Wildgehölze - Nutzen und Verwendung

Bäume und Sträucher prägen aufgrund ihrer Beständigkeit und Größe unsere Gärten und Siedlungen. Ihre Auswahl muss daher sorgfältig erfolgen. Fremdländische Gehölze und deren Zuchtformen haben im Siedlungsbereich ihren festen Platz in der Gestaltung und sind dort auch berechtigt. Trotzdem sollte verstärkt auf einheimische Wildgehölze zurückgegriffen werden. Als Wildgehölze sind alle jene Arten und Formen anzusehen, die sich ohne direkten oder indirekten Einfluss des Menschen über längere Zeiträume in einem bestimmten Gebiet hinweg entwickelt und dort auf Dauer Fuß gefasst haben. Sie besitzen vielfältigen Zierwert und Nutzen. Vor allem aber bieten sie der einheimi-schen Tierwelt einen vortrefflichen Lebensraum. Die Auswahl ist groß genug, so dass sich für fast jeden Zweck eine geeignete Art finden lässt.

Inhalt

  Vielfältiger Nutzen der Wildgehölze
  Große ökologische Bedeutung
  Eigenschaften von ausgewählten Wildgehölzen und Hinweise zu ihrer Verwendung

Vielfältiger Nutzen der Wildgehölze

Gegenüber fremdländischen Ziergehölzen weisen heimische Bäume und Sträucher eine Vielzahl an Vorzügen auf, die für eine verstärkte Verwendung sprechen. Sie sind:
  • dekorativ, abwechslungsreich: Zierende Blütensträucher sind z. B. Heckenrose, Ho-lunder, Schneeball oder Hartriegel. Fruchtschmuck weisen Berberitze, Pfaffen-hütchen und Eberesche auf. Hinzu kommt oftmals eine attraktive Herbstfärbung. Ab-wechselnder Blüten-, Laub- und Fruchtschmuck lassen die Jahreszeiten erleben.
  • selten, etwas Besonderes: Standardexoten wie Forsythien oder Weigelien sind schön, aber überall anzutreffen. Wildgehölze werten als Besonderheit die Umgebung auf und verleihen eine persönliche Note.
  • gesund, unempfindlich, entspannend: Durch ihre Anspruchslosigkeit und Wider-standsfähigkeit gegen Schaderreger ist der Pflegeaufwand geringer. Weniger Pflege und Probleme lassen dem Gartenbesitzer mehr Zeit für Ruhe, Erholung und Ent-spannung.
  • preiswert: Pflanzware einheimischer Gehölze ist in fast allen Fällen billiger als Zucht-formen gleicher Größe. Vor allem bei Bedarf an mehreren Pflanzen sind somit deut-liche Einsparungen möglich. Auch die eigene Vermehrung ist in der Regel einfach und kostengünstig.
  • lebendig, lehrreich: Zum abwechslungsreichen Aussehen der Pflanzen kommt eine reichhaltige Tierwelt hinzu. Vor allem Kindern wird die Möglichkeit gegeben, vor der eigenen Haustüre interessante Naturbeobachtungen anzustellen, Natur zu erleben und damit Verständnis für natürliche Zusammenhänge zu entwickeln.
  • verwertbar für Ernährung und Gesundheit: Die Verwendung verschiedener Pflanzen-teile von Wildgehölzen zur Bereicherung des Ernährungsplanes sowie zur Vorbeu-gung und Behandlung mancher Krankheiten war früher weit verbreitet. Diese zwischenzeitlich in Vergessenheit geratene Wissen wird heute wieder mehr beachtet. Die Früchte von Brombeeren, Holunder, Schlehe, Eberesche und anderen können zu Marmelade, Gelee, Saft oder Likör verarbeitet werden. Die Blätter vieler Arten kön-nen als Tee verwendet werden. Hagebutten und Sanddorn besitzen einen sehr hohen Gehalt Vitamin C-Gehalt. Viele Wildfrüchte zeichnen sich darüber hinaus durch ein charakteristisches Aroma aus.

    Nicht übersehen werden darf aber die Ungenießbarkeit oder Giftigkeit einiger Arten. Besonders giftig sind Pfaffenhütchen, Seidelbast, Heckenkirsche, Faulbaum oder Ei-be. Wildapfel, Holunder, Holzbirne oder Berberitze sind erst durch Kochen oder an-dere Aufbereitungsformen genießbar.

 
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Große ökologische Bedeutung

Einheimische Pflanzenarten sind lebensnotwendig für die heimische Fauna, da Pflanzen und Tiere durch die Evolution aufeinander eingespielt und aneinander angepasst sind. Wildgehölze sind wichtige Futterquellen für zahlreiche Käfer, Bienen, Schmetterlinge ebenso wie für Säugetiere und vor allem Vögel. In einigen Fällen, wie z. B. bei den Rau-pen bestimmter Schmetterlingsarten, ist die Spezialisierung so weit fortgeschritten, dass die jeweilige Pflanzenart die einzige Nahrungsquelle darstellt. Zudem bieten Wildge-hölze Unterschlupf, Versteck und Brutmöglichkeiten.
 
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Eigenschaften von ausgewählten Wildgehölzen und Hinweise zu ihrer Verwendung

Deutscher Name
Botanischer Name
Höhe
in m
Blütemonat
Blütenfarbe
Standortansprüche - Licht
Standortansprüche - Boden
Bemerkung
Gemeine Felsenbirne
Amelanchier ovalis
1-3 4-5
weiß
sonnig-halbschattig
mager, trocken, kalkliebend
Blauschwarze, beerenartige Früchte ab Juli, essbar; auffallend orange-scharlachrote Herbstfärbung; Vogelnähr- und -nistgehölz
Gemeine Berberitze
Berberis vulgaris
2-3 5-6
gelb
sonnig (-halbschattig)
mager, trocken, kalkliebend
Roter Fruchtschmuck ab September, dauerhaft bis teilweise Frühjahr, essbar, Vogelnahrung; Vogelschutzgehölz; Herbstfärbung
Kornelkirsche
Cornus mas
3-5 (2-) 3-4
gelb
sonnig-halbschattig
trocken-lehmig, durchlässig
Dekorative, langanhaltende frühe Blüte, wertvolle Bienenweide;rote Früchte, Vogelnahrung, essbar, Gelee, Saft; langsamwüchsig
Roter Hartriegel
Cornus sanguinea
3-4 5-6
weiß
sonnig, Schatten vertragend
sandig-tonig, eher kalkhaltig
Robust; attraktive Blüte, Herbstfärbung, Früchte; wertvoll für Bienen, Vögel, Säugetiere; konkurrenzstark, als Heckenpflanze
Haselnuss
Corylus avellana
3-5 (2-) 3-4
gelb, rot
sonnig-schattig
eher frisch, humos, kalkliebend
Robust; Blüte und Früchte besonders wertvoll; vielseitig verwendbar; schnellwachsend; lässt sich auf den Stock setzen
Pfaffenhütchen
Euonymus europaeus
3-5 5-6
grünweiß
sonnig-schattig
lehmig-tonhaltig, kalkliebend
Auffällige Herbstfärbung; auffallender Fruchtschmuck, wird schnell von Vögeln, v. a. Rotkehlchen verzehrt; für Menschen giftig
Sanddorn
Hippophae rhamnoides
2-5 4-5
braun
sonnig
mäßig trocken-frisch, mager
Zierende orange Früchte, Vitamin C-reich, für Saft, Marmelade; Blüten zweihäusig; Ausläufer bildend
Gemeiner Liguster
Ligustrum vulgare
2-4 6-7
weiß
sonnig-schattig
fast alle Böden
Schwarze Beeren, Vogelnahrung, für Menschen giftig; Blätter lang anhaftend, teilweise wintergrün; gut schnittverträglich, Hecken
Rote Heckenkirsche
Lonicera xylosteum
1-3 5-6
gelb-weiß
(sonnig-) halbschattig-schattig
locker, feucht, kalkreich
Ab Juli rote Beeren, Vogelnahrung, schwach giftig, bitter; äußerst wertvoll für viele, z. T. spezialisierte Schmetterlinge, Säugetiere
Wildapfel
Malus sylvestris
3-9 5-6
weiß-rosa
sonnig-halbschattig
sandig-lehmig, nährstoffreich
Nahrungslieferant für viele Insekten und Nagetiere; langsamwüchsig; nur in der Jugend stockausschlagsfähig
Steinweichsel
Prunus mahaleb
3-6 4-5
weiß
sonnig
trocken, steinig, kalkhaltig
Duftende Blüten, Bienenweide; Veredelungsunterlage für Sauerkirschen; breitausladend, langsamwüchsig
Schlehe, Schwarzdorn
Prunus spinosa
1-3 4-5
weiß
sonnig (-halbschattig)
fast alle Böden, nährstoffreich
Zahlreiche schwarze Früchte, erst nach Frost genießbar, vielfältig verwertbar; Vogelschutzgehölz; wertvoll für Schmetterlinge
Echter Kreuzdorn
Rhamnus catharticus
3-5 5-6
gelbgrün
sonnig-halbschattig
trocken-frisch, durchlässig
Dornige Zweige; schwarze, bitter schmeckende Beeren;Vogelnähr- u. v. a. Schutzgehölz; bedeutend für Schmetterlinge
Alpenjohannisbeere
Ribes alpinum
1-2 4-5
grüngelb
(sonnig)-halbschattig-schattig
lehmig, humos, nährstoffreich
Dunkelrote, lang haftende Früchte, Vogelnährgehölz; wichtige Unterwuchspflanze, verträgt Wurzelkonkurrenz; schnittverträglich
Hundsrose
Rosa canina
1-3 6-7
hellrosa
sonnig, schattenverträglich
frisch, humos, tiefgründig
Kurze, aber überreiche Blüte, angenehmer Duft; Hagebutten eiförmig, scharlachrot, Vitamin C-reich, verwertbar; Vogelschutz
Weinrose
Rosa rubiginosa
2-3 6-7
hellrosa
sonnig-halbschattig
trocken, lehmig, kalkliebend
Blüten mit angenehmen Duft; Hagebutten eiförmig orange- bis scharlachrot, lang haftend, verwertbar; Blätter riechen nach Obst
Apfel-Rose
Rosa villosa
1-2 (5-) 6-7
rosarot
sonnig-halbschattig
sandig, trocken
Auffallend große, kugelige Hagebutte, ziegelrot, schmückend;Blätter im Frühsommer aromatisch duftend
Ohr-Weide
Salix aurita
1-3 3-4
gelb
sonnig-halbschattig
nährstoffarm, feucht, kalkarm
Auffallend dünne, fein verästelte Zweige; frühe Bienenweide; Ausläufer treibend
Salweide
Salix caprea
3-7 3-4
gelb-grün
sonnig-halbschattig
frisch-feucht, nährstoffreich
Weiter ökologischer Spielraum; frühe Bienenweide; schnellwüchsig; schnittverträglich
Schwarzer Holunder
Sambucus nigra
3-8 (5-) 6-7
weiß
sonnig-halbschattig
frisch, lehmig, nährstoffreich
Blüten- und Fruchtschmuck; Nahrung für viele Tierarten, v.a. Vögel; vielseitig verwertbar; Früchte im rohen Zustand giftig
Roter Holunder
Sambucus racemosa
2-4 4-5
gelb-grün
(sonnig-) halbschattig (-schattig)
frisch, lehmig, kalkarm
Auffallend schöne rote Beeren, im rohen Zustand ungenießbar;sehr anpassungsfähig
Mehlbeere
Sorbus aria
6-12 5-6
weiß
sonnig-halbschattig
sandig, locker, kalkliebend
Schöner Blüten- und Fruchtschmuck; bedeutend für Vögel und Bienen; Hausbaum; langsamwüchsig
Eberesche, Vogelbeere
Sorbus aucuparia
5-12 5-6
weiß
sonnig-schattig
frisch, humos, schwach sauer
Anpassungsfähig, anspruchslos; zierende Blüte; auffälliger Fruchtbehang, Nahrung für sehr viele Vogelarten; vielfältige Verwertung
Wolliger Schneeball
Viburnum lantana
2-5 (4-) 5 (-6)
weiß
sonnig, Schatten vertragend
trocken, durchlässig, kalkhaltig
Blütenzierde; rote, später schwarze, zierende Früchte; gelbe bis rote Herbstfärbung; dichter Wuchs, Sichtschutz, Vogelschutz
Gemeiner Schneeball
Viburnum opulus
2-5 5-6
weiß
sonnig-halbschattig
feucht-nass, nährstoffreich
Blütenzierde; auffällig glänzend-rote Früchte, lange anhaftend; Herbstfärbung auffällig orange-rot; große ökologische Bedeutung

 
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2002)