Schnitt von Beerenobst



Der Anbau von Beerenobst im Hausgarten bringt viele Vorteile mit sich. Die vielseitige Verwertbarkeit und der hohe Gesundheitswert des Erntegutes oder der gestalterische Aspekt von Beerensträuchern sind nicht zu unterschätzen. Der Platzanspruch ist gering, wodurch auch in kleinen Gärten einige Beerensträucher Platz finden.
Damit der Beerenobstanbau im Hausgarten gelingt und sich die gewünschten Erträge einstellen, ist es notwendig, einige Grundlagen zu Herkunft und Ansprüchen der Beerenobstarten, Bodenbearbeitung, Düngung, Pflege und Pflan-zenschutz, aber vor allem des fachgerechten Schnittes zu kennen. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Schnittmaßnahmen von gängigen Beerenobstarten aufgezeigt.


Inhalt

  Johannisbeeren
  Stachelbeeren
  Jostabeeren
  Himbeeren
  Brombeeren
  Gartenheidelbeeren

Johannisbeeren

Schwarze Johannisbeeren entwickeln die schönsten Früchte am ein- bis zweijährigen Holz, rote und weiße Sorten zusätzlich noch am dreijährigen. Deshalb sollten alle Schnittmaßnahmen darauf ausgerichtet werden, einen möglichst hohen Anteil an jungen, fruchtbaren Trieben, sei es als Bodentriebe oder als Seitentriebe, zu erlangen.

Buscherziehung: Die gebräuchlichste Methode ist die Pflanzung von Büschen in Reihen. Der Abstand in der Reihe beträgt bei Schwarzen Johannisbeeren 2 m, bei roten Sorten 1,8 m und bei den schwächer wachsenden weißen Sorten 1,5 m. Als Reihenabstand sind 2-2,5 m zu wählen. Beim Pflanzschnitt werden schwache Triebe weggeschnitten und bei wurzelnackter Pflanzware die verbleibenden 4-6 Triebe, die späteren Leit- oder Gerüstäste, auf ein Drittel oder die Hälfte eingekürzt. Bei Containerpflanzen schneidet man nur die längsten Triebe an.
Ein gut aufgebauter und gepflegter Johannisbeerbusch sollte jeweils 2-3 ein-, zwei-, drei- und vierjährige Triebe aufweisen, sodass er insgesamt 8-12 Triebe besitzt. Bei schlecht verzweigenden Sorten kann man den jährlichen Zuwachs der Leitäste etwa um ein Drittel zurückschneiden und dadurch die Seiten- und Tragholzbildung anregen. Entscheidend ist, den Strauch durch regelmäßigen Schnitt zur Bildung junger, kräftiger Bodentriebe anzuregen. Von diesen belässt man jährlich 2-3, die man zum Heranziehen neuer Gerüstäste braucht. Dementsprechend nimmt man die ältesten Gerüsttriebe sowie starke, nach innen wachsende, verkahlende und tief nach unten hängende Äste heraus. Ziel ist es, einen locker aufgebauten Strauch zu erhalten, der in einem Zyklus von 3-4 Jahren erneuert wird.

Hecken und Spindelerziehung: Aus dem Erwerbsgartenbau stammende Anbaumethoden sind die 3-Ast-Hecke und die eintriebige Spindel, für die jeweils ein Drahtgerüst notwendig ist. Die Vorteile dieser Verfahren liegen in der Erleichterung sämtlicher Pflegearbeiten und in einer hohen Fruchtqualität. Der Pflanzabstand beträgt bei der Hecke ca. 1,2-1,5 m. Pro Pflanze belässt man drei Gerüstäste, die an die in Höhen von ca. 0,5, 1,0 und 1,5 m gespannten Drähte geheftet werden. Der Pflanzabstand der Spindel ist 0,5 m.
Ziel der Hecken- und Spindelerziehung ist, ausreichend viele einjährige Seitentriebe an den Gerüstästen zu bekommen. Im 2. Standjahr sind es - je nach Wüchsigkeit - 2-4 Fruchttriebe, in der Hauptertragsphase 6-10. Alle überzähligen und abgetragenen Seitentriebe werden auf 2-3 cm lange Stummel zurückgeschnitten, aus denen sich das Fruchtholz für das Folgejahr entwickelt. Ab dem 3.-4. Standjahr muss man mit dem Nachziehen neuer Gerüstäste anfangen, um überalterte Gerüstäste ab dem 5.-6. Jahr ersetzen zu können.
Generell ist als Schnitttermin die Zeit direkt nach der Ernte zu empfehlen. Zu dicht stehende und für den Aufbau des Strauches nicht benötigte Triebe können bereits einige Wochen vor der Ernte entfernt werden, da so die Besonnung der Früchte und die Bildung neuer Blütenknospen gefördert wird.
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Stachelbeeren

Der Pflanzabstand beträgt bei der Buscherziehung 1,2-1,5 m, für Hochstämmchen 1-1,25 m, für 3-Ast-Hecken 1,2- 1,5 m und für die Spindel 0,5 m. Der Pflanzschnitt ähnelt dem der Johannisbeeren: Büschen belässt man 4-6, Hoch-stämmchen 5-8 Triebe, die bei wurzelnackter Pflanzware um ungefähr ein Drittel zurückgeschnitten werden, die übrigen Triebe werden entfernt. Hochstämmchen müssen nach der Pflanzung an einen Pfahl gebunden werden und ab der Zeit der Fruchtreife ein Stützgerüst zum Tragen ihres Fruchtbehanges bekommen.
Der Anbau von Stachelbeeren als Hecke oder als Spindel am Drahtgerüst, wodurch alle Pflegearbeiten an den Pflanzen erheblich erleichtert werden, erfolgt wie bei Johannisbeeren. Selbiges gilt für die Erziehung als Busch.
Ein ausgewachsener Stachelbeerstrauch verfügt über 6-10 Gerüstäste. Überzählige, nach innen wachsende, zu dicht stehende und verkahlende Triebe werden vollständig herausgeschnitten. Stachelbeeren fruchten schon am einjährigen Holz und bevorzugt an vorjährigen Seitentrieben. Deshalb empfiehlt es sich, jährlich den Leitastzuwachs etwas zurückzuschneiden, um die Bildung von Seitentrieben anzuregen. Diese wiederum werden ebenfalls leicht eingekürzt, was die Entstehung von Fruchtholz begünstigt. Durch diese Maßnahmen nimmt zwar der Ertrag etwas ab, dafür die Fruchtqualität zu. Zur Verjüngung werden abgetragene Äste ungefähr alle 5 Jahre durch neue Bodentriebe oder Triebe, die basal aus alten Gerüstästen wachsen ersetzt. Der günstigste Schnittzeitpunkt ist direkt nach der Ernte. Bei der Hecken- und Spindelerziehung werden ebenso wie bei Johannisbeeren zur Fruchtholzbildung die Seitentriebe auf Stummel geschnitten und die Gerüstäste alle 5-6 Jahre erneuert. Zur Vorbeugung gegen den Amerikanischen Stachelbeermehltau empfiehlt es sich, im Herbst alle Triebspitzen um etwa 5 cm einzukürzen.
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Jostabeeren

Da Büsche von Jostabeeren sehr stark wachsen, ist ein Pflanzabstand von 2,5-3 m einzuhalten, um im ausgewachsenen Zustand ein gegenseitiges Beschatten zu vermeiden. Ein Pflanzschnitt der anfangs 3-4 Gerüstäste ist nicht notwendig, weil die Sträucher auf nahezu allen Gartenböden rasch anwachsen und gut gedeihen. Zur vollen Entwicklung eines Strauches gesteht man ihm ab dem zweiten Standjahr zwei weitere Leitäste zu, also insgesamt 5-6. Die Jostabeere trägt sowohl am einjährigen Holz als auch an mehrjährigen Fruchtspießen und verkahlt nicht so stark wie Schwarze Johannisbeeren. Deshalb ist ein regelmäßiges Einkürzen der Gerüstäste und der Seitentriebe nicht notwendig. Hingegen ist ein Entfernen zu dicht stehender Aste, überzähliger Seitentriebe und das Fruchtholz beschattender Zweige vorteilhaft. Ein Verjüngen der Sträucher durch Herausschneiden alter Leitäste und Nachziehen kräftiger Bodentriebe ist erst nach 5-6 Jahren angebracht, alle sonstigen Jungtriebe sind bodennah abzuschneiden.
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Himbeeren

Himbeeren werden, da sie nicht standfest sind, in Reihen am Drahtgerüst gezogen, wobei die Drähte in einer Höhe von 0,7, 1,2 und 1,7 m gespannt sind. Ein Gerüst mit Drahtdoppelreihen erspart in windgeschützten Lagen ein Anbin-den der Ruten und verhindert deren Auseinanderfallen. Der Abstand zwischen den Reihen beträgt 1-1,5 m, innerhalb der Reihe 0,4-0,5 m. Zur Pflanzung schneidet man die Ruten auf 0,3-0,5 m zurück und setzt sie so tief in den gelockerten und mit organischem Material angereicherten Boden, dass die Knospen am Wurzelhals bedeckt sind.
Die Ruten, in deren Seitenachselknospen ab Herbst des Vorjahres die Blütenknospenbildung stattfand und im Sommer die Früchte heranwuchsen, werden nach der Ernte direkt über dem Boden abgeschnitten. Das Gleiche geschieht mit schwachen, krummen Neutrieben, sodass insgesamt nur 8-12 kräftige junge Ruten pro laufenden Meter stehen blei-ben. Im Herbst können zu lange Ruten auf ca. 2 m eingekürzt werden. Dadurch erhöhen sich Standfestigkeit sowie die künftige Fruchtgröße und -qualität. Bei Herbsthimbeeren werden jährlich nach der Ernte alle Triebe bodennah abgeschnitten.
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Brombeeren

Wegen mangelnder Standfestigkeit der Brombeerruten erfolgt die Pflanzung ähnlich wie bei Himbeeren an Spalieren oder Drahtgerüsten. Der Pflanzabstand beträgt bei rankenden, stark wachsenden Sorten 3-4 m, bei aufrecht wachsen-den 1,5-2 m. Nach der Pflanzung schneidet man die Ruten auf etwa 20-30 cm zurück.
Die aus den bei der Pflanzung mit ca. 5 cm Boden abgedeckten Knospen des Wurzelhalses kommenden Triebe wer-den fächerförmig am Gerüst verteilt und an die Drähte geheftet. Von enormer Bedeutung ist der Sommerschnitt: Die aus den Blattachseln wachsenden Seitentriebe (Geiztriebe) werden auf kurze Zapfen zurückgeschnitten. Dies ist im Laufe des Sommers mehrmals zu wiederholen, um zum einen die Bildung des berüchtigten Brombeergestrüpps zu vermeiden. Zum anderen gehen aus den verbleibenden Knospen der eingekürzten Seitentriebe im nächsten Jahr üppige Blütenstände hervor, aus denen sich große, leicht zu pflückende Beeren entwickeln. Eine andere Variante ist das einmalige Zurückschneiden der Seitentriebe im August auf einen kurzen Stummel von ca. 10 cm mit 2 Augen. Die abgetragenen Ruten werden ebenso wie erfrorene Triebe im zeitigen Frühjahr am Wurzelhals abgeschnitten und beseitigt, zu lange Ranken sind um ungefähr ein Drittel einzukürzen. Als Folge dieser Schnittmaßnahmen sollte jede Pflanze 4-6, maximal 8 Ruten besitzen.
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Gartenheidelbeeren

Für Heidelbeeren sollte der Boden humusreich, feucht und gut durchlüftet sein und einen pH-Wert im Bereich 3,5-5 aufweisen. Als Abstand zwischen den einzelnen Sträuchern sind 1,2-1,5 m zu wählen. Die Pflanzen dürfen nur so tief gesetzt werden, dass der Wurzelballen gerade noch mit Substrat bedeckt ist. Für einen zufrieden stellenden Anbau ist der Standortfaktor Boden bei weitem wichtiger als die regelmäßigen Schnittmaßnahmen.
Ein Pflanzschnitt ist nicht notwendig und, da Heidelbeeren relativ langsam wachsen, in den ersten Jahren auch kein weiterer Schnitt. Beim späteren Überwachungs- und Verjüngungsschnitt entfernt man vergreiste, abgetragene Triebe direkt über dem Boden. Dadurch wird ein Neuaustrieb aus dem Wurzelstock gefördert. Durch das regelmäßige Erset-zen älterer Triebe kann man eine Fruchtholzrotation erreichen, die über Jahre hinweg einen gleich bleibenden Ertrag sichert. Ein Strauch sollte ungefähr 6-8 Triebe haben, die nicht älter als drei Jahre sind. Neue und junge Triebe bleiben unbeschnitten. Auch wenn Kulturheidelbeeren selbstfruchtbar sind, wird der Ertrag durch die Nachbarschaft von zwei oder drei Pflanzen, am besten zweierlei Sorten, gesteigert.
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (2008)