Vitamine im Winter

Eine vollwertige und abwechslungsreiche Ernährung mit viel frischer Kost ist die Grundlage für eine gesunde Ernährung. Da es im Winter an frischen Zutaten aus dem Garten weitgehend fehlt, sind selbstgezogene Keimlinge und angetriebene Kräuter, Zwiebelschlotten, die Treiberei von Löwenzahn und Chicorée Möglichkeiten, die tägliche Ernährung mit wertvollen Vitaminen zu ergänzen. Die Kultur ist einfach, die Verwertung in der Küche vielseitig und das Angebot an Samen zur Keimlingszucht verleitet zum Experimentieren. Nachfolgend einige Ideen, wie Sie den Speiseplan in der vitaminarmen Jahreszeit bereichern können.

Inhalt

  Petersilie, Wurzelpetersilie, Schnittlauch und Pastinake
  Chicorée und Löwenzahn zum Treiben
  Steckzwiebeln
  Keimlinge und Grünkräuter selber ziehen
  Samen zur Anzucht
  Keimgeräte - Anbau in Hydrokultur
  Verwendung in der Küche

Petersilie, Wurzelpetersilie, Schnittlauch und Pastinake

Sie sind zweifellos die beliebtesten Kräuter zum Treiben und liefern am Fensterbrett in Töpfen oder Schalen frisches Grün zum Würzen. Petersilie wird mit möglichst großem Ballen ausgegraben und in nährstoffhaltiger Blumenerde in einem Topf mit mindestens 12-13 cm Durchmesser weiterkultiviert. Bei ausreichender Feuchtigkeit und viel Licht, bei Zimmertemperatur und einer Flüssigdüngung alle 2 Wochen bilden sich neue Herzblätter. Nach 2-3 Ernten sind die Pflanzen meist erschöpft. Ein Auspflanzen in den Garten lohnt nicht mehr, da die Pflanzen im zweiten Standjahr rasch Blüten treiben. Besonders würzig schmecken die glattblättrigen Sorten. Für Blattgrün von der Wurzelpetersilie gräbt man die Wurzeln im Herbst aus, pflanzt sie in Töpfe, die man im Freien einschlägt, und holt sie nach Bedarf zum Treiben ins Warme.

Beim Schnittlauch ist ein Neuaustrieb dann zu erwarten, wenn die Pflanze voll eingezogen hat und das Laub abgestorben ist. In diesem Ruhezustand sind ausreichend Nährstoffe im Wurzelballen eingelagert, eine Voraussetzung dafür, daß Schnittlauch erneut kräftig durchtreibt. Bereits im Oktober werden die Ballen ausgegraben, von Erde befreit und zum Durchtrocknen und Ausfrieren im Freien belassen. Die Reservestoffe wandern aus dem absterbenden Laub in die verdickten Klauen ab und neue Triebe werden angelegt. Ab Ende Mai teilt und setzt man die Wurzelballen in ausreichend große Töpfe und holt sie ins Haus. Handwarmes Gießwasser bricht die Winterruhe und regt die vorgeprägten Triebe zum Wachstum an. Nach einer 2- bis 3maligen Ernte der Schnittlauchröhren werden die gebrauchten Ballen geteilt und im Frühjahr wieder in den Garten ausgepflanzt.

Pastinakwurzeln sind frostunempfindlich und können den Winter über bei milder Witterung aus dem Freiland geerntet werden. Neben der Wurzel kann auch das würzige Grün verwendet werden. Dazu gräbt man einige Wurzeln aus und pflanzt sie in Töpfe, die mit nährstoffreicher Erde gefüllt werden, so ein, daß die eingesunkene Rübenschulter noch herausschaut. Daraus wächst frisches Grün.
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Chicorée und Löwenzahn zum Treiben

Wer im April Chicorée und Löwenzahn ausgesät, ihre Wurzeln im Mai ausgegraben und im Einschlag zwischengelagert hat, der kann sie ab Dezember antreiben. Man stellt die Wurzeln dicht an dicht in einen lichtundurchlässigen Eimer, füllt mit 2-3 Handvoll Komposterde auf, gießt kräftig an und dunkelt die Gefäß- öffnung mit schwarzer Folie oder einem zweiten Eimer, der darüber gestülpt wird, ab. Die Kultur wird anschließend an einen warmen Platz gestellt: Keller oder Heizungsraum, Waschküche oder Flur. Bis zur Ernte benötigt das Wachstum der neuen Sprosse 4-6 Wochen.
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Steckzwiebeln

Sie sind eine gute Alternative für die Liebhaber würzigen Schlottenlaubes. Die Zwiebeln erhält man im Samenfachhandel. Zur Anzucht füllt man eine Schale mit Erde und steckt sie hinein. Bei Zimmertemperatur und mit etwas Feuchtigkeit beginnen die grünen saftigen Schlotten zu treiben und können geerntet werden.
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Keimlinge und Grünkräuter selber ziehen

Samen sind besonders gesund, da in ihnen Vorräte eingelagert sind, die die heranwachsende Pflanze benötigt: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Mineralstoffe. Läßt man Samen keimen, werden die Nährstoffe aktiviert, die Samen bekömmlich, leicht verdaulich und zu hochwertigen Gesundheitsspendern: Stärke wird in den gut verdaulichen Traubenzucker umgewandelt, der die Weizenkeime angenehm süß schmecken läßt. Eiweißstoffe werden in einzelne Aminosäuren zerlegt, die Fette mit Hilfe von Sauerstoff abgebaut und leichter verdaulich, Mineralstoffe für den menschlichen Stoffwechsel besser verwertbar und der Vitamin- und Ballaststoffgehalt wird erhöht. Samen, die gerade ausgekeimt haben, werden als Keimlinge bezeichnet. Grünkräuter (z.B. Kresse) haben unter Lichteinfluß bereits ihre ersten grünen Blätter entfaltet.

Bezug von Saatgut

Eine Vielzahl von Samen, speziell für die Keimlingszucht, ist im Samenfachhandel, in Naturkostläden und Reformhäusern erhältlich. Der Samen muß gesund, frei von Konservierungs- oder Beizmitteln und gut keimfähig sein. Zerbrochene Samen stören den Keimvorgang ebenso wie ein hoher Anteil nicht keimender Samen: sie bleiben steinhart, faulen leicht und verderben den Geschmack.
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Samen zur Anzucht

Getreidearten Weizen (K, G), Roggen (K, G), Hafer (K, G), Gerste (K, G), Hirse (K)
Hülsenfrüchte Adzuki-, Mungo-, Sojabohne (K), Kichererbsen (K), Erbsen (K), Linsen (K), Luzerne (Alfalfa) (G), Bockshornklee (K, G)
Sonstige Ruca (Salatrauke) (G), Senf (K, G), Kresse (K, G), Buchweizen (K, G), Rettich (K, G), Sesam (K), Sonnenblumen (K, G)
(K = geeignet als Keimling, G = geeignet als Grünkraut)
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Keimgeräte - Anbau in Hydrokultur

Inzwischen gibt es spezielle Keimgeräte, in denen die Anzucht von Keimlingen und Grünkräutern problemlos und ohne großen Aufwand funktioniert. In Geräten mit mehreren durchsichtigen Saatschalen, deren Boden durchlöchert ist, lassen sich gleichzeitig Keimlinge verschiedenster Art und Altersstufen heranziehen. Dadurch steht kontinuierlich erntereifes Keimgut für den Verzehr zur Verfügung. Besonders wenn Keimlinge zu Grünkräutern heranwachsen sollen, sind mehrstöckige Geräte mit Saatschalen das beste Anzuchtverfahren.

So geht man Schritt für Schritt vor:

  • Samen in die Keimschalen (nicht zu dicht) einfüllen. Zerbrochene, verfärbte und leere Körner aussortieren. Mit Wasser übergießen. Oben eingefülltes Wasser läuft durch alle Schalen, spült die Samen durch und fließt in die untere Auffangschale.
  • Das Anzuchtgefäß an einen warmen, nicht zu sonnigen Platz aufstellen. Zweimal täglich, morgens und abends, den Spülvorgang wiederholen. Dabei werden die Samen jeweils mit Sauerstoff und frischem Wasser versorgt. überschüssiges Wasser fließt stets durch die Perforierung der Keimschalen in die untere Auffangschale. Stauende Nässe und damit auch Schimmeln und Faulen der Keimlinge werden vermieden. Zum Ankeimen des Samens ist direktes Sonnenlicht zu vermeiden. Nach Sichtbarwerden der jungen Keimlinge stellt man die Saatschalen an einen hellen Platz. Licht wird vor allem zur Blattbildung (Chlorophyll) benötigt - wenn die Keimlinge also zu Grünkräutern heranwachsen sollen - und fördert auch den Gehalt an Inhaltsstoffen.
  • Der Erntezeitpunkt ist Geschmacksfrage: Je jünger die Keimlinge sind, desto milder und nussiger ist ihr Aroma. Später schmecken sie kräftig und herb. Wer zwischendurch vom frischen Grünzeug probiert, kommt am ehesten auf den als angenehm empfundenen Geschmack. Vor dem Verzehr die Keimlinge noch einmal unter fließendem, möglichst heißem Wasser spülen. Dies bringt nur einen geringen Vitaminverlust, entfernt aber den möglichen Besatz an schädlichen Keimen. Die Saatschalen nach Gebrauch gründlich mit Essigwasser reinigen.
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Verwendung in der Küche

Keimlinge und Grünkräuter werden als Salat oder Brotbelag verzehrt, als Würze über Salate und Gemüsegerichte gestreut oder in Suppen kurz vor dem Servieren zugefügt. Keimlinge von Getreide eignen sich gut zur Verwertung in Müslis, Obstsalaten und Quarkdesserts. Zum Kennenlernen streut man sie zunächst in kleinen Portionen über die gewohnte Kost.
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© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Mai 2000)