Pflanzenstärkungsmittel



Jeder Freizeitgärtner bemüht sich darum, dass seine Pflanzen arttypisch und zügig wachsen können, sichere Erträge bringen und möglichst frei von Krankheiten und Schädlingen bleiben. Dabei werden Standortwahl und Sortenfragen berücksichtigt, ebenso wie Aspekte der Bodenpflege und Düngung. Aber kann man darüber hinaus die Pflanzen zusätzlich unterstützen, damit sie wirklich gesund und "stark" bleiben? Wie kann man einem stärkeren Befall durch Schadorganismen begegnen, wenn man keine chemischen Pflanzenschutzmittel einsetzen will und das Angebot an biologischen Mitteln nur begrenzt ist? Der Handel scheint hier Antworten liefern zu können und bietet eine fast unüberschaubare Vielfalt so genannter Pflanzenstärkungsmittel an mit umfangreichen Einsatzmöglichkeiten. Halten diese Produkte das, was sie versprechen?

Inhalt

  Was sind Pflanzenstärkungsmittel?
  Einteilung der Pflanzenstärkungsmittel
  Wirkungen von Pflanzenstärkungsmitteln und Hinweise zur Anwendung
  Versuchsergebnisse, Praxiserfahrungen
  Empfehlungen
  Weiterführende Informationen

Was sind Pflanzenstärkungsmittel ?

Gemäß § 2 Nr. 10 des Pflanzenschutzgesetzes zählen zu den Pflanzenstärkungsmitteln Stoffe, die
  • ausschließlich dazu bestimmt sind, die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegen Schadorganismen zu erhöhen,
  • dazu bestimmt sind, Pflanzen vor nichtparasitären Beeinträchtigungen zu schützen.
Pflanzenstärkungsmittel dürfen dann vertrieben werden, wenn sie in eine Liste des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aufgenommen sind. Die Aufnahme in die Liste setzt voraus, dass ein Mittel bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung oder als Folge einer solchen Anwendung keine schädlichen Auswirkungen hat, insbesondere auf die Gesundheit von Mensch und Tier, das Grundwasser und den Naturhaushalt. Laut Definition darf ein Pflanzenstärkungsmittel also keine direkte, abtötende Wirkung auf Schädlinge oder Krankheitserreger haben, denn sonst muss es als Pflanzenschutzmittel betrachtet werden, was ein teures und aufwändiges Zulassungsverfahren erfordert. Dabei ist eine Abgrenzung von Pflanzenschutz- zu Pflanzenstärkungsmitteln nicht immer ganz einfach. Im Zweifelsfall bleibt die Unterscheidung der Verantwortung des Antragstellers überlassen. Darüber hinaus gibt es in Abhängigkeit von der Wirkungsbeschreibung so genannte Pflanzenhilfsmittel und Bodenhilfsstoffe. Diese Produktgruppen unterliegen dem Düngemittelrecht.

 Nach oben

Einteilung der Pflanzenstärkungsmittel

Entsprechend der Zusammensetzung werden Pflanzenstärkungsmittel im Wesentlichen in vier Kategorien eingeteilt. Dabei kann ein Präparat auch aus Bestandteilen mehrerer Gruppen zusammengesetzt sein.

Pflanzenstärkungsmittel auf anorganischer Basis: Von den Pflanzenstärkungsmitteln auf anorganischer Basis haben viele das zweithäufigste Element der Erdkruste, Silizium, zum wichtigsten Bestandteil. Vor allem sind es Gesteinsmehle sowie Tone, Kieselerde usw. Auch Kreide (Kalziumcarbonat), Tonerde (Aluminiumoxid) und Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) sind in Stärkungsmitteln enthalten und entfalten zum Teil beachtliche Wirkungen.
Beispiele für Präparate: Myco-Sin, Steinhauers Mehltauschreck, Ulmasud B, VULKASAN.

Pflanzenstärkungsmittel auf organischer Basis: Auf organischer Substanz basiert die größte Gruppe an Pflanzenstär-kungsmitteln. Hierzu zählen Algenextrakte, Huminsäuren, Pflanzenextrakte, -aufbereitungen und -öle, Wachse und tierische Produkte.
Beispiele für Präparate: Neudo-Vital, Fungisan RosenpilzSpray, ENVIRepel (Knoblauchpräparat), Milsana (Extrakt aus dem Sachalin-Staudenknöterich), HF-Pilzvorsorge (Pflanzenextrakt mit Hauptbestandteil Fenchel).

Homöopathika: Der Begriff der Homöopathie im Bereich der Humanmedizin dürfte bekannt sein, ebenso wie die Herstellung homöopathischer Mittel. Homöopathische Pflanzenstärkungsmittel basieren jedoch nicht auf einem ein-zelnen Wirkstoff, sondern es sind Komplexmittel mit einer Vielzahl an Wirkstoffen aus mineralischen, pflanzlichen und tierischen Ursprüngen. Die einzelnen Substanzen liegen in verschiedenen Potenzen in einem Präparat vor.
Beispiele für Präparate: BIPLANTOL, GREENGOLD, GRÜNKRAFT, SILPAN.

Mikrobielle Mittel: Relativ jung ist der Bereich der Mittel auf mikrobieller Basis. Hierbei handelt es sich vor allem um Pilze der Gattung Trichoderma sowie um das natürlich vorkommende Bodenbakterium Bacillus subtilis.
Beispiele für Präparate: FZB24, Rhizo Plus, Promot WP, Vitalin-Trichoderma T50.

 Nach oben

Wirkungen von Pflanzenstärkungsmitteln und Hinweise zur Anwendung

Je nach ihrer Zusammensetzung haben die Produkte gemäß den Herstellerangaben verschiedene Wirkungen:
  • Aktivierung von bestimmten der Abwehr dienenden Inhaltsstoffen und Stoffwechselvorgängen und dadurch Erhö-hung der Widerstandsfähigkeit gegen Schadorganismen. Diese Wirkung wird als induzierte Resistenz bezeichnet;
  • Festigung des Pflanzengewebes und Entstehung physikalischer Barrieren durch Einlagerung von Substanzen (z. B. Kieselsäure) in die Zellwände. Dadurch wird das Eindringen von Pilzhyphen erschwert, ebenso werden Schadinsekten, v. a. saugende Arten, bei der Nahrungsaufnahme beeinträchtigt;
  • Bakterien und Pilze, welche die Wurzeln der Pflanzen besiedeln, besetzen Lebensräume, die schädlichen Mikroorganismen dadurch nicht mehr zur Verfügung stehen. Darüber hinaus können sie Substanzen ausscheiden, welche die Konkurrenten hemmen;
  • Aktivierung des Bodenlebens, verstärkter Aufschluss von Nährstoffen und Wirksubstanzen;
  • Verbesserte Bewurzelung;
  • Produktion von hormonähnlichen Substanzen zur allgemeinen Förderung des Pflanzenwachstums. Durch zügigeres Wachstum werden Stadien erhöhter Anfälligkeit schneller durchlaufen.
Fast alle Mittel können ihren Nutzen laut Produzenten nur dann entfalten, wenn die Anwendung frühzeitig, in der Regel vorbeugend erfolgt. Dabei sind oftmals regelmäßige Wiederholungen im 7- bis 14-tägigen Abstand erforderlich. Die Gebrauchsanleitungen enthalten zusätzlich genauere Angaben zu Qualität des Wassers, erforderliche Temperaturen bei der Anwendung, Konzentration und Ausbringungsmenge sowie Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Substanzen.
 Nach oben

Versuchsergebnisse, Praxiserfahrungen

Für die Aufnahme von Pflanzenstärkungsmitteln in die Liste des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist kein Nachweis über die tatsächliche Wirksamkeit zu erbringen. Mit Stand Juli 2008 sind ca. 400 Pflanzenstärkungsmittel gelistet mit einer unüberschaubaren Vielfalt an möglichen Einsatzbereichen. Betrachtet man die teilweise sehr weit gehenden, fast utopischen Versprechungen, sind Zweifel angebracht. So sollen manche Präpa-rate gegen verschiedenartigste Pilzkrankheiten bei fast allen Kulturpflanzen wirken.
Vor allem in jüngerer Vergangenheit wurden deshalb von verschiedener Seite (u. a. Gartenbauliche Forschungseinrichtungen und Versuchsanstalten, Amtlicher Pflanzenschutzdienst, Anbauverbände des ökologischen Landbaus, Biologische Bundesanstalt, Berater und Praktiker) zahlreiche Untersuchungen und Versuche durchgeführt und genauere Beobachtungen angestellt. Für einige Präparate konnten in manchen Anwendungsbereichen sehr gute Erfolge festgehalten werden. Dazu zählen u. a. auch die oben in der Einteilung der Hauptgruppen aufgeführten Präparate. Andererseits liegen Ergebnisse vor, dass dieselben Präparate in anderen Versuchen, bei anderen Kulturen oder Schadorganismen - obwohl ein Nutzen angegeben wird - nur eine unbefriedigende oder gar keine Wirkung zeigten. Negative Effekte wurden nur in seltenen Fällen festgestellt.
Ferner hat sich in mehreren Fällen gezeigt, dass positive Wirkungen vor allem dann erzielt werden konnten, wenn die Standort- und Umweltbedingungen eher ungünstig und die Pflanzen vermehrt Stressbedingungen ausgesetzt waren. Bei günstigen oder fast optimalen Kulturbedingungen war ein zusätzlicher Nutzen oftmals nicht gegeben.
Bei hohem Befallsdruck oder anfälligeren Sorten reicht die Wirksamkeit von Pflanzenstärkungsmitteln in der Regel nicht aus.
 Nach oben

Empfehlungen

Allgemein gültige Empfehlungen für die Anwendung von Pflanzenstärkungsmitteln können nicht ausgesprochen wer-den, zu unterschiedlich sind die Versuchsergebnisse und Erfahrungen. Es gibt scheinbar doch einige Mittel, die ein gewisses Potenzial haben und das Pflanzenwachstum, den Ertrag, das Bodenleben oder die Widerstandsfähigkeit fördern können.
Zu bedenken ist, dass ein Einsatz in der Regel vorbeugend, regelmäßig und zum Teil über einen längeren Zeitraum erfolgen muss. Dadurch werden bei manchen Präparaten 10 bis 15 oder noch mehr Anwendungen erforderlich. Mit der Einstellung, dass auch ein gelegentliches Ausbringen reichen müsste, sollte der Gartenbesitzer den Versuch gar nicht erst starten. Es zeigt sich aber, dass dies in der Praxis kaum einzuhalten ist, da die Wetterverhältnisse oder Zeit-mangel den planmäßigen Einsatz verhindern. Auch sollte der finanzielle Aufwand nicht unterschätzt werden.
Für jeden Pflanzenfreund gilt, dass eine artgerechte Standortwahl, die Verwendung von robusten oder resistenten Sor-ten sowie die Optimierung der Kulturbedingungen und der Pflegemaßnahmen vorrangige Ziele bleiben müssen.
Ob Pflanzenstärkungsmittel dann einen zusätzlichen Nutzen bringen oder helfen können, Probleme zu beseitigen, kann nur über ein Ausprobieren im eigenen Garten und Haus herausgefunden werden.

 Nach oben

Weiterführende Informationen

Die Biologische Bundesanstalt hat eine sehr umfangreiche Datenbank über Pflanzenstärkungsmittel erstellt, die unter http://pflanzenstaerkungsmittel.bba.de kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Dort findet sich u. a. die monatlich aktualisierte Liste mit den registrierten Mitteln und den Adressen der Produzenten bzw. Bezugsquellen. Zu jedem Präparat sind Angaben zur Zusammensetzung, den Einsatzbereichen und Anwendungshinweise enthalten. Ebenso lassen sich alle vorliegenden Informationen über Versuchsergebnisse und Praxiserfahrungen einsehen.
 Nach oben

 Zur Merkblattübersicht
 Zur Homepage des Landesverbandes
 
© Herausgeber: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Oktober 2008)
In Zusammenarbeit mit der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege