2021 – Gartentipp 06 – Gehölzschnitt – jetzt ist die optimale Zeit dafür!

Im laublosen Zustand lässt sich der Wuchs der Obst- und Ziergehölze gut erkennen. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie erklären, warum der Spätwinter eine gute Zeit für den Baum- und Strauchschnitt ist.
Schnittmaßnahmen sind wichtige Pflegemaßnahmen für die Pflanzengesundheit. Sie halten die Gewächse vital und fördern den Austrieb.

Warum ein Gehölzschnitt?

Zier- und Beerenobststräucher bilden ohne Schnitt vergreiste, verkahlende Triebe, dichte Stöcke und weniger Blüten. Bei jährlichem Schnitt erfolgen die Eingriffe moderat. Das Gehölz behält eine günstige Struktur, üppige Blütenpracht und verbesserte Fruchtqualitäten.
Für einen locker aufgebauten Strauch lichtet man vor allem im Inneren aus. Dabei werden ältere, dicke, aber auch kranke, hoch geschossene und zu schwache Triebe direkt über dem Boden abgeschnitten. Zu lange, bogig überhängende Teile werden am besten über einer tiefer liegenden Verzweigung zurückgenommen. Generelles Einkürzen aller oder zu langer Triebe würde eine starke Neutriebbildung und eine dichte Verzweigung an den Strauchspitzen auslösen. Früchte mit guter Größe und Qualität erhält man beim Beerenobst, wenn die Sträucher noch vor der Blüte gut ausgelichtet sind, dafür jedoch kräftige ein- bis dreijährige Triebe besitzen.

Gehölzschnitt nicht früher

Viele Sträucher besitzen einen schönen Fruchtschmuck, der auch über den Winter an den Pflanzen verbleibt. Die oft farbigen Beeren zieren die kahlen Zweige. Die Früchte dienen aber auch den heimischen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle in der kargen Zeit. In einem Naturgarten findet man häufig mehrere fruchtragende Gehölze.
Größere Schnittwunden an Bäumen können Eintrittspforten für Pilze und Bakterien (z.B. Obstbaumkrebs, Bakterienbrand, Rotpustelkrankheit). Findet der Schnitt bereits von November bis Januar statt, steigt die Befallsgefahr, da die Wunden über den Winter, also mehrere Monate, nicht heilen. Auch Frost wirkt auf die Wunden ein und kann diese stärker schädigen. Zudem können der Knospen nahe der Schnittstelle erfrieren oder austrocknen. Bei späteren Schnittzeitpunkten stehen die Gehölze bereits „im Saft“ und können Infektionen besser abwehren.
Nur wenige Ziersträucher benötigen einen stärkeren Schnitt. Hierbei werden im März die letztjährigen Triebe, die noch Blütenreste enthalten, auf einen Stummel mit drei bis fünf Augen zurückgenommen. Zu dieser Gruppe gehören z.B. Sommerflieder, Blauraute, Bartblume und Zwergspiere.

Gehölzschnitt nicht zu spät

Große Schnitteingriffe an Bäumen, Sträucher und vor allem Hecken dürfen nach dem 28. Februar nicht mehr durchgeführt werden. Dies gilt für das „auf Stock setzen“ sowie das komplette Entfernen der Pflanzen. Das Auslichten, der fachgerechte Rückschnitt oder der Formschnittschnitt sind hingegen erlaubt. In diesem Fall sollten Sie Hecken und Ziersträucher bis Mitte März schneiden, bevor Vögel ihre Nester bauen. Sie werden sonst auf der Suche nach Nistmöglichkeiten oder beim Nestbau in Hecken, Bäumen und Sträuchern gestört.
Sie wollen veredeln? Jetzt ist der allerletzte Zeitpunkt für das Schneiden der Edelreiser gekommen, da bald der Saftanstieg und Austrieb der Gehölze erfolgt.

(Bilder: Christine Scherer, Hubert Siegler sowie Isolde Keil-Vierheilig © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/264533/index.php

2021 – Gartentipp 05 – Wir warten auf das Frühjahr – Gartenarbeiten im Februar

Noch mitten im Winter können wir den Frühling kaum erwarten. Gerade weil der Lockdown uns immer noch fest in Griff hat, wünschen wir uns Betätigung draußen im Garten. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie geben Tipps für die Gartenarbeiten im Februar.
Witterungsbedingt sollte klar sein, dass nicht alle Arbeiten zu jeder Zeit durchführbar sind. Und doch kann man sich auch bei widrigen Zeiten gut mit dem Garten beschäftigen.

Der Garten im Februar

Viburnum bodnantense

Chimonanthus praecox

Nicht überall ist es grau und trist. Gehen Sie mit offenen Augen durch den Garten. Erste Winter- und Vorfrühlingsblüher zeigen ihre Knospen und Blüten. Ganz unten in Bodennähe blühen Winterling, Schneeglöckchen und Vorfrühlings-Alpenveilchen. Und auch Duft liegt in der Luft: zitronenartig riechen die cremeweißen Blüten der Winter-Heckenkirsche Lonicera purpusii. Ebenfalls duftende Blüten besitzen die Chinesische Winterblüte Chimonanthus praecox, der Winterschneeball Viburnum x bodnantense ‘Dawn‘ und der Duftschneeball Viburnum farreri. Und das war noch nicht alles. Welche Blüten entdecken Sie in Ihrem Garten? Gehölze und Gräser zeigen in der laublosen Zeit ihre Wuchsstruktur. Bei Schnee kommt diese stärker zu Geltung.
Der versierte Gemüsegärtner erntet auch im Winter noch. So steht ganz hoch im Kurs der Feldsalat. Ihn können Sie nach Bedarf schneiden. Unter Vlies stehen oft noch Zuckerhut und Radiccio. Sind die unansehnlichen Blätter entfernt, hat man noch feste kleine Köpfe. Auch Lauch, Rosen- und Grünkohl bereichern den Speiseplan. Brauchen Sie Lagergemüse wie Möhren, Rote Bete und Kürbis auf.

Wenn es das Wetter zulässt……

Bei trockener Witterung und die Temperaturen nicht unter minus fünf Grad liegen können Sie mit dem Rückschnitt beginnen. Herbsthimbeeren schneiden sie bis zum Boden ab. Damit besteht keine Gefahr der Ansteckung durch die Himbeerrutenkrankheit. Schneiden Sie wenige Zentimeter über der Erde, treiben verbliebene Augen bald aus und blühen für die Ernte ab August bereits im Juli. Auch Kernobst- und Beerenobst, falls nicht gleich nach der Ernte geschehen, bekommen nun ihren Rückschnitt. Für eine reiche Traubenernte ist der jährliche Rebschnitt jetzt wichtig. Entfernen Sie immer auch Fruchtmumien an den Obstgehölzen. So reduzieren Sie den pilzlichen Infektionsdruck für die neue Saison.
Auch wenn der eigentliche Rosenschnitt erst im März oder April erfolgt, können Sie jetzt dicke vergreiste Triebe von Strauchrosen, die mit Moos oder Flechten bewachsen sind, komplett oder bis auf wenige Zentimeter entfernen. Schlafende Augen werden schon zum Austrieb angeregt. Starke Schnittmaßnahmen und „auf Stock setzen“ von Hecken und anderen starkwachsenden Gehölzen sollten aus Naturschutzgründen bis Ende Februar beendet sein.
Beginnen Sie langsam den Rückschnitt von Stauden und Gräsern, wenn milde Temperaturen angesagt sind. Lassen Sie jedoch Schnitt-Material in Reichweite liegen, das eventuell als Kälteschutz für die Neuaustriebe dienen kann.
Schützen Sie Immergrüne vor Wintersonne und kalten Winden mit Strohmatten oder ähnlichem. Gießen Sie bei Trockenheit und nicht gefrorenem Boden. Die grünen Blätter und Nadeln verdunsten auch in der kalten Jahreszeit Wasser.
Sobald der Boden abgetrocknet ist, können Umpflanzaktionen von Gehölzen und Stauden sowie Neupflanzungen erfolgen. Baumscheiben werden aufgehackt und von Bewuchs befreit. Moose und Flechten können von alten Baumstämmen abgebürstet werden. Nistkästen werden spätestens jetzt gereinigt bzw. zusammen mit Insektenhotels neu aufgehängt

Und was sonst noch?

Begutachten Sie Ihre Kübelpflanzen und achten Sie auf Schädlinge. Der Rückschnitt sowie das Umtopfen in neue Kübelpflanzenerde fördern zusammen mit einem helleren Standort ein kräftiges Austreiben.
Paprika und Chili sowie Aubergine und Artischocke haben eine lange Anzuchtdauer, weshalb die Aussaat an der Fensterbank schon im Februar beginnt. Tomaten sät man erst Mitte März, Zucchini, Kürbis und Gurken noch viel später.
Lust auf frisches Grün? Ganz schnell geht es mit der Aussaat von Kresse auf der Fensterbank. Nach einer Woche lassen sich die würzigen grünen Blättchen verwenden.
Nutzen Sie außerdem die ruhige Zeit, um in Zeitschriften, Saatgutkatalogen und Gartenbüchern zu schmökern, um sich Ideen für die neue Saison zu holen. Machen Sie den Aussaat- und Pflanzplan für den Gemüsegarten und besorgen Sie sich das Saatgut.

(Bilder: Christine Scherer sowie Marianne Scheu-Helgert © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/263928/index.php

2021 – Gartentipp 04 – Die Stechpalme – zauberhaft den ganzen Winter

Erinnern Sie sich noch an die roten Weihnachtskugeln am Baum? Die Zweige der Stechpalme mit den derben grünen Blättern und roten Früchten bieten diese Zierde in kleiner Form den ganzen Winter. Immergrüne Pflanzen sind in der laublosen Zeit besonders reizvoll.

Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie stellen die Stechpalme vor, denn die heimische Stechpalmen-Art Ilex aqulifolium wurde zum Baum des Jahres 2021 ernannt. Schon fast verschwunden, haben sich die Wildvorkommen in Deutschland wieder etwas erholt.

Porträt der Stechpalme

Ilex aquifolium ist die in Mitteleuropa heimische Art. Man findet sie als schwächer wachsenden Waldbaum auf leicht sauren bis neutralen und nicht zu trockenen Böden. Durch die Bildung von Wurzelschossen breitet sich die Pflanze im Unterholz von Buchenwäldern aus. Somit eignet sich die Stechpalme, auch Hülse genannt, besonders für halbschattige und schattige Bereiche. In sehr kalten Gebieten kommt die sie nicht vor, da die Pflanze besonders in ihrer Jugendzeit frostempfindlich reagiert. Optimal für das Wachstum sind milde Winter und ausreichend hohe (Sommer-)Niederschläge. Man könnte meinen, dass der Klimawandel dem zähen Ilex zugute kommt. Doch die für die Stechpalme gefährlichen Spätfröste nehmen zu. Und ganz oft ist die lange Sommertrockenheit in vielen Gebieten ein großes Problem.

Dunkelgrüne, ledrige und stechende Blätter, die das ganze Jahr an der Pflanze verbleiben sind ein wesentliches Merkmal. Die ganze Pflanze ist giftig, doch nicht für Vögel. Die (meist) roten Früchte an den weiblichen Pflanzen sind ein willkommenes Futter im Winter. Bienen erfreuen sich an den recht unscheinbaren weißlichen Blüten im Mai. Besonders viel Pollen besitzen die Blüten der männlichen Pflanzen.

Stechpalmen im Garten

In Parks und Gärten findet man Ilex als Ziergehölz. Doch dort ist stehen weniger die heimische Art, vielmehr andere immergrüne Arten mit unterschiedlichen Blattformen, Wuchsgrößen und Wuchsformen. Mal ist die Stechhülse ein prägendes Solitärgehölz, mal kann sie als Heckengehölz verwendet werden. Sorten des stadtklimafesten Ilex crenata (Japanische Hülse) können Sie an geeigneten Standorten als Buchsersatz pflanzen. Diese besitzen kleinere Blätter und vertragen auch einen Formschnitt gut.

Neben den Sorten mit dunkelgrünen Blättern zieren andere mit goldgelben oder weißen Panaschierungen (Färbungen). Auch sind die Blätter der Stechhülsen nicht immer dornig. Viele Arten bzw. Sorten besitzen glattrandiges Laub.

Wünschen Sie üppigen Fruchtschmuck als Zierde im Garten? Dann bedenken Sie beim Einkaufen der Pflanzen, dass Ilex zweihäusig ist. Nur weibliche Pflanzen bilden die Früchte in rot, braun oder schwarz, wozu aber eine männliche Pflanze als Bestäuber erforderlich ist.

Nicht nur das Klima mit Frösten und Trockenheit schränkt die Pflanzungen im Garten ein, entscheidend ist auch der Boden. Dieser sollte leicht sauer sowie humos, nährstoffreich und durchlässig sein. Weißt er einen hohen pH-Wert auf, entstehen Chlorosen (Blattaufhellungen). Bei Einzelpflanzungen sind Bodenverbesserungen möglich.

(Bilder: Christine Scherer © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/263570/index.php

2021 – Gartentipp 03 – Winterportulak – frisches Grün im Winter

Frisches vitaminreiches Grün auf dem Teller auch in der kalten Jahreszeit? Das geht mit dem Winterportulak. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie stellen das wenig bekannte Blattgemüse vor.
Während viele Wintergemüse wie Kohl und Möhren aus dem Lager kommen, werden die grünen Blätter des Winterportulak stets frisch geerntet. Noch frischer kommen sie aus dem eigenen Garten.

Ein Blattgemüse mit vielen Namen

Als Postelein, Kuba-Spinat und Tellerkraut tritt der Winterportulak ebenfalls in Erscheinung. Sein botanischer Name lautet Claytonia perfoliata (oder auch Montia perfoliata). Der Winterportulak gehört zur Familie der Quellkrautgewächse. Zum Namensvetter Sommer-Portulak, der ebenfalls als Blattgemüse verwendet werden kann, besteht übrigens keine Verwandtschaft.
Der Geschmack der Blätter ist eher etwas nussig und säuerlich. Sie lassen sich, ebenso wie die zerkleinerten dünnen Blattstiele, als Salat oder Komponente in Mischsalaten, beispielsweise mit Feldsalat verwenden. Aber auch pur auf dem Butterbrot oder im Quark findet Postelein Liebhaber. Salat gedünstet? Mit dem Kuba-Spinat ist es möglich. Er lässt sich dann wie richtiger Spinat verwerten. Und zu Smoothies können Sie das frische Grün ebenfalls beifügen.
Da es sich beim Winterportulak um ein Blattgemüse handelt, ist eine Lagerung nur kurzzeitig möglich. Frisch geschnittene Blätter bleiben nur wenige Tage im Kühlschrank frisch. Wer aber auf den Geschmack gekommen ist, schätzt künftig den eigenen Anbau im Garten – an Frische nicht zu übertreffen.

Winterportulak aus dem Garten

Die Anbaumöglichkeiten des Winterportulaks sind vielfältig: sei es im Gartenbeet, im Kleingewächshaus oder in Hochbeeten und größeren Gefäßen/Kisten. Voraussetzung ist ein feinkrümeliger Boden, denn die Samen sind sehr fein. Sie werden mit einem Reihenabstand von etwa 10 bis 20 und einer Reihentiefe von etwa einem halben Zentimeter gesät. Die Aussaat erfolgt im September und Anfang Oktober. Eine Einsaat im Gewächshaus ist noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Somit eignet sich der Winterportulak wunderbar als Nachnutzung auf freien Beeten. In Kombination mit Feldsalatanbau im Gewächshaus haben Sie über die kalte Jahreszeit hinweg stets frisches Grün.
Die Ernte beginnt, je nach Aussaat, ab November. Schneiden Sie die fächerförmigen Blättchen auf den langen Stielen etwa einen Zentimeter über der Erde ab. Schon bald treibt die Pflanze aus dem „Herz“ nach. Bis zu viermal ist eine Ernte vor der Blüte möglich.
Auch wenn der Winterportulak Kälte gut verträgt, decken Sie die Pflanzen bei Kahlfrösten besser mit Vlies ab. Bei stärkeren Minusgraden färben sich die Blätter rötlich und verhärten. Bei Temperaturen um fünf Grad beginnt erneutes Wachstum des Kuba-Spinates.
Ab März bilden sich Blüten. Dann heißt es schnell nochmals ernten oder Samen gewinnen. Lässt man die Samen reifen, säen sie sich leicht selbst aus. Dies könnte schnell zu einem unkontrollierten „Unkraut“ werden. Sie können die Samen aber auch gezielt ernten. Färben sich die ersten Samen dunkel, schneiden Sie die ganze Pflanze ab und hängen Sie diese luftig in einem Netzchen auf. Die Samen reifen nach und fallen in das feine Netz. So erhalten Sie eigenes Saatgut für den nächsten Herbst.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/262882/index.php

2021 – Gartentipp 02 – Auf in ein neues Gartenjahr!

Im letzten Jahr hat so mancher seine Lust am Garten entdeckt. Nicht nur die Betätigung im Freien, auch die Teil-Selbstversorgung erfährt einen großen Aufwind. Nutzen Sie jetzt die Zeit für die Gartenplanung, raten die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.

Die freien Zeiten während des Lockdowns in der Corona-Pandemie sind gut geeignet, um sich intensiv mit dem kommenden Gartenjahr zu beschäftigen. Dies macht Lust auf den Frühling und Sommer im eigenen Garten.

Gartenplanungen und Informationen finden

Im tristen und kalten Winter sehnt man sich nach erwachendem und frischem Grün, nach saftigem Obst und Gemüse. Doch eine gründliche Vorbereitung ist wichtig. Möchten Sie größere Umgestaltungen vornehmen? Denken Sie nicht nur an sich, sondern auch an andere Lebewesen. Verwenden Sie Blühpflanzen, die Nahrung für Bienen oder andere Insekten sind. Eine gut durchdachte Staudenfläche ist pflegeleichter, farbenfroher und vor allem sinnvoller als eine Kiesfläche. Trockenmauern bieten Lebensräume wie auch kleinen Wasserstellen. Schwachwachsende Obstgehölze sowie Beerensträucher eignen sich auch für kleine Gärten und haben einen Mehrfachnutzen.

Oder geht es direkt um die Planung des Gemüsegartens? Da Gemüsekulturen recht kurzlebig sind, macht es Spaß zu experimentieren. Jedes Jahr gibt es neue Sorten und manchmal auch noch unbekannte Gemüsearten. Wer also Platz hat, sollte ruhig auch mal Neues ausprobieren. Planen Sie Gemüsearten- und -sorten, die im Garten guten Ertrag bringen und mit denen Sie sehr zufrieden sind ebenso mit ein. Schon bald kann es mit der Aussaat erster Gemüse beginnen. Achten Sie jedoch auf angegebene Pflegehinweise, damit es ein Erfolg wird.

Nutzen Sie die Zeit und schmökern Sie in Gartenzeitungen, in Gartenratgebern und anderen Zeitschriften. Wälzen Sie Gartenkataloge und suchen Sie Gartenseiten im Internet. Alles steht jetzt auf „Grün“. Lassen Sie sich inspirieren. Stöbern Sie nach Neuheiten, aber auch nach alten Sorten. Besonders bei Gemüse und Sommerblumen ist das Angebot sehr groß. Wenn die Gartencenter und der Gartenfachhandel wieder öffnen, sind Sie gewappnet und können sich mit Saatgut und Pflanzen eindecken. Viele Firmen bieten einen Online-Verkauf an. Hier haben Sie die Möglichkeit sich rechtzeitig Samen und anderes Zubehör zu bestellen.

Saatgut sichten

Wer selbst Blumen oder Gemüse aussät, sammelt in wenigen Jahren oft viele verschiedene Samentütchen an. Ordnen Sie diese, bevor Sie neue kaufen. Schon eine Einteilung nach Blumen und Gemüse kann hilfreich sein. Wenn Sie dann noch Fruchtgemüse aussortieren, da diese meist den Hauptteil der eigenen Aussaat ausmachen, haben Sie schon etwas Überblick gewonnen. Nicht jedes Saatgut hat die gleiche Keimfähigkeit und Haltbarkeit. Hinweise geben die Aufdrucke auf den Samenpäckchen. Bei geöffneten Tütchen spielt die Lagerung eine große Rolle, um die Keimfähigkeit aufrechtzuerhalten. Wer ganz sichergehen will, kann die Keimfähigkeit durch eine Saatgutprobe prüfen. Dies macht aber nur Sinn, wenn viele Samen vorhanden sind, z.B. bei Möhren.

(Bilder: Christine Scherer sowie Sybille Fertsch © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/262505/index.php

2021 – Gartentipp 01 – Der Glücksklee – kleiner grüner Glücksbringer

Silvesterfeiern fanden diesmal in ganz kleinem Rahmen oder virtuell statt. Vielleicht haben wir uns deshalb selbst ein bisschen Glück für das neue Jahr geschenkt. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie stellen die Glückspflanze vor.

Ein bisschen Grün in der tristen Zeit erfreut uns und mag es noch so unscheinbar sein, wie ein Töpfchen Glücksklee.

Ursprungsland Mexiko

Wer denkt, dass der Glücksklee mit dem heimischen Wiesen-Klee verwandt ist, irrt. Während man wirklich Glück braucht, um ein vierblättriges Kleeblatt in einer Wiese zu finden, trägt der Glücksklee immer vierteilige Blätter. Beim „Glücksklee“ handelt es sich meist um die Sauerklee-Art Oxalis tetraphylla, deren Ursprung in Mexiko liegt. Die viergeteilten Blätter wachsen an Stielen, bis zu 25 Zentimeter lang, und entspringen aus zwiebelähnlichen Rübchen. Die Blätter leuchten hellgrün und tragen deutliche braune Zonen. Am Abend schließen sich die Blätter wie Schirmchen. Während des Sommers bilden sich je nach Zuchtform meist rosa oder rote Blütenstände.

Glückskleepflege im Zimmer und im Freien

Damit die Pflanzen noch lange kräftig und kompakt bleiben, ist eine heller und kühler Standort ideal. Am besten liegen die Temperaturen zwischen zehn und 15 Grad Celsius. Bei trockener und warmer Heizungsluft würden schnell weiche und sehr lange Blattstiele wachsen. Regelmäßige Wassergaben sind wichtig, jedoch sollte der Wurzelbereich nur mäßig feucht sein, um Fäulnis vorzubeugen.

Glücksklee kann uns mehrere Jahre erfreuen. Oxalis wird spätestens nach dem Frost im März in größere Töpfe mit durchlässiger Blumenerde gepflanzt und ins Freie gestellt. Ein halbschattiger Standort auf Balkon, Terrasse oder im Garten behagt der Pflanze. Achten Sie auf gleichmäßige Feuchtigkeit, denn austrocken dürfen die Pflanzen nicht. Bei ausreichender Bewässerung ist auch ein sonniger Platz möglich. Gelegentliche Düngegaben lassen die Pflanzen prächtig gedeihen. Überwintert wird dann ähnlich wie bei anderen Kübelpflanzen: frostfrei und hell. Bewährt hat es sich, getopfte Glückkleepflanzen Ende Oktober oder im November in einen kühlen Keller zu räumen und den Topf über Winter trocken zu halten. Das eingezogene trockene Laub wird Ende Februar entfernt. Stellen Sie die Pflanze nun hell, gießen und düngen Sie gelegentlich. Tipp: Sie können die Zwiebelchen von größeren Töpfen teilen. Außerdem können Sie eingezogene, kühl gestellte Töpfe etwa drei Wochen vor Silvester selbst zum Antreiben bringen.

Eine Alternative ist ein halbschattiger und geschützter Platz im Gartenboden. Dann werden die Knöllchen etwa fünf Zentimeter tief gesteckt und angegossen. Nach wenigen Wochen erscheinen die neuen Blätter und Blüten. Die Pflanze ist jedoch nicht zuverlässig winterhart. Deshalb braucht sie in der kalten Jahreszeit ausreichenden Kälteschutz. Bei starken Frösten kann sie erfrieren. Alternativ können Sie die Zwiebelchen aus dem Boden nehmen und den Ballen kühl und trocken überwintern.

(Bilder: Christine Scherer © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie ein E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/262334/index.php

2020 – Gartentipp 53 – So war das Gartenjahr 2020 – ein kleiner Rückblick

Küchengarten mit Beerenobst

2020, überschattet von der Corona-Pandemie, hat den Fokus wieder auf unsere nähere Umgebung gelegt. Der Garten war ein wichtiger Ort geworden für den Zeitvertreib, Naturbeobachtungen und teilweise Selbstversorgung. Die Fachleute am Gartentelefon der Bayerischen Gartenakademie konnten dies in den vielen Anfragen erfahren.
Der Garten als Ort der Selbstverwirklichung, aber auch ein Stück Natur – den Wetterbedingungen und Klimaveränderungen ausgesetzt.

Niederschläge

Trockenschäden an Kirsche

Trockenschäden

Nichts war so unterschiedlich verteilt wie der Regen, wie auch schon in den letzten Jahren. So gibt es, vor allem im Voralpengebiet, Regionen mit viel Feuchtigkeit und drohenden Überschwemmungen. Anderenorts entstehen tiefe Risse im Boden, wo man lange auf Regen wartet. Die mittlerweile jahrelange Trockenheit führt zu Trockenschäden bei verschiedenen Gehölzen, auch bei großen Laubbäumen, die vertrocknete Blattränder aufwiesen. Nadelgehölze sterben vor allem in Unter- und Mittelfranken reihenweise ab. Die standortgerechte Pflanzenauswahl und bedarfsorientiertes Gießen waren häufige Fragen. Durch den Klimawandel verstärkt sich die Niederschlagsproblematik und ein sinnvolles Wassermanagement ist gefragt.

Temperaturen

Rose – Frostschaden

Berostung am Apfel

Frost an Erdbeerblüten

Ein deutlicher Hinweis auf Klimaveränderungen sind Spätfröste, die teilweise große Schäden anrichten. Milde Wintertemperaturen führen zu einem frühen Austrieb der Gehölze. Der Saftfluss setzt ein und Blatt- und Blütenknospen entwickeln sich. Kalte Temperaturen, manchmal mit Frost, im März, April und auch noch im Mai haben in diesem Jahr wieder zu großen Schäden an den Blüten und jungen Früchten der Obstgehölze geführt. Dadurch war die Ernte reduziert oder ganz ausgefallen. Fruchtdeformationen waren nicht selten. Äpfel und Birnen zeigten besonders viele Berostungen durch die Kälte. Zu den empfindlichen Pflanzen gehören neben Pfirsich und Aprikose mittlerweile auch andere Steinobstarten, sowie Apfel, Kiwi und Wein. Kleine Obstgehölze können mit Vliesen vor den kalten Nächten geschützt werden.
Eine Hitzewelle mit Spitzentemperaturen über 40 Grad Celsius gab es nicht. Und auch die 30-Grad wurden nicht oft erreicht, so dass 2020 Hitze- und Verbrennungsschäden vor allem von weichem Beerenobst weitgehend ausblieben. Temperaturmäßig war der Sommer warm, jedoch nicht zu heiß. Viele Fruchtgemüse wie Tomate, Zucchini und Paprika konnten deshalb zügig wachsen und reifen.

Krankheiten und Schädlinge

Grüne Reiswanze Larve

Marmorierte Baumwanze Larve

Trockene und warme Sommer mögen Wanzen gerne. Vermehrt tauchten sie in manchen Gärten im Stadtbereich auf. Auch neue invasive Arten wurden gesichtet wie die Grüne Reiswanze oder die Marmorierte Baumwanze. Sie verursachen Saugschäden an verschiedenem Obst und Gemüse wie Apfel, Birne, Paprika, Bohne und Tomate.
Laue Sommernächte hatten wir kaum. Meist war es nachts recht kühl, wenn tagsüber die Temperaturen anstiegen. Folglich hatten wir schon bald im Jahr Probleme mit Echtem Mehltau an verschiedenen Pflanzen (Wein, Rose, Zucchini etc.), der die Blätter weiß überzog.
In trockenen Gegenden konnte man Tomaten wieder bis zum Oktober ernten. Selbst ohne Überdachung blieben die Pflanzen von der Kraut- und Braunfäule weitgehend verschont.

Was bringt uns 2021?

Der Garten bleibt weiterhin ein Stück Natur, das wir pflegen. Aber immer stärker werden wir uns mit den Klimaveränderungen beschäftigen müssen. Der Bodenpflege wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es wird nicht mehr in jedem Garten alles wachsen. Die Standorte geben immer mehr die Pflanzenauswahl vor. So können wir ressourcenschonend den Garten kultivieren und zur Biodiversität und Erhaltung unserer Gartenlandschaft beitragen.

(Bilder: Christine Scherer © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie ein E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/262308/index.php

2020 – Gartentipp 52 – Rosen im Winter schützen

Die Rosenvielfalt ist riesengroß. Deshalb findet man auch in fast allen Gärten ein oder mehrere Exemplare. Eigentlich sind Rosen recht robust. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie geben Ratschläge, warum ein Winterschutz trotzdem sinnvoll sein kann.
Rosenschutz im Winter kann auch dekorativ sein. So mancher wird zum Verpackungskünstler, speziell bei Hochstammrosen. Übrigens lassen sich auch gut die Zweige des Weihnachtsbaumes verwenden. Fichtenreisig eignet sich jedoch nicht, denn die Nadeln fallen schnell ab.

Warum Rosen im Winter schützen?

Ältere, eingewachsene Strauch- und Beetrosen vor allem auch die robusten und wüchsigen Kleinstrauchrosen benötigen in wintermilden Gebieten in der Regel keinen Winterschutz mehr. Anders verhält es sich bei Neupflanzungen und Rosenhochstämmchen. „Winterschutz“ bedeutet Schutz im Winter. Das heißt, dass Schutzmaßnahmen nicht zu früh erfolgen sollten. Erst wenn eine längere Kälteperiode oder stärkere Fröste zu erwarten sind, werden die Pflanzen geschützt.
Schutz benötigt die empfindliche Veredlungsstelle. Bei einer fachgerechten Pflanzung der Rosen liegt die Veredlungsstelle etwa fünf bis acht Zentimeter unter der Erde und ist somit schon geschützt. Zusätzliches Anhäufeln mit Erde, aber auch mit Laub sowie Abdecken mit Nadelreisig ist möglich. Es schützt, nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Verdunstung und Wintersonne. Das Anhäufeln der Rosen mit Erde als Winterschutz ist in den ersten Jahren zu empfehlen. Bei älteren, unempfindlichen Rosensorten reicht dann ein Abdecken mit Koniferenzweigen.
Ist die kalte Zeit im zeitigen Frühjahr vorbei, wird der erste Schutz entfernt, damit die Pflanzen nicht zu bald austreiben und Spätfröste Schäden anrichten. Das Nadelreisig bleibt aber für Kälteeinbrüche in Reichweite liegen.

Stammrosen mit Winterschutz

Komplizierter ist der Winterschutz bei Stammrosen. Die empfindliche Veredlungsstelle liegt nämlich in luftiger Höhe, direkt unterhalb der Krone. Die Verdickung am Stammfuß ist keine Veredlung und bleibt bei einer Pflanzung etwa zehn Zentimeter über der Erdoberfläche.
Als Winterschutz wird die Krone mit Vlies eingepackt, wobei das Vlies unterhalb der Veredelungsstelle zusammengebunden wird. Es eignet sich auch Jutegewebe oder anderes luftdurchlässige Material. Eventuell können im Kronenbereich zusätzlich Nadelzweige eingesteckt werden. Keinesfalls sollten Sie Folien verwenden, da diese keinen Luftaustausch zulassen und Fäulnis und Schimmel fördern. Oft sind die Kronen über den Sommer groß gewachsen, was eine optimale Verpackung verhindert. Ein leichter Rückschnitt zur Formgebung für ein einfacheres Einpacken der Krone ist möglich. Der richtige Rosenschnitt erfolgt wie bei anderen Rosen erst im Frühjahr.

(Bilder: Christine Scherer sowie Isolde Keil-Vierheilig © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)
Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-147) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de.

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/261559/index.php

2020 – Gartentipp 51 – Obstbäume schützen oder: Warum sind Obststämme weiß?

Die Klimaveränderung macht auch vor unseren Gärten nicht halt. So konnten wir in den letzten Jahren nicht nur verstärkt Hitze- und Trockenschäden beobachten. Auch Winter- bzw. (Spät-)Frostschäden wurden häufiger beklagt. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie wissen Rat.
Noch vor einigen Jahren selten, so sieht man jetzt häufiger Obstbäume in Gärten und sogar auf Streuobstwiesen, die einen weißen Stamm besitzen. Dieser wurde bewusst angestrichen.

Gründe für einen Weißanstrich

Ein weißer Anstrich bietet Schutz vor schädigender Wintersonne und zugleich vor Sonnenbrand im Sommer. Durch sonnige Tage im Spätwinter wird der Saftstrom in der Pflanze angeregt. Herrschen dann nachts frostige Temperaturen, und wird die Südseite des Stammes tagsüber von der Sonne beschienen und erwärmt, entstehen Spannungen unterhalb der Rinde bis ins Holz. Ein häufiger Wechsel von Gefrieren und Auftauen lässt die sogenannten Frostrisse ebenso entstehen wie längere Perioden mit tiefen Minusgraden in der Nacht. Die Rinde reißt meist an der sonnenzugewandten Seite senkrecht auf. Besonders betroffen sind Gehölze an sonnenexponierten Lagen wie beispielsweise einem Südhang mit viel Sonne und jüngere Stämme mit glatter Rinde.
Die weiße Farbe hingegen reflektiert Licht und verhindert, dass sich die dunklen Stämme der Gehölze stärker erwärmen. Der Saftstrom in die Knospen wird verzögert. Somit treiben die Knospen auch später aus. Dies wiederum beugt Knospen- und Blütenschäden durch Spätfröste vor, denn die milden Temperaturen in den letzten Wintern führten zu einem frühen Austrieb und vorzeitiger Blüte. Einsetzende Spätfroste zerstörten die Blüten und führten zu einem geringen Ertrag.
Bei Steinobst tritt Saftanstieg und Austrieb besonders früh ein. Da viele Arten und vor allem jüngere Bäume eine glatte Rinde besitzen, ist das Weißeln der Stämme von Aprikosen, Pfirsichen und auch Kirschen empfehlenswert, um Frostrissen vorzubeugen.

Einen Weißanstrich anbringen

Vor einem Anstrich benötigt es etwas Baumpflege. Lose Rindenstücke am Stamm und an dickeren Ästen werden mit einer Bürste abgeraspelt. Durch das Glätten erleichtert man sich das Auftragen des Anstriches. Gleichzeitig entfernt man auch mögliche Schaderreger, die an oder unter der Rinde sitzen.
Der Handel bietet verschiedene Produkte zum Anstreichen an. Achten Sie stets auf die Gebrauchsanweisung. Diese dient zum Schutz des Anwenders. Auch ist es möglich einen Weißanstrich aus Kalk und Tapetenkleister selbst herzustellen.
Wer nicht „malern“ möchte, kann über den Winter den Stamm mit Fichtenreisig, Jutesack oder Vlies einbinden, um Stammschäden durch Sonneneinstrahlung vorzubeugen.

Weißanstrich, auch für den Sommer

Typisch ist das Weißeln der Bäume für den Winter. Doch mit immer stärkerer Sonneneinstrahlung im Sommer erleiden die Gehölze zunehmend auch Schäden im Rindenbereich. Nachdem die Rinde gerissen oder das Kambiumgewebe darunter geschädigt ist, können sich verschiedene Pilzkrankheiten hier ansiedeln. Der somit im Laufe der Jahre vorgeschädigte Stamm kann zum Absterben des ganzen Baumes führen. Auch hier sind Bäume an heißen Sonnenhängen besonders gefährdet. Ein Weißanstrich im Sommer bietet Schutz.

(Bilder: Isolde Keil-Vierheilig © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/261433/index.php

2020 – Gartentipp 48 – Lagerfäulen beim Apfel

Die Zeit der Apfelernte ist vorbei. Die Früchte liegen im Lager. Dort werden sie stetig kontrolliert und verwertet. Doch immer wieder findet man faulige Äpfel. Momentan gibt es häufig Fragen zu Lagerfäulen, wissen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.
Witterungseinflüsse während des Jahres können ursächlich für unterschiedliche Pilzinfektionen an Apfelfrüchten sein. Sichtbar werden die Schäden oft erst bei der Lagerung.

Lagerfäulen mit unterschiedlichen Erregern

Viele Fruchtfäulen treten erst während der Lagerung auf. Optisch erkennt man sie meist nicht auf den Äpfeln. Jedoch sind verschiedene pilzliche Erreger, oft schon während des Wachstums und der Reife am Baum, auf die Früchte gelangt. Die Sporen haften dann unsichtbar an den Früchten. Im Laufe der Lagerung erscheinen dann erste Faulstellen, vor allem an Äpfeln mit verletzter Fruchthaut.
Eine typische Lagerfäule ist die Alternaria-Schwarzfäule. Hierbei entstehen große schwarze Faulstellen, die jedoch nicht tief in das Fruchtfleisch eindringen. Da die Krankheit im Lager nicht ansteckend ist, treten die schwarzen Früchte nur vereinzelt auf.
Ganz schwarz oder glänzend braun verfärben sich Früchte, die mit Monilia-Schwarzfäule befallen sind. Auch das Fruchtfleisch ist dunkel und lederartig zäh. Später bilden sich weiße Sporenlagertupfen auf der Schale. Die Krankheit ist ansteckend, weshalb befallene Früchte oft zusammenkleben.
Eine ebenfalls ansteckende Lagerfäule, die auch schnell auf gesunde Früchte übergreifen kann, ist die Penicillium-Fruchtfäule. Hier bilden sich zunächst wässrige, weiche hellbraune Flecken, die sich dann schnell vergrößern. Später bilden sich weiße und grünlich-blaue Pilzsporen. Das faulige Fruchtfleisch fällt zusammen und Fruchtsaft tritt aus. Botrytis-Fruchtfäule und Mucor-Köpfchenschimmel sind ebenfalls ansteckend.
Bei der Gloeosporium-Fruchtfäule oder auch Lentizellenfäule bilden sich oft mehrere rundliche braune Faulstellen mit wenigen Zentimetern Durchmesser um die Lentizellen, den Schalenpunkten auf der Fruchthaut. Die „Sporenpunkte“ können schwarz, weiß oder gar rosa gefärbt sein. Nach feuchten Sommern tritt diese Krankheit im Lager häufiger auf. Aufgrund des Geschmacks befallener Äpfel, nennt man die Krankheit auch „Bitterfäule“.

Den Lagerfäulen vorbeugen

Für die Vorratshaltung lagern Sie grundsätzlich bei der Ernte nur gesundes, makelloses und schadfreies Obst ein. An Wunden und geschädigten Stellen siedeln sich leicht pilzliche Erreger an, deren Sporen unsichtbar in Obstlager gelangen. Sorgen Sie für möglichst kühle, jedoch frostfreie Lagerbedingungen.
Für eine vorbeugende Bekämpfung der Lagerfäulen gehört auch die Baumhygiene. Sporen von Fruchtfäule-Erregern haften an Frucht- und Blütenmumien, die über den Winter am Baum hängen geblieben und stark eingetrocknet sind. Diese infizieren dann über die Blüte oder jungen Früchte bereits den neuen Behang, vor allem wenn Verletzungen am Obst entstehen. Entfernen Sie daher diese Frucht- und Blütenmumien beim Baumschnitt, sinnvollerweise vor dem Austrieb.
In Büscheln dicht hängende Äpfel sind durch Lagerfäulen gefährdet. Die Reibung aneinander verletzt die Fruchthaut und Pilzsporen können eindringen. Vereinzeln bzw. Ausdünnen überzähliger Früchte des Büschels bereits im Juni wirkt dieser Gefahr entgegen.

(Bilder: Christine Scherer © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/259200/index.php