Wühlmäuse im Garten



Die Große Wühlmaus (Arvicola terrestris) kann durch das Benagen und Fressen von Wurzeln, Rhizomen, Knollen und Zwiebeln im Zier- und Nutzgarten erheblichen Schaden anrichten. Besonders junge Obstgehölze und hier vor allem Apfelbäume auf schwach wachsenden Unterlagen sind gefährdet. Die Schäden entstehen dabei meist unbemerkt im Winter. Sie werden erst entdeckt, wenn die Gehölze im Frühjahr kaum oder gar nicht mehr austreiben bzw. Welkeerscheinungen zeigen. Die Pflanzen lassen sich dann oft sehr leicht aus dem Boden ziehen. Die Seitenwurzeln sind abgenagt, die Hauptwurzeln am Ende rübenartig zugespitzt. Sie weisen paarige, rillenartige Nagespuren auf.

Inhalt

  Aussehen und Lebensweise der Großen Wühlmaus, Unterschiede zum Maulwurf
  Unterscheidungsmerkmale zwischen Wühlmaus- und Maulwurfbau
  Allgemeine Bekämpfungshinweise
  Bekämpfung mit Fallen - Befallsermittlung, Fallentypen, Hinweise zum Fallenstellen
 

Aussehen und Lebensweise der Großen Wühlmaus, Unterschiede zum Maulwurf

Die Große Wühlmaus ist über fast ganz Europa verbreitet. Die Körperlänge beträgt zwischen 12 und 23 cm. Der behaarte Schwanz ist etwa halb so lang wie der Körper. Die Färbung des Felles ist variabel zwischen sandfarben braun, rotbraun, graubraun und schwarz bis schwarzbraun. An den Seiten und auf der Bauchseite treten bevorzugt hellere Farben auf. Der Kopf ist kurz und dick mit stumpfer Schnauze. Die Ohren sind klein und fast völlig im Pelz versteckt. Ihre Gänge gräbt die Wühlmaus vor allem mit den großen Nagezähnen, die schwachen Vorderfüße spielen dabei kaum eine Rolle.
Die Vermehrung findet von März/April bis September/Oktober statt. Das Weibchen bringt dabei 3-4 Würfe mit durchschnittlich 4-5 Jungen zur Welt. Die Tiere des ersten Wurfes werden noch im selben Jahr geschlechtsreif. Wühlmäuse sind tag- und nachtaktiv und halten keinen Winterschlaf. An die Erdoberfläche kommen sie nur zur Wanderung und Paarung, selten zur Nahrungsaufnahme. Jedes Gangsystem wird in der Regel nur von einem Tier bewohnt, da das Männchen nur sehr kurze Zeit beim Weibchen bleibt und sich auch die jungen Wühlmäuse bald selbst einen neuen Bau anlegen müssen. Dies führt zu einer schnellen Ausbreitung des Schädlings.
Schäden durch Wühlmäuse dürfen aber nicht dem Maulwurf angelastet werden. Dieser kann zwar durch seine Grabetätigkeit ebenfalls unangenehm werden. Er ist aber ein reiner Insektenfresser, der auch viele schädliche Bodentiere vertilgt und keine Gefahr für die Kulturpflanzen darstellt. Da der Maulwurf durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt ist, darf er nicht getötet werden. Man wird ihn selten zu Gesicht bekommen. Bei genauerer Betrachtung der ausgeworfenen Erdhaufen und des Gangsystems lassen sich einige charakteristische Unterschiede zwischen dem Vorhandensein von Wühlmäusen bzw. dem Auftreten von Maulwürfen erkennen.

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Unterscheidungsmerkmale zwischen Wühlmaus- und Maulwurfbau

 WühlmausMaulwurf
Erdhaufenflach, fladenförmig, in Größe und Form unregelmäßig, mit Gras- und Wurzelresten durchsetzt, von der Seite angeschoben, Spatenprobe: Gang liegt seitlichauffällig hoch und rundlich, von der Mitte vulkanartig aufgeworfen, gleichmäßig geformt, regelmäßige Abstände, ohne Pflanzen- und Wurzelreste, Spatenprobe: Gang endet mittig
Gangformim Querschnitt deutlich hochoval, 6-9 cm hoch, 5-6 cm breitim Querschnitt mehr rundlich bis queroval, kleiner, 5-6 cm breit, 4-5 cm hoch
Gangwandglatt, fest, genagt, Abdrücke der Nagezähne erkennbar, säuberlich abgefressene Pflanzenwurzelnglatt, fest, Kratzspuren der Vorderfüße (schaufelartig geformt) erkennbar, hineinragende Wurzeln sind nicht abgenagt
GangsystemGänge liegen in der Regel nicht tiefer als 30 cm im Boden, Gesamtlänge 50 m, ein Teil der Seitengänge endet blind mit mehreren Vorratskammernin verschiedenen Tiefen verlaufend, ungeordnet, Gesamtlänge oft über 100 m, ausgepolstertes Nest, keine Vorratskammern
Reaktion nach Öffnung des Gangsystemsinnerhalb weniger Stunden, Kontrolle der Öffnung, diese wird zugeschoben, Stelle wird seitlich umgrabenerst nach mehreren Stunden oder gar Tagen, Öffnung wird gelegentlich nicht zugeschoben, Stelle wird untergraben
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Allgemeine Bekämpfungshinweise

Zu den wichtigsten natürlichen Feinden der Wühlmaus gehören die Wieselarten, Iltis, Marder, Fuchs, Eulen (insbesondere die Schleiereule), Greifvögel (z. B. der Mäusebussard) und natürlich Katzen. Sie können beispielsweise gefördert werden durch das Aufstellen von Sitzstangen als Ansitz für Greifvögel, Schaffen von Einflugöffnungen in Scheunengiebeln für Schleiereulen und Aufschichten von Steinhaufen als Unterschlupf für Wiesel.

In gefährdeten Lagen ist das Gras niedrig zu halten sowie eine hohe Mulchschicht vor dem Winter zu entfernen. Fallobst stellt ein zusätzliches Nahrungsangebot dar und ist daher restlos zu beseitigen.
Bei der Neupflanzung von Gehölzen, speziell Obstbäumen, sind die Pflanzgruben mit einem verzinkten Drahtgeflecht (Maschenweite 16 mm) auszukleiden. Der Drahtkorb muss dabei auch oben am Wurzelhals verschlossen werden. Für Zwiebel- und Knollenpflanzen sind im Fachhandel spezielle Gittertöpfe oder Körbe erhältlich. Als Pflanztermin ist das Frühjahr anzuraten, da sich die Wühlmäuse auf im Herbst gesetzte Pflanzen konzentrieren.

Maßnahmen zum Vertreiben der Wühlmäuse mit Hilfe von Schallwellen, Vibrationen oder Ultraschallwellen erzeugt durch Klappermühlen, eingegrabene Flaschen oder ähnliches haben sich in zahlreichen Versuchen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes als nicht wirksam erwiesen. Oft empfohlene Abwehrpflanzen wie Kaiserkrone, Wolfsmilch oder Knoblauch haben höchstens in unmittelbarer Nachbarschaft eine bedingte Abweiswirkung.
Köderpräparate mit blutgerinnungshemmendem Wirkstoff werden oft verwühlt oder von der Wühlmaus in ihren Vorratskammern eingelagert. Bis zum Verzehr ist die Wirkung dann unter Umständen nicht mehr gegeben.
Aus Boden-, Umwelt- und Anwenderschutzgründen ist jegliche Begasungsmethode im Garten abzulehnen mit Ausnahme der Kohlendioxidanwendung, die jedoch auch mit größerem Aufwand und vor allem Kenntnissen verbunden ist.

Damit ist als beste und zugleich umweltfreundliche Bekämpfungsmaßnahme der Einsatz von Fallen zu empfehlen. Sie erfordert zwar Geduld und etwas Übung, lässt sich aber von jedem erlernen und kann eine große Wirkung erzielen.

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Bekämpfung mit Fallen - Befallsermittlung, Fallentypen, Hinweise zum Fallenstellen

Die besten Bekämpfungszeiträume sind der Spätherbst, solange der Boden offen ist und die Tiere weniger Nahrungsalternativen finden, sowie das zeitige Frühjahr, bevor die Vermehrung beginnt.

Vor dem Fallenstellen ist natürlich erst zu ermitteln, ob das Gangsystem bewohnt ist. Dies erfolgt mittels einer so genannten Verwühlprobe. Diese soll im Randbereich durchgeführt werden, also nicht dort wo die größten Erdhaufen sind. Neben möglichst neueren Auswürfen wird der Boden auf kreisförmigen Bahnen mit einem Suchstab, der eine birnenförmige Spitze aufweist, abgetastet. Ist ein Gang getroffen, sinkt der Stab ruckartig ein. Dann wird der Gang auf einer Länge von 30 cm mit dem Spaten oder einem Grabemesser geöffnet und ein Köder hineingelegt. Ist eine Wühlmaus aktiv im Gang, so wird sie die Öffnung spätestens nach drei Stunden verschließen, bei kühler Witterung erfolgt dies am schnellsten. Bleibt die Öffnung nach längerer Zeit unverschlossen, ist das Gangsystem nicht bewohnt.

Im Fachhandel sind verschiedene Fallentypen erhältlich. Grundsätzlich ist zu unterscheiden in Kastenmodelle, die dicht abschließend vor den geöffneten Gang gestellt werden, und Drahtfallen, die in den Gang geschoben werden. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, ob die Falle nur einseitig oder beidseitig fängig ist. Als neuere Art wird eine Rohrfalle angeboten, die senkrecht in den Gang gestellt wird, beidseitig fängig, leicht zu handhaben ist sowie ebenfalls gute Erfolge zeigt. Abzulehnen sind Lebendfallen. Werden diese nicht in kurzen Abständen kontrolliert, geht das Tier in ihnen meist qualvoll zugrunde.
Alle Fallen sind mit einem frischen Köder zu belegen. Möhren- und Selleriestückchen werden von Wühlmäusen besonders geliebt, es eignen sich jedoch ebenso Apfel- oder Kartoffelteile.
Neue und frisch geölte oder gefettete Fallen sowie menschlicher Geruch schrecken ab. Die Fallen sind daher gründlich mit Erde einzureiben und für einige Zeit der Witterung auszusetzen. Bei der Handhabung sind mit Erde eingeriebene Handschuhen zu verwenden.

Mit die größten Erfolge können mit der Bayerischen Drahtfalle (siehe Abbildung) erzielt werden, sofern einige Hinweise beachtet werden. Die Falle ist grundsätzlich in ein geradlinig verlaufendes Gangstück einzulegen (gilt auch für andere Fallentypen). Der Großring muss fest an der Gangwand anliegen. Schon bei geringstem Widerstand weicht die Wühlmaus der Falle aus. Um dies zu verhindern, sind besonders in lockerer Erde die Gangwände im Fallenbereich mit dünnen Brettchen oder einem Tonrohr zu befestigen. Die Falle muss mindestens 20 cm tief in den noch ungeöffneten Gang geschoben werden. Die Falle wird erst grob gestellt, dann durch leichtes Drehen des Abzuges äußerst fein. Unter die Spannfeder wird ein fester Erdklumpen oder ein Rasenstück gelegt. Wenn man sie darin zusätzlich fest eindrückt, ist gleichzeitig auch die Falle gut verankert.
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© Herausgeber: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (2002)