An der Schwelle zum Herbst: Erträge des Sommers ernten, lagern und konservieren
Der Übergang zwischen Sommer und Herbst und ist der ideale Zeitpunkt, um nach der getanen Arbeit der letzten Monate, die Erträge zu ernten und für die kältere Jahreszeit vorzusorgen.
In den Gärten ist mit gereiften Beeren, erstem Kernobst und einer Vielfalt an Gemüse aktuell noch Hochsaison. Nicht alles wird direkt verbraucht und es stellt sich die Frage, wie Obst und Gemüse so schonend wie möglich konserviert und gelagert werden, damit wertvolle Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Wir haben hier ein paar Tipps, wie sich der Sommer am besten im „Glas“ oder im Keller bewahren lässt.
Der richtige Erntezeitpunkt
Eine erfolgreiche Lagerung beginnt bereits bei der Ernte. Bei Gemüse hat die Erntezeit direkten Einfluss auf die Qualität. Hierfür bieten sich vor allem kühle Abende nach einem sonnigen Tag an, denn dann ist das Aroma am intensivsten, der Vitamingehalt am höchsten und der Nitratgehalt am niedrigsten. Grundsätzlich raten wir stets bei trockenem Wetter zu ernten.
Beim Obst muss zwischen Baumreife und Genussreife unterschieden werden. Während Beeren und frühe Sorten vollreif gepflückt werden sollten, erreichen Winteräpfel und -birnen (wie Boskoop oder Alexander Lucas) ihre Genussreife erst nach einer gewissen Lagerphase. Früchte sind baumreif, wenn sich beim vorsichtigen Anheben und Drehen der Frucht der Stiel leicht vom Ast löst. Druckstellen am Obst sollte man dabei unbedingt vermeiden, da diese Lagerfäulnis begünstigen. Auch braun gefärbte Kerne sind ein sicheres Zeichen für die Erntereife.
Vorbereitung für das Lager: Schneiden oder Drehen?
Bevor Gemüse ins Lager wandert, sollte es auf keinen Fall gewaschen werden, denn Feuchtigkeit begünstigt die Ausbreitung von Schimmel. Bei Karotten, Rettichen, Sellerie und Pastinaken muss das Laub komplett abgedreht werden, da die Blätter den Rüben sonst Feuchtigkeit entziehen. Bei Roten Rüben, Schwarzwurzeln und Chicorée empfehlen wir hingegen, das Grün etwa daumenbreit stehen zu lassen. Kohlarten werden am besten mit Strunk und den schützenden Außenblättern eingelagert.
Das Einmaleins der Einlagerung: Nicht zusammen!
Die gemeinsame Lagerung von Obst und Gemüse sollte vermieden werden. Reifendes Obst verströmt das unsichtbare Reifegas Ethylen. Dieses Gas beschleunigt den Alterungsprozess von Gemüse maßgeblich. Es gilt also Obst und Gemüse getrennt zu lagern. Wurzelgemüse kann in einem kühlen, dunklen und gut zu lüftenden Keller (ideal sind 3 bis 5 °C bei 70 bis 80 % Luftfeuchtigkeit) in Kisten mit feuchtem Sand eingeschichtet werden. Für Äpfel und Birnen eignet sich die Folienlagerung in beispielsweise dünnen Gefrierbeuteln (0,03 bis 0,05 mm). Nach zwei Wochen im Beutel reichen zwei kleine Nadelstiche pro 2 kg Obst aus, um überschüssiges Kohlendioxid entweichen zu lassen und die Früchte monatelang frisch zu halten.
Konservierungsmethoden
Soll die Ernte langfristig haltbar gemacht werden, bieten sich bewährte Verfahren an:
Trocknen: Kräuter bei ca. 20-28 °C in einem dunklen, gut belüfteten Raum, Obst bei 30 bis 50 °C z. B. in einem solarbetriebenen Dörrgerät.
Tiefgefrieren: Ideal für Beeren. Gemüse kann vor dem Einfrieren kurz blanchiert und kalt abgeschreckt werden.
Fermentieren: Das Einlegen von z.B. gehobeltem Kohl oder geraspelten Möhren mit Salz setzt eine Milchsäuregärung in Gang. Das Gemüse wird haltbar, bekömmlich und ist eine absolute Wohltat für die Darmflora.
Wichtiger Hinweis für das Konservieren in Öl oder Essig: Das Bundeszentrum für Ernährung rät dringend davon ab, selbst erzeugte Produkte wie Gemüse und Kräuter in Öl oder Essig auf Vorrat herzustellen und zu lagern, v. a., wenn sie nicht ausreichend erhitzt oder nicht zum Kochen und Braten verwendet werden, sondern für Salate und rohe Speisen. Einlegen in Essig und Öl reicht zum Haltbarmachen im privaten Haushalt nicht aus.
Auch wenn sich der Sommer in absehbarer Zeit allmählich dem Ende zuneigt: Die aktuellen Erträge trösten über den Abschied hinweg. Mit ein wenig Aufwand lassen sich die Mühen der vergangenen Monate konservieren. Wer jetzt noch etwas zusätzliche Zeit investiert, kann bis zum nächsten Frühjahr die Ergebnisse dieser Arbeit genießen.