Wildkraut ist der weniger negativ besetzte Name für Unkraut - der Begriff, der immer noch am weitesten verbreitet sein dürfte. Unabhängig von der Namensgebung handelt es sich um lästige, unerwünschte Pflanzen, die der Gartennutzer gerne beseitigen möchte. Da aber im Freizeitgartenbereich möglichst auf chemischen Pflanzenschutz und somit auch auf Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) verzichtet werden soll, müssen Bekämpfungs-Alternativen gesucht werden. Eine besteht z. B. darin, die Hausapotheke und den Speiseplan mit Wildkräutern zu ergänzen, da einige von ihnen - wie der Giersch - wertvolle Heilpflanzen und Vitamin-Lieferanten sind. Leider kann man aber gar nicht so viel zu sich nehmen, um alle Bestände im Garten spürbar zu reduzieren.
Die wichtigsten hartnäckigen Wildkräuter werden im Merkblatt botanisch charakterisiert und anschließend erfolgt eine Beschreibung von Bekämpfungsmaßnahmen und deren Erfolgsaussichten, die überwiegend auf Ergebnissen von Experten des Arbeitskreises "Umweltgerechter Pflanzenbau und Pflanzenschutz in Haus und Garten" beruhen.
Inhalt
Giersch oder Geißfuß
Acker-Kratzdistel
Acker-Winde und Zaun-Winde
Quecke
Schachtelhalm
Wildkrautbekämpfung auf Wegen, Plätzen und Zufahrten
Wildkräuter und Kompostierung
Giersch oder Geißfuß (Aegopodium podagraria)
Der Giersch trägt als zweiten Namen auch Geißfuß, was sich in seinem botanischen Namen widerspiegelt (aigopódes, griechisch = ziegenfüßig). Der Artname podagraria deutet auf seine Heilwirkung gegen Gicht (Podagra) hin. Giersch ist eine ausdauernde, 30-100 cm hoch werdende Pflanze mit 10-20-strahligen weißen Doldenblüten, wobei die aus ihnen hervorgehenden Samen für die Vermehrung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Für die massive Ausbreitung und schwere Bekämpfbarkeit sind vorrangig die langen, bis 50 cm tief vordringenden unterirdischen Ausläufer verantwortlich. Bevorzugt tritt er auf nährstoffreichen, ausreichend feuchten, humosen Böden auf, d. h. er findet in den meisten Gärten ideale Bedingungen vor und wird dort zur Plage.
- Hacken macht nur Sinn, wenn man wirklich alle abgehackten Teile absammelt, da diese andernfalls sofort wieder anwachsen und neue Pflanzen bilden.
- Herausziehen ist nicht effektiv, da Wurzeln und Ausläufer abreißen und aus den stecken bleibenden Reststücken wieder ganze Pflanzen entstehen.
- Ausgraben ist aufwändig und mühsam, da wegen deren enormen Austriebpotentials alle unterirdischen Pflanzenteile erfasst werden müssen. Bei konsequenter täglicher Wiederholung ist dies die einzige Ausrottungsmöglichkeit.
- Mulchen allein ist nicht besonders wirksam, jedoch erleichtert es zumindest die anderen mechanischen Bekämpfungsmethoden, da es den Boden feucht und locker hält.
- Folienabdeckung: Der Einsatz von Mulchfolie innerhalb einer Vegetationsperiode ist nicht zufrieden stellend.
- Gründüngung/Konkurrenzpflanzen: Storchschnabel und Frauenmantel können Giersch schwächen.
Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense)
Von den vielen Distel-Arten ist die Acker-Kratzdistel eine der unbeliebtesten Vertreterinnen. Sie ist ausdauernd, wird bis zu 150 cm hoch, wurzelt rund 50 cm tief und bildet zahllose waagrecht wachsende, meterlange Wurzelausläufer, aus denen wiederum grüne Triebe hervorgehen. Acker-Kratzdisteln sind i. d. R. zweihäusig, da zwar männliche und weibliche Blüten vorhanden sind, aber auf einer Pflanze jeweils ein Geschlecht verkümmert ist. Aus den Blüten entwickeln sich innerhalb weniger Tage 4000-5000 Samen, die neben Wurzelteilen und Ausläufern für ein immenses Verbreitungspotential sorgen. Deswegen sind Disteln in jedem Fall zu entfernen, bevor sie in Samen gehen.
- Hacken führt dazu, dass aus abgetrennten, nicht entfernten Reststücken ein Neuaustrieb erfolgt.
- Herausziehen ist kaum möglich, da man meist nur die oberen Wurzelteile erwischt und aus den unteren neue Pflanzen heranwachsen. Erfolg stellt sich nur bei konsequenter Wiederholung der Maßnahme ein.
- Ausgraben wird häufig mit Hilfe eines Distelstechers praktiziert, hat aber auch zur Folge, dass wegen der begrenz-ten Länge des Stechers die unteren Wurzelteile im Boden verbleiben und neu austreiben. Deswegen ist ein ständiges Wiederholen des Ausgrabens nötig.
- Mulchen ist kaum wirksam, begünstigt aber wegen höherer Feuchte das langsame Herausziehen ganzer Wurzeln.
- Folienabdeckung ist sinnvoll, wenn man UV-beständige, reißfeste und nicht fransende Mulchfolien verwendet. Aus ästhetischen Gründen kann man die Folie mit ansprechenderen Materialien abdecken.
- Gründüngung: Mit Gründüngungspflanzen ist eine Unterdrückung der Disteln möglich.
Acker-Winde (Convolvulus arvensis) und Zaun-Winde (Calystegia sepium)
Die Acker-Winde ist ausdauernd, wird 20-100 cm hoch, blüht von Mai bis Oktober weiß, rosa oder weiß-rosa gestreift, hat einen kahlen Stängel und mehrere Meter tief reichende Wurzeln sowie einige Meter lang werdende Sprossausläufer. Sie wächst auf der Bodenoberfläche kriechend und umschlingt dabei andere Pflanzen links windend. Aufgrund ihrer Ausläuferbildung kann sie sich weit ausbreiten und ganze Flächen in Besitz nehmen. Selbst aus kleinen Teilstücken entwickeln sich neue Pflanzen.
Die Zaun-Winde ist ebenfalls ausdauernd, aber mit bis zu 3 m Höhe deutlich größer als die Acker-Winde. Sie bildet nicht ganz so tief gehende Wurzeln aus, jedoch auch reichlich Ausläufer, aus denen immer wieder neue Pflanzen hervorgehen. Die reinweißen Blüten erscheinen von Juni bis Oktober.
- Hacken: Man muss frühzeitig mit dem Hacken beginnen und es regelmäßig und konsequent fortsetzen. Die abgehackten Teile sind vollständig zu entfernen, da sich aus ihnen sonst wieder neue Pflanzen entwickeln.
- Herausziehen hat nur Erfolg, wenn zum einen der Boden ausreichend feucht ist, so dass sich Wurzeln und unterirdische Ausläufer leicht lösen, und zum anderen, wenn man es mehrfach wiederholt. Abgerissene, im Boden verbleibende Stücke wachsen nach kurzer Zeit wieder an.
- Ausgraben: Das Wachstum der Winden kann durch tiefes Ausgraben immerhin verzögert werden.
- Mulchen: Alle bisherigen Versuche haben keine bzw. nur eine geringe Wirksamkeit gezeigt.
- Folienabdeckung: Das Abdecken der mit Winden befallenen Flächen mit einer Mulchfolie für die Dauer einer Vege-tationsperiode Gründüngung: Das Einsäen von Gründüngungspflanzen als Konkurrenz zu den Winden bringt keinen Erfolg.
Quecke (Elymus repens)
Die Quecke ist eine ausdauernde Vertreterin aus der Familie der Süßgräser, flach wurzelnd und mit weit streichenden unterirdischen Ausläufern (Rhizome), die bis in 25 cm Tiefe vordringen können - manche Autoren berichten sogar von 80 cm. Bevorzugte Standorte sind dichte, feuchte, nährstoffreiche Böden. Obwohl die Samen bis zu 10 Jahre lang im Boden lebensfähig sind, so erfolgt die Ausbreitung doch überwiegend vegetativ, d. h. über die Ausläufer. Sie sind in der Lage, innerhalb einiger Wochen mehrere Quadratmeter zu durchwachsen.
- Hacken: Eine Bekämpfung durch Hacken ist zwar möglich, aber man muss dabei sicherstellen, dass alle zerhackten Rhizomteile entfernt werden.
- Herausziehen der Quecke führt allenthalben zu Teilerfolgen und auch nur dann, wenn der Boden ausreichend feucht und locker ist.
- Ausgraben ist mühevoll, aber durchaus effektiv, insbesondere wenn es sich um leichte Böden handelt.
- Mulchen bringt dann Erfolg, wenn man vorher schon Wurzeln und Rhizome weitgehend beseitigt hat und die Quecken dann in die lockere Mulchschicht wachsen, aus der sie sich besser herausziehen lassen.
- Folienabdeckung: Ähnlich wie beim Mulchen muss die Fläche vor der Folienausbringung schon "behandelt" worden sein. Aus ästhetischen Gründen kann man die Folie mit ansprechenderen Materialien abdecken.
- Gründüngung: Das Einsäen von Gründüngungspflanzen als Konkurrenz zur Quecke bringt keinen Erfolg.
Schachtelhalm (Equisetum arvense)
Der Acker-Schachtelhalm gehört ebenso wie Farne einer uralten Pflanzenabteilung an, deren Vertreter zur generativen Vermehrung keine Samen, sondern Sporen ausbilden. Aufgrund seines hohen Kieselsäure-Gehaltes wurde er früher zum Reinigen und Polieren von Metalloberflächen verwendet - daher auch sein weit verbreiteter Name Zinnkraut. Neben dieser positiven Eigenschaft ist er jedoch im Garten als Konkurrenz zu den Kulturpflanzen als äußerst unange-nehm einzustufen, weil er ein dicht verzweigtes Wurzelgeflecht und Ausläufer bildet, die bis in 2 m Tiefe reichen.
- Hacken bringt kaum etwas, da Schachtelhalm sofort wieder nachwächst - man müsste es ständig wiederholen.
- Herausziehen ist dann eine gute Maßnahme, wenn es tatsächlich konsequent und vielfach wiederholt wird.
- Ausgraben führt dazu, dass man wegen der großen Wurzel- und Ausläufertiefe meist nur die oberen Teile erfasst, wohingegen aus den Reststücken in der Tiefe wieder neue Pflanzen hervorgehen. Auf jeden Fall erreicht man aber dadurch, dass sich das Nachwachsen verlangsamt.
- Mulchen bleibt ohne erkennbare Wirkung.
- Folienabdeckung: Mit geeigneten Folienmaterialien, die UV-beständig, reißfest und nicht fransend sind, lassen sich akzeptable Unterdrückungserfolge erzielen.
- Gründüngung: Zur Gründüngung als Bekämpfungsmaßnahme liegen keine verwertbaren Erfahrungen vor.
Wildkrautbekämpfung auf Wegen, Plätzen und Zufahrten
Die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf Freilandflächen, die nicht landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, ist nur mit einer Genehmigung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zulässig. Zu diesen gehören auch Verkehrsflächen jeglicher Art wie Straßen-, Wege-, Hof- und Betriebsflächen. Des-wegen bietet sich in diesen Fällen der Einsatz von Drahtfugenbürsten, Abflamm- und Heißwasserdampf-Geräten an.
Wildkräuter und Kompostierung
Samen-, Wurzel- und Ausläufer-Wildkräuter sollten nicht kompostiert werden, da die Pflanzen bzw. Pflanzenteile und Samen bei den meist geringen Temperaturen im Gartenkompost im Gegensatz zu gewerblich erzeugtem Kompost (hohe Temperaturen über einen ausreichend langen Zeitraum) nicht zuverlässig abgetötet werden.
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