähnten saugenden Insekten zur
Anwendung. Seine Wirkung beruht auf einem feinen Ölfilm, unter dem die Eier und Larven der
Schadinsekten ersticken, da sie durch die Hautporen nicht mehr atmen können. Es wirkt vor
allem gegen die unbeweglichen bzw. noch wenig aktiven Schädlingsstadien. Beim erwachsenen
Insekt, das geflügelt, dadurch beweglich und aktiv ist, ist die Gefahr groß, daß der Ölfilm
auf den Flügeln zerstört wird. In der empfohlenen Aufwandmenge bleiben Bienen unbehelligt,
auch Nützlinge, wie Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen, werden geschont. Auch der
Nebeneffekt gegen Pilzerkrankungen ist beträchtlich und soll künftig in Versuchen genauer
erprobt werden.
Extrakt aus dem Staudenknöterich gegen den Echten Mehltau
Pflanzenextrakte gewinnen als
Pflanzenstärkungsmittel eine zunehmende Bedeutung. Die pflanzenstärkenden
Inhaltsstoffe aus dem Sachalin-Staudenknöterich sind unter der Produktbezeichnung Milsana
im Handel (Hersteller: Compo). Bei frühzeitiger und regelmäßiger Anwendung erhöht Milsana
die Widerstandskraft der Pflanze gegen den Echten Mehltau. Aufgrund der rein pflanzlichen
Herkunft ist nach Herstellerangaben das Mittel bei allen durch den Echten Mehltau gefährdeten
Kulturen einsetzbar. Die Anwendung ist nur dann erfolgversprechend, wenn sie vor Ausprägung
der Schadsymptome (weiß-mehliger Pilzbelag auf der Oberseite von Blättern, auf Blüten,
Früchten und Trieben) beginnt und während der Hauptwachstumszeit in Abständen von 7-10
Tagen wiederholt wird. Milsana wird als Pulver angeboten und 1%ig mit einer Rücken- oder
Handspritze ausgebracht. Die Wirkung beruht auf einer mechanischen Barriere, einer
Abwehrreaktion, die durch die Pflanze selbst ausgelöst wird.
Versuche mit Pflanzenextrakten aus den Ziergehölzen Essigbaum, Gemeine Berberitze und Mahonie haben gute
Ergebnisse beim Feuerbranderreger erzielt. Ein Nachteil der Pflanzenextrakte ist die ungezielte, da
grundsätzlich vorbeugende Anwendung, sowie die häufigen Spritztermine.
Möglichkeiten beim Apfelwickler
Der Apfelwickler ("Obstmade") ist der wichtigste
Schädling am Apfelbaum. Die ersten Falter schlüpfen gewöhnlich ab Mitte Mai. Bald danach
beginnen die Weibchen mit der Eiablage auf den jungen Früchten. Nach 1-2 Wochen schlüpfen
die ersten Raupen, kriechen 2-3 Tage auf der Frucht umher und fressen an der Apfelschale,
bevor sie sich in die Frucht einbohren. Nach einem 4wöchigen Fraß verläßt die Raupe im
Juli die beschädigte Frucht, indem sie sich an einem Faden abspinnt oder aus einer bereits
abgefallenen Frucht auswandert. Die Raupen streben sofort dem Baum wieder zu, um sich in
Verstecken unter der Rinde zu verpuppen. Bei warmer Witterung verpuppt sich ein Teil der
Raupen bereits Ende Juli, sodaß im August eine besonders schädliche 2. Faltergeneration
erscheint. Deshalb ist das Auflesen und Beseitigen der erstbefallenen Früchte eine sehr
wirksame Hygienemaßnahme.
Wellpapp-Fanggürtel
Der etwa 20 cm breite Pappgürtel wird Ende
Juni um Stamm und separat um den Pfahl angelegt und mit einem Draht am oberen Ende so
befestigt, daß das untere Ende wie ein Reifrock absteht. Die an Stamm und Pfahl
entlangwandernden Raupen kriechen darunter und kommen nicht weiter. Etwas Mühe macht dann
das rechtzeitige Absammeln der darunter versteckten Schädlinge einmal wöchentlich. Bisweilen
werden sie auch von Vögeln herausgepickt, sodaß die Manschette erneuert werden muß. Die
Gürtel sollten spätestens Ende Oktober entfernt werden. Die Wirkung der im Handel
erhältlichen Fanggürtel beruht darauf, daß die in den Röhren der Wellpappe angebotenen
Schlupfwinkel von den Raupen zur Verpuppung angenommen werden.
Trichogramma-Schlupfwespe
Einfach in der Handhabung und erprobt in der
Wirkung ist der Einsatz der nützlichen Schlupfwespenart Trichogramma (einziger Lieferant
derzeit: Firma Conrad Appel, Darmstadt). Die Wespenweibchen parasitieren die Eier des
Apfelwicklers. Im Ei des Apfelwicklers wächst eine junge Wespe heran und bringt dieses zum
Absterben. Die Ausbringung der Nützlinge erfolgt in Form von Kartontaschen mit Aufhängebügel,
die ungeöffnet aufgehängt werden. Der Nützlingseinsatz muß vor Beginn der Eiablage erfolgen.
Daher ist es nötig, den Flugbeginn der Falter mit einer Duftstoff-Falle festzustellen, damit
die Nützlinge rechtzeitig bestellt werden.
Apfelwickler-Granulosevirus
Schädliche Insekten können auch an einer
Infektion mit Krankheitserregern (Viren, Bakterien, Pilze) zugrunde gehen.
Insekten-Krankheitserreger gehören laut Gesetz zu den Pflanzenschutzmitteln und erfordern
daher die amtliche Zulassung durch die Biologische Bundesanstalt für Land- und
Forstwirtschaft, der umfangreiche Prüfungen über die Wirkung auf Schadorganismen, auf
andere Lebewesen und über das Verhalten in Boden, Wasser und Luft vorausgehen. Zu den
zugelassenen mikrobiologischen Pflanzenschutzmitteln gehört neben dem Bakterium Bacillus
thuringiensis auch das Apfelwickler-Granulosevirus, ein spezifischer Gegenspieler zum
Apfelwickler. Es kommt natürlich in Apfelwicklerlarven vor, wird in ihnen vermehrt, aus
ihnen gewonnen und als Granupom (Hersteller: Neudorff, u.a.) angeboten. Bei Granupom handelt
es sich um ein Viruskonzentrat, das mit Wasser verdünnt wird. Die Viren müssen von den
schlüpfenden Jungraupen mit der Nahrung aufgenommen werden, bevor sich diese in die Früchte
einbohren. Der richtige Anwendungszeitpunkt, die gründliche Benetzung der Blätter und
Früchte und die mehrmalige Ausbringung sind Voraussetzung für die angegebene Wirksamkeit
(80-90%). Zur Ermittlung des günstigsten Anwendungstermins sind die
Apfelwickler-Duftstoffallen hilfreich, die ab Mai aufgehängt werden. Zählt man innerhalb
1 Woche mehr als 5 Apfelwickler, soll 7 Tage danach die erste Behandlung mit dem
Granulosevirus erfolgen. Bei anhaltendem Falterflug sind alle 8 Tage Wiederholungsspritzungen
notwendig. Beides gilt für die erste (Mai/Juni) wie für die zweite Wicklergeneration
(Juli/August). Die Wirkungsdauer des Spritzbelages wird von der UV-Empfindlichkeit des Virus
bestimmt: nach 7-8 Sonnentagen" mit intensiver Einstrahlung wird der Spritzbelag unwirksam
und muß erneuert werden.
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